Das ist neu
Thomas Schaaf. Und das in vie­lerlei Hin­sicht. Der Prinz von Bremen (König war ja schon Otto), nahm sich Ende der Saison 2012/13 eine Aus­zeit und tauchte ein Jahr lang unter dem Radar. Nach eigener Aus­sage gönnte er sich als ein­zigen Luxus in dieser Zeit einen Hund. Das es sich dabei um ein ver­hal­tens­auf­fäl­liges Exem­plar han­delte, dass zuvor von seinem Vor­be­sitzer auf die Tri­büne gesetzt worden war und unter Schaaf plötz­lich auf­blühte, ist hin­gegen nur ein Gerücht. Was man weiß: Schaaf erholte sich prächtig und wurde dann kurz vor der WM als neuer Trainer von Ein­tracht Frank­furt vor­ge­stellt. Die Fans schwanken seither zwi­schen Begeis­te­rung und Skepsis. Schaafs Leu­mund ist nach 14 Jahren Werder weit über die Grenzen von Bremen hinaus fan­tas­tisch, doch fragt man sich bei der Ein­tracht, ob der am Ende seiner Dienst­zeit beim SVW so hilflos wir­kende Schaaf den Anfor­de­rungen des gegen­wär­tigen Fuß­balls noch gewachsen ist. Und: Kann jemand, der 100 Jahre bei einem anderen Klub war, über­haupt bei der SGE funk­tio­nieren? Und Schaaf? Pin­kelt natür­lich wei­terhin Eis­würfel. Den gebür­tigen Mann­heimer könnten wir uns auch wun­derbar als eis­kalten Mor­der­mittler in gut gemachten skan­di­na­vi­schen Krimis vor­stellen. Er hat sich aber nun mal für den Fuß­ball ent­schieden, wor­über wir sehr dankbar sein sollten. Denn mit Schaaf wird die Bun­des­liga noch ein Stück weit inter­es­santer. Ein erstes Schaaf-Bonmot durfte der Autor dieser Zeilen beim Inter­view­termin mit dem Trainer vor knapp ein­ein­halb Monaten erleben. Frage der Foto­grafin: Nehmen Sie Ihre Brille denn eigent­lich auch mal ab?“ Ant­wort Schaaf: Ja. Wenn ich schlafen gehe.“

Das fehlt
Wenn Sport­di­rek­toren Sätze sagen wie Einen Spieler wie ihn können wir kaum ersetzen“, kann einem als Fan schon Angst und Bange werden. Und es wurde auch nicht besser, als Bruno Hübner hin­zu­fügte: So ein Spieler wie er, würde uns noch gut tun. Einer, der mit Schnel­lig­keit im Mit­tel­feld eine andere Spiel­si­tua­tion her­stellen kann.“ Denn genau das fehlt der Ein­tracht gegen­wärtig und wird wohl auch noch fehlen, falls Thomas Schaaf oder Bruno Hübner noch eine echte Über­ra­schung für das Mit­tel­feld aus dem Hut zau­bern: Ein Lenker und Denker und Ide­en­geber. Einer wie Sebas­tian Rode. Der wech­selte bekannt­lich zum FC Bayern, wo er sich ver­mut­lich als Lenker und Denker und Ide­en­geber auf der Ersatz­bank einen Namen machen kann. Zu groß scheint das Angebot im Mit­tel­feld der baju­wa­ri­schen Luxus­truppe. Das zeigt, wie groß die Lücke mitt­ler­weile ist zwi­schen Bayern Mün­chen und Klubs aus der dritten Reihe wie Ein­tracht Frank­furt: Ein Ersatz­spieler vom Ersatz­spieler wäre in Frank­furt die zen­trale Figur. Dass die Frank­furter einen wür­digen Nach­folger für Rode finden, ist sehr frag­lich. Maximal vier Mil­lionen Euro stehen noch für Zugänge zur Ver­fü­gung. Dafür bekommt man in heu­tigen Zeiten gerade mal den Ring­finger von Toni Kroos.

Das fehlt nicht
Die gute alte Diva. Wo ist sie eigent­lich hin? Hat sie jemand still und heim­lich im Main ersäuft? Viel­leicht Heri­bert Bruch­hagen? Oder Bruno Hübner? Hat sie Adler-Mas­kott­chen Attila in sein Horst ver­schleppt und hält sie dort mit toten Mäusen am Leben? Wir erin­nern uns: Mitte der Neun­ziger sorgte die Diva dafür, dass aus einem Glanz-und-Gloria-Meis­ter­schafts­kan­di­daten ein Absteiger wurde, dass hoch­ta­len­tierte Spieler wie Gau­dino, Okocha und Yeboah plötz­lich keinen Bock mehr auf Wald­läufe hatten und sich lieber sus­pen­dieren ließen. Dass Gelder schlimmer ver­schwendet wurden als auf Ber­liner Groß­bau­stellen. Keine Frage, die Diva war ein Spek­takel. Aber wirk­lich ver­missen tut sie nie­mand. Ganz viel­leicht ein paar alte Bewun­derer aus Offen­bach.

Wäre diese Mann­schaft ein Lied, dann dieses:
Papa´s Got A Brand New Bag“

Papa Schaaf hat end­lich ein neues Spiel­zeug, eine neue Lei­den­schaft. Nach einem Jahr Schaaf­fens­pause steht der einst gefei­erte Front­mann end­lich wieder auf der Bühne. Hat er den Swing, den es braucht, um aus Ein­tracht Frank­furt ein zweites Werder Bremen zu zau­bern?

Text­auszug

Come here sister… Papa’s in the swing
He ain’t too hip… about that new breed babe
He ain’t no drag
Papa’s got a brand new bag“

Das 11FREUNDE-Orakel
Thomas Schaaf ist genau der rich­tige Mann für Ein­tracht Frank­furt. Doch Ein­tracht Frank­furt ist noch nicht der rich­tige Klub für Thomas Schaaf. Der Klub hat einen gewal­tigen Ader­lass zu ver­kraften: Mit Pirmin Schwelger (Hof­fen­heim), Sebas­tian Jung (Wolfs­burg) und Sebas­tian Rode (Bayern) sind die drei besten Spieler der ver­gan­genen Jahre ver­kauft worden. Geld für pro­mi­nente Lücken­füller ist nicht vor­handen. Des­halb bleibt das Orakel für diese Saison pes­si­mis­tisch und pro­phe­zeit einen soliden zwei­stel­ligen Tabel­len­platz. Dann zau­bern Schaaf und Hübner rei­hen­weise bis­lang uner­kannte Super­stars aus dem Hut, revo­lu­tio­nieren die legen­däre Raute und in fünf Jahren schwebt Schaaf dann mit Ein­tracht-Fahne im Flieger ein und ganz Frank­furt beju­belt die Sen­sa­ti­ons­meis­ter­schaft.