Die Gegen­wehr hielt sich, sagen wir: in Grenzen. Als Midtjyl­land-Stürmer Gustav Wik­heim in der Schluss­phase den 2:1‑Siegtreffer gegen Sön­der­jyskE erzielte, schien die Hin­ter­mann­schaft der Gäste von allen guten Geis­tern ver­lassen“. Tat­säch­lich aber war es wohl recht schlau von den Sön­der­jyskE-Profis um Ex-Werder-Keeper Sebas­tian Mie­litz, die Partie so spät noch abzu­schenken. Mehr noch: Die Nie­der­lage in Midtjyl­land bedeutet tabel­la­risch den ziem­lich sicheren Super­liga-Klas­sen­er­halt für Sön­der­jyskE. Wes­halb der Klub aus Haderslev mit Schluss­pfiff fröh­lich twit­terte: Das war der am wenigsten über­ra­schende späte Gegen­treffer in unserer Geschichte.“

Ein ein­fa­ches Rechen­spiel

Kaum zu glauben, aber wahr: Ein Sieg oder ein Remis in diesem letzten Spiel der Haupt­runde hätte Sön­der­jyskE in höchste Abstiegsnot gebracht. Dann wäre man als Tabel­len­siebter in eine viel schwie­ri­gere Rele­ga­tions-Gruppe mit dem Zehnten (Aarhus GF), dem Elften (Sil­ke­borg IF) und dem 14. (FC Hel­singör) gekommen. So aber, als Tabel­len­achter, landet man in einer Gruppe mit dem Neunten (Odense BK), dem Zwölften (Lyngby BK) und dem 13. (Randers FC). Was daran ein­fa­cher ist? Nun, in der Rele­ga­tion kommt es darauf an, min­des­tens zwei Teams in seiner Gruppe hinter sich zu lassen, wobei die Punkte aus der Haupt­runde mit­ge­nommen werden. Sön­der­jyskEs Vor­sprung auf den Vor­letzten der eigenen Gruppe (Lyngby) ist um sieben Punkte größer als jener auf den Vor­letzten der Par­allel-Gruppe (Sil­ke­borg). Der Abstand zur kri­ti­schen Zone beträgt somit sichere zehn statt wacke­liger drei Zähler.

Dänen, das wissen wir von Otto Waalkes, lügen bekannt­lich nicht. Also trat Sön­der­jyskEs Offen­siv­mann Chris­tian Jakobsen nach der 1:2‑Pleite in Midtjyl­land vor und sagte: Das Ganze ist doch nur noch zum Lachen. Natür­lich tut es weh im Hin­blick auf den eigenen Stolz als Sportler, aber man will schließ­lich das Beste für den eigenen Klub.“ Sein Kol­lege Marc Pedersen ergänzte: Wir hätten doch ein Loch im Kopf, wenn wir in dieser Situa­tion anders gehan­delt hätten.“ Abwehr­turm Anders Egholm wurde noch eine Spur deut­li­cher: Ich denke, es ist ver­ständ­lich, dass wir als Sportler dar­über nach­denken, ob es vor­teil­haft ist zu ver­lieren. Es ist nun an den Jour­na­listen, die rich­tigen Fragen an jene zu stellen, die die Spiel­re­geln gemacht haben.“

Es geht ums Geld

Die wich­tigste aller Fragen: Wie konnte es über­haupt so weit kommen? Die Ant­wort ist simpel: Es ging natür­lich ums Geld. Däne­marks Super­liga hat – wie viele Ligen in den klei­neren Nationen – seit Jahren Pro­bleme, sich zu finan­zieren. Also ersann man zur Saison 2016/17 einen neuen Spiel­modus, der mehr Begeg­nungen, mehr Span­nung und damit mehr Zuschauer-Ein­nahmen und mehr TV-Kohle bescheren sollte. Vor allem die großen Klubs wie der FC Kopen­hagen und Bröndby IF hatten diese Neue­rung gefor­dert, um auf inter­na­tio­naler Ebene halb­wegs mit­halten zu können.