Spieler kommen, Spieler gehen. Han­delt es sich bei Letz­terem um den Lieb­lings­spieler, das Idol, den Leit­wolf eines Ver­eins, können die Emo­tionen und Bin­dungen der Fans auch schnell umschlagen. In Sekun­den­bruch­teilen wird aus dem Lieb­ling ein Ver­räter. Einer, der den Hals gar nicht voll genug bekommen kann. Der es sowieso noch nie Wert war, das Logo des Ver­eins ober­halb seines Herzen zu tragen.

So oder so ähn­lich wäre es wohl auch im fin­ni­schen Oulu gelaufen. Oulu liegt im Norden Finn­lands, noch etwas weiter nörd­lich befindet sich schon die Grenze zu Schweden. Trotz der großen Uni­ver­sität ist das Angebot in der Alt­stadt über­schaubar. Das High­light ist die Statue eines unter­setzten Poli­zisten (der Tor­ri­pol­liisi“) in der Mitte des Markt­platzes. Dieser soll – so die Legende – früher einmal tat­säch­lich für Ruhe und Ord­nung auf dem Markt­platz gesorgt haben, was bei dem trägen Anblick zumin­dest bezwei­felt werden kann.

In der Stadt spielt der Fuß­ball nicht die erste Geige. Tra­di­tio­nell stehen die Finnen eher auf Eis­ho­ckey. Im Eis­sta­dion spielen gleich zwei Ver­eine. Einer davon ist Oulun Kärpät, fin­ni­scher Meister von 2014 und 2015. Der Fuß­ball­verein AC Oulu wurde erst vor 15 Jahren gegründet. Sein Vor­gän­ger­verein, der FC Oulu, wurde immerhin 1979 und 1980 Meister.

300 Euro Monats­ge­halt

In der ver­gan­genen Spiel­pause erhielt der Zweit­li­gist AC Oulu für seinen Mit­tel­feld­spieler David Rama­din­gaye ein Angebot vom Erst­li­gisten PK35 Vantaa. Doch die Fans hatten nicht nur etwas gegen den bevor­ste­henden Wechsel ihres Lieb­lings, sie hatten auch eine Idee, wie sie ihn ver­hin­dern können.

Beim Erst­li­gisten aus Vantaa, nahe der Haupt­stadt Hel­sinki, hätte Rama­din­gaye 300 Euro im Monat ver­dienen können. Das klingt wenig, ist im fin­ni­schen Pro­fi­fuß­ball aller­dings nicht unge­wöhn­lich, wenn man nicht gerade ein bekannter Natio­nal­spieler ist. Doch selbst dieses Gehalt konnte ihm der AC Oulu nicht bieten.

Ein Abend­essen für 200 Euro

Also star­teten Fans des Klubs eine Crowd­fun­ding-Kam­pagne, um Rama­din­gaye auch für die kom­mende Saison zu halten. Um zum Spenden zu ani­mieren, dachten sie sich ver­schie­dene Anreize aus. Für 20 Euro lockte ein Dan­ke­schön in einem Video. Mit 50 Euro gab es ein Seppo“ (Rama­din­gayes Spitz­name) T‑Shirt und für den dop­pelten Betrag einen Pull­over. An einem Abend­essen mit dem Spieler konnte man für 200 Euro teil­nehmen und für 100 Euro mehr gab es dazu ein signiertes Trikot.