Seite 2: Kein Führerschein für Sportlehrer

Viel­leicht erin­nerte sich Klins­mann dunkel an diesen ver­kürzten Son­der­lehr­gang, den er vor zwanzig Jahren belegt hatte. Er dau­erte von Januar bis Juni 2000 und am Ende bekam er einen Schrieb, auf dem stand, dass er jetzt Fuß­ball-Lehrer wäre. Mög­li­cher­weise glaubte er, das würde rei­chen, schließ­lich war Joa­chim Löw auch in dem Kurs gewesen, und dem gestat­tete man offenbar immer noch, Hüt­chen auf­zu­bauen und zwi­schen zwei Tassen Espresso eine Kabi­nen­an­sprache zu halten.

Wenn dies Klins­manns Gedan­ken­gänge waren, dann hatte er etwas Ent­schei­dendes ver­gessen. Zuge­geben, man muss ihm das nach­sehen, denn bis die aktu­elle Debatte los­ge­treten wurde, war ver­mut­lich den meisten Men­schen nicht klar, dass eine Trai­ner­li­zenz nicht so etwas ist wie ein Füh­rer­schein für Sport­lehrer. Den Füh­rer­schein muss man näm­lich nur einmal machen, bei der Lizenz zum Fuß­ball­un­ter­richten sieht das anders aus. Die muss man, wie das Land in dieser Woche erfuhr, regel­mäßig erneuern und sich dabei fort­bilden. Wahr­schein­lich ist das so, weil das Spiel sich ständig wei­ter­ent­wi­ckelt. Man stelle sich nur mal vor, Hertha schießt im Ach­tel­fi­nale des Pokals bei Schalke in der Ver­län­ge­rung ein Tor und Klins­mann rennt jubelnd in den Mit­tel­kreis, weil er nicht mit­be­kommen hat, dass seit seinem Lehr­gang das Golden Goal abge­schafft wurde. Das wäre ja total pein­lich!

Ord­nung muss sein

Gut also, dass eine ganz bestimmte Zei­tung in diesem Land auf solche Dinge penibel achtet. Das exakte Alter und der kor­rekte Name eines Spie­lers ist dieser Publi­ka­tion ebenso wichtig wie ordent­lich abge­stem­pelte und sauber ein­ge­hef­tete Beschei­ni­gungen über Erwach­se­nen­bil­dung im Bereich des Ball­sports. Das ist löb­lich und hat natür­lich nichts damit zu tun, dass jene Zei­tung Klins­mann seit mehr als dreißig Jahren auf dem Kieker hat und kaum eine Gele­gen­heit aus­lässt, Ver­mu­tungen zu äußern, Gerüchte zu zitieren oder gleich ganz unge­niert Kam­pa­gnen gegen ihn zu fahren.

Und des­halb war Klins­mann nun gezwungen, das nach­zu­weisen, was der DFB »Lern­ein­heiten« nennt. Es dau­erte etwas, weil einige der Kurse in Län­dern wie Bra­si­lien oder Mexiko statt­ge­funden haben sollen, und dann sind Sätze wie »Jürgen hat mit Erfolg teil­ge­nommen« natür­lich auf Por­tu­gie­sisch oder Spa­nisch for­mu­liert und müssen erst über­setzt werden. Das ist nun geschehen – und end­lich, end­lich können wir wieder Fuß­ball spielen. Es sei denn natür­lich, die besagte Zei­tung ver­langt eine foren­si­sche Urkun­den­prü­fung der vor­ge­legten Doku­mente. Es wäre ihr zuzu­trauen.