Weg­wei­sende Ent­schei­dungen werden in aller Regel von oben nach unten kom­mu­ni­ziert. Das weiß man. Doch manchmal läuft es auch genau umge­kehrt. Im Falle von Rosen­borg Trond­heim war es die Fan­base, die beschlossen hatte: Ein Winter-Trai­nings­lager in Dubai – das darf ange­sichts der eher man­gel­haften Men­schen­rechts­lage in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten nicht sein. Also star­tete der ein­fluss­reiche Fan­club Kjernen“ (Der Kern) eine groß­an­ge­legte Pro­test­ak­tion gegen das Vor­haben der sport­li­chen Füh­rung. Und siehe da: Der Verein reagierte tat­säch­lich und sagte das Camp in der größten Metro­pole der Emi­rate ab.

Trai­nings­be­din­gungen oder Men­schen­rechte?

Nun kann man mäkeln. Der Klub han­delte schließ­lich erst auf mas­siven Druck aus der Anhän­ger­schaft und aus den Medien. Diese hatten in den ver­gan­genen Wochen teils hitzig über den geplanten Trip der Trond­heimer dis­ku­tiert und dabei vor allem die in Dubai gän­gige Kri­mi­na­li­sie­rung Homo­se­xu­eller sowie den men­schen­ver­ach­tenden Umgang mit weib­li­chen Opfern von (sexu­ellen) Gewalt­taten ins Feld geführt. Rosen­borg hatte sich den­noch lange Zeit stur gestellt und gebets­müh­len­artig auf die her­vor­ra­genden Trai­nings­be­din­gungen und das warme Klima vor Ort ver­wiesen. Doch letzt­lich kann man fest­halten: Der Verein hat reagiert – spät, aber allemal recht­zeitig vor dem geplanten Abflug am 23. Januar.

Die Absage an sich ist ein klares State­ment, das auch inter­na­tional große Beach­tung fand und den Blick der Welt­öf­fent­lich­keit für einen kurzen Moment auf die Miss­stände im Wüs­ten­reich lenkte. Wenn­gleich Rosen­borgs Sport­di­rektor Stig Inge Björ­nebye auf eine allzu expli­zite Kritik an der poli­ti­schen Elite der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate ver­zich­tete. Es war die poli­ti­sche Kon­tro­verse, die in unseren Beschluss ein­ge­flossen ist“, ver­kün­dete Björ­nebye leicht kryp­tisch. Einiges wurde so gedeutet, als würden wir bestimmte Dinge unter­stützen, für die das dor­tige Regime steht. Fuß­ball und Politik gehören in der Regel nichts zusammen, aber ab und zu tun sie es eben doch.“

Der Ball rollt weiter

Einigen Men­schen­recht­lern mag diese Stel­lung­nahme ent­schieden zu defensiv aus­ge­fallen sein. Andere finden: Es ist allemal besser, ein Unrechts-Regime zu boy­kot­tieren und es vage zu kri­ti­sieren, als hin­zu­fliegen und gar nichts zu sagen. Und dagegen lässt sich wenig ein­wenden. So hat Rosen­borg Trond­heim den Ball unge­wollt an andere Klubs wei­ter­ge­spielt. An Ver­eine wie den FC Bayern Mün­chen, der im Januar ver­trags­gemäß einmal mehr in der welt­be­rühmten Aspire Sports Aca­demy“ in Doha trai­nieren wird. Na gut, Doha liegt ja auch nicht in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten, son­dern ist die Haupt­stadt von Katar. Doch in Punkto Men­schen­rechte gäbe es da wie dort genü­gend zu bereden.