Rafinha
Hitzig war sie, die Gene­ral­probe des Cham­pions-League-Finals zwi­schen Borussia Dort­mund und Bayern Mün­chen. Was auch an Mün­chens Rechts­ver­tei­diger Rafinha lag. Der ließ Gegen­spieler Jakub Blasz­c­zy­kowski zunächst generös von seinem Ell­bogen kosten, zeterte dann über die Gelb-Rote Karte, langte dem Polen beim Gang vom Feld noch mal ins Gesicht, musste sich dar­aufhin von Jürgen Klopp maß­re­geln lassen und pöbelte diesen dann ges­ten­reich voll. Was Klopp aber gar nicht mehr wahr­nahm, denn er hatte sich bereits dem meckernden Mat­thias Sammer zuge­wandt und kam Bay­erns Motzki bedroh­lich nahe. Eine heikle Sache, denn es ist nicht unbe­dingt klar, was pas­siert, wenn zwei Emo­tionis wie Klopp und Sammer unge­bremst auf­ein­an­der­treffen. Wahr­schein­lich ent­stehen so schwarze Löcher oder zumin­dest Kern­schmelzen. Gut, dass Schiri Gagel­mann in der Nähe stand und eine dro­hende Kata­strophe gerade noch abwenden konnte. Min­des­tens bis zum Cham­pions-League-Finale in drei Wochen dreht sich die Welt also weiter.

Axel Bel­ling­hausen
Seit Wochen tru­delt For­tuna Düs­sel­dorf ganz langsam und unbe­merkt dem Abstieg ent­gegen. Ein Umstand, den es so nicht gäbe, wenn alle Spieler ähn­lich moti­viert wären wie Mit­tel­feld­ma­schine Axel Bel­ling­hausen. Der sträubte sich im Spiel gegen Frank­furt mit jeder Faser seines Kör­pers gegen die Nie­der­lage, ackerte seine Seite hoch und runter, rannte, foulte, schwitzte, motzte den Schiri an und legte in jeder Sekunde der Partie eine übel­lau­nige, gran­tige Moti­va­tion an den Tag, für die wir an dieser Stelle das Wort Mat­thias­sam­merig“ erfinden. Höhe­punkt dabei war sein Schubser gegen Frank­furts Reser­vist Oli­vier Occean, der sich an der Bande auf­wärmte und, naja, eben zufällig in Bel­ling­hau­sens Reich­weite her­um­stand. Selber Schuld.

Atsudo Uchida
Der 11FREUNDE-Eisen­schädel des Spiel­tags“ geht diesmal fei­er­lich an Atsudo Uchida. Schalkes Japaner rutschte im Spiel gegen Glad­bach näm­lich unge­bremst mit Filip Daems inein­ander und wurde dabei so derart heftig am Schädel getroffen, dass Andreas Reinke zuhause wahr­schein­lich vor Schreck hin­ters Sofa sprang. Nach län­gerer Behand­lungs­zeit konnte Uchida wei­ter­ma­chen, auf die Nach­fragen von der Bank, ob er aus­ge­wech­selt werden wolle, reagierte er mit dem erho­benen Daumen. Was in Japan, wie wir mut­maßen, wahr­schein­lich Holt bitte einen Not­arzt, es geht mir sehr schlecht“ bedeutet. In der Halb­zeit kam man dann Uchidas Wunsch nach, Dia­gnose: Gehirn­er­schüt­te­rung. Aber vorher noch 35 Minuten Fuß­ball spielen, wir ziehen ehr­furchts­voll unsere neon­gelben Fahr­rad­helme.

Georg Nie­der­meier
Noch vor wenigen Wochen hatten wir Georg Nie­der­meier in dieser Liste, weil er in den Straf­räumen der Liga beharr­lich wie kaum ein anderer Ver­tei­diger Jagd auf frei­lau­fende Schien­beine machte. Wir ahnten aber damals schon, dass der Nie­der­mäher, der er auf dem Platz ist, neben dem Platz eigent­lich ein ganz ange­nehmer Kerl ist. Wie er am Samstag nun unter Beweis stellte, als er gelb­ge­sperrt nicht mit­spielen durfte und die Frei­zeit nutzte, um gemeinsam mit Kol­lege Vedad Ibi­sevic im Stutt­garter Fan­block zu stehen. Dort hüpften die beiden fröh­lich, sangen die Chants mit und ließen sich von den Fans foto­gra­fieren. Ein lus­tiger Samstag soweit, dumm nur, das die Kol­legen auf dem Platz keinen Bock auf Party hatten und gegen Fürth, den unbun­des­li­ga­haf­testen Bun­des­li­gisten der lau­fenden Saison, 0:2 ver­loren. Ob die beiden nach Abpfiff ein empörtes Scheiß Mil­lio­näre“ anstimmten, ist leider nicht über­lie­fert.

Antonio Rüdiger
Für ein ganz beson­deres Schman­kerl sorgte am Wochen­ende Stutt­garts Nach­wuchs-Ver­tei­diger Antonio Rüdiger. Der über­trug näm­lich den seit Jahr­zehnten erprobten Schulhof-Gag, bei dem man seinem lau­fenden Vor­der­mann die eine Hacke hinter die andere kickt, kur­zer­hand auf den Fuß­ball­platz. Begeis­te­rungs­stürme in der Redak­tion, schließ­lich hat sich dieser Jahr­hun­dert-Witz auch auf unseren Büro­gängen bes­tens bewährt. In der Bun­des­liga gibt es dafür aller­dings Elf­meter und, wie im Falle Rüdiger, die Rote Karte. Was dann direkt nicht mehr so lustig ist. Also für ihn.

Alex­ander Meier
Rumms­bumms, raus aus der Form­krise. In der Hin­runde von den Kol­legen im Kicker“ noch zum Auf­steiger der Hin­runde gewählt, kri­selte Frank­furts Alex­ander Meier in der Rück­runde so vor sich hin, war mal ver­letzt, mal außer Form, ins­ge­samt so lala. Am Samstag dann, im Spiel gegen Düs­sel­dorf staubte Meier zunächst zum 1:0 für die Hessen ab, um in der Schluss­phase, als die For­tuna auf den Aus­gleich drängte, den Deckel auf die Partie zu machen. Nicht irgendwie, son­dern mit einem Schlenzer vom Straf­rau­meck, der sich so wun­der­schön genau in den Winkel drehte, dass eine geo­me­tri­sche Formel danach benannt werden sollte. Die Mei­er­sche Kurve viel­leicht, oder die Innen­rist-Halb­el­lipse.

David Abraham
Dinge, die man im Abstiegs­kampf unbe­dingt ver­meiden sollte: Nach 30 Sekunden einen Elf­meter gegen einen Mit­kon­kur­renten ver­ur­sa­chen. Eine wich­tige Lek­tion, die Hof­fen­heims David Abraham im Spiel gegen Werder Bremen kur­zer­hand vergaß. Der Fair­ness halber sei erwähnt, dass sein Foul kurz vor der Straf­raum­grenze statt­fand und der Elfer des­wegen nicht berech­tigt war. Blöd war es trotzdem. Ist letzt­lich aber auch nicht wirk­lich wichtig, denn der im Januar vom Hof­fen­heimer Par­al­lel­trans­fer­markt weg­ge­mül­lerte Abraham hatte nach 90 Minuten ja doch irgendwie Grund zu feiern, was in erster Linie an seinem Kol­legen…

Sven Schipp­lock
…lag. Der kam näm­lich in der 66. Minute ins Spiel, das Bremen bis dahin so fest unter Kon­trolle hatte wie Uli Hoeneß seine Finanz­gesch… ach, lassen wir das. Wie dem auch sei, Schipp­lock kam rein, suchte ein paar Minuten und fand schließ­lich das letzte Hof­fen­heimer Streich­holz, mit dem er noch mal uner­wartet Licht im Tabel­len­keller ent­zün­dete. Ins­be­son­dere Schipp­locks zweites Tor in der Nach­spiel­zeit könnte dabei ein nach­hal­tiger Nacken­schlag für den Abstiegs­kon­kur­renten aus Bremen sein. 

Kevin de Bruyne
Womit wir bei Kevin de Bruyne wären, der am Wochen­ende für das emo­tio­nale High­light sorgte. Es scheint beschlos­sene Sache, dass der Bel­gier die Bremer am Sai­son­ende ver­lässt und wenn man ehr­lich ist, geht das auch in Ord­nung: De Bruyne ist schlichtweg über­qua­li­fi­ziert und gehört in die Königs­klasse. Dass ihm die der­zei­tige Situa­tion bei Werder aber gehörig auf den Magen schlägt, obwohl fast sicher scheint, dass er ab Sommer bei einem Top-Klub spielt, zeigten die Tränen, mit denen De Bruyne auf das unnötig ver­geigte Spiel gegen Hof­fen­heim reagierte. Ein Moment, in dem die Fuß­ball­ro­man­tiker in der Redak­tion (also quasi alle) kurz tief Luft holen mussten.

Sidney Sam
Wie man sich bei seinen Mit­spie­lern so richtig unbe­liebt macht, zeigte am Wochen­ende Lever­ku­sens Sidney Sam. Beim Stand von 2:0 schnappte sich Sam den Ball zum zweiten Elf­meter des Spiels und konnte auch vom eigent­lich vor­ge­se­henen Schützen Stefan Kieß­ling nicht von der Aus­füh­rung abge­bracht werden. Pikant dabei: Die Saison für Bayer ist gelaufen, einzig Kieß­ling könnte noch Tor­schüt­zen­könig werden. Dafür müsste er aller­dings noch ein paar Tore schießen. Elf­meter eignen sich in aller Regel ganz her­vor­ra­gend dafür. Sam war’s egal. Er schnappte sich den Ball, ver­schoss, fuhr nach dem Spiel in seinem Ein­sitzer-Sport­wagen nach Hause und arbei­tete an seinem ersten Buch weiter. Vor­läu­figer Titel: Mit­spieler ver­grätzen for Dum­mies“.

Nicolai Müller
Mainz‘ Rechts­außen Nicolai Müller ist einer jener Bun­des­li­ga­profis, die man nicht so richtig auf der Liste hat, bis man sich mal bequemt, die Sta­tistik anzu­sehen und dann ernst­haft über­rascht ist. Eine Sorte Spieler übri­gens, von der der FSV Mainz eine ganze Menge im Kader hat. In Mül­lers Fall kamen am Samstag zwei Tore hinzu und fast wären es drei geworden, hätte er nicht einmal uner­laubt den Arm zur Ball­an­nahme genutzt. Mitt­ler­weile steht die Nummer 27 des FSV bei sieben Toren und fünf Assists, zur Europa-League-Qua­li­fi­ka­tion wird es aber wohl nicht mehr rei­chen. Schade, denn Müller könnte da pro­blemlos mit­spielen. Auch wenn wir das bis vor Kurzem nicht wussten.