Man hat mich mal zitiert mit dem Satz: In Hom­burg darf ich als Ein­ziger bei Rot über die Ampel fahren.“ Da ist ver­mut­lich was dran. Zu meiner Zeit als Trainer beim FC genoss ich quasi völ­lige Nar­ren­frei­heit. Und der Erfolg gab mir Recht: 1976 spielten wir eine ordent­liche Rolle in der zweiten Bun­des­liga, am Ende wurden wir Dritter.



Doch in Hom­burg erin­nert man sich an eine ganze andere Posse aus dieser Zeit: Wie ich den Platz­wart an den Pfosten fes­seln ließ. Es war Rosen­montag, und eigent­lich hatte ich der Mann­schaft frei­ge­geben. Weil die am Wochen­ende aber ziem­lich beschissen gespielt hatte, trom­melte ich die Jungs trotzdem zusammen. Ein alt­be­währtes Mittel, um mich für schwache Leis­tungen am Spieltag zu revan­chieren, auch wenn meine Frau noch meinte: Lass den Jungs doch ihren freien Tag!“

Nein, nach dieser Vor­stel­lung sollten sie schwitzen. Damals hatten wir zwei Plätze zur Aus­wahl: einen Rasen­platz, auf dem wir auch unsere Punkt­spiele aus­trugen, und einen Hart­platz. Der war tat­säch­lich so hart, man hätte dort ohne große Pro­bleme einen Jumbo landen können. Ich habe meis­tens trotzdem darauf trai­nieren lassen, der Rasen­platz sollte am Wochen­ende schließ­lich nicht aus­sehen wie ein Nagel­brett.

Als ich am besagten Rosen­montag meinen Wagen auf dem Gelände parkte, stand ein Mann schon da, um mich herz­lich zu begrüßen: Kli­maaa, Hart­platz!“ Unser rot­haa­riger Platz­wart, von allen nur Brüder“ genannt. Ein super Typ, aber ein Cho­le­riker vor dem Herrn. Gleich­zeitig betrieb er gemeinsam mit seiner Frau die Ver­eins­gast­stätte, die direkt an den Plätzen lag.

Als er mich so ener­gisch begrüßte, merkte ich schon: Der ist bereits voll wie ein Eimer. Er wollte uns nicht auf den Rasen lassen, aber ich hatte eigent­lich nur ein kurzes Spiel ein­ge­plant, und das sollte gefäl­ligst nicht auf der Staub­lunge statt­finden. Meine Jungs sollten schließ­lich nicht mit aus­ge­trock­neten Kehlen in den Rosen­montag ent­lassen werden. Kurzum: Ich schickte die Spieler aufs fri­sche Grün.

Wäh­rend die Mann­schaft also schon am Spielen war, stand Brüder“ immer noch vor seiner Wirt­schaft, tor­kelte voll­trunken und schrie sich die Seele aus dem Leib Kli­maaa, du Idiot! Runter vom Rasen!“ Irgend­wann ging er mir gehörig auf den Geist. Ich musste han­deln. Also hab ich mir einen jungen Spieler bei­seite genommen und dem gesagt: Hol mal die Sprung­seile aus der Kabine.“ Der war völlig ver­dat­tert: Trainer, warum die Sprung­seile?“, rannte dann aber doch los und brachte mir die Dinger. Ich pfiff das Spiel ab und holte die Mann­schaft zusammen. Ihr geht jetzt runter, nehmt ihn gefangen und fes­selt ihn mit den Seilen.“

Als die Spieler den Platz­wart nie­der­ge­rungen und ihm Hände und Füße ver­bunden hatten, fragten sie mich: Trainer, was jetzt?“ An den Tor­pfosten binden!“ Ich habe die Bälle auf die Straf­raum­grenze legen und dann mit Schma­ckes auf den Schrei­hals schießen lassen. Der hat einige Bälle vor den Sack bekommen, aber ein­kni­cken ging ja nicht, dafür hatten ihn die Jungs zu gut fest­ge­bunden.

Aller­dings: So schlimm war das nun auch wieder nicht, seinen Kopf konnte er frei bewegen und von zehn Schüssen haben viel­leicht vier ihr Ziel gefunden. Das ging fast 15 Minuten, bis plötz­lich seine Frau mit einem langen Brot­messer aus der Wirt­schaft auf den Platz spur­tete und ihren Mann vom Pfosten schnitt. Am nächsten Morgen reicht mir meine Frau die Zei­tung mit der Schlag­zeile: Trainer fes­selte Platz­wart an Pfosten!“ Brüder“ wohnt heute gleich bei mir um die Ecke in Hom­burg. Sauer ist er offenbar nicht mehr, jeden­falls werde ich immer sehr nett begrüßt.