Oba­femi Mar­tins, am ver­gan­genen Spieltag haben Sie gegen Glad­bach eine große Tor­chance ver­geben, als Sie ver­suchten den Ball mit der Hacke im Tor unter­zu­be­kommen. Was denkt ein Stürmer nach so einer Aktion?

Ich denke nie­mals über ver­ge­bene Tor­chancen nach. Wenn du als Stürmer viele Tore schießen möch­test, wirst du immer auch viele Mög­lich­keiten aus­lassen.



Wolfs­burg war in der letzten Saison unter Felix Magath sehr erfolg­reich mit langen Bällen. Armin Veh hin­gegen setzt mehr auf kurze Pässe. Da Sie einer der schnellsten Stürmer sind: Hätte das alte System nicht besser zu Ihrer Spiel­weise gepasst? 

Nein, ich bevor­zuge das System, was wir jetzt spielen. Je mehr der Ball am Boden ist, desto besser kannst Du ihn kon­trol­lieren. Ich bin schnell – schön und gut. Aber lange Bälle bedeutet meis­tens auch: Hohe Bälle. Und ich bin nicht gerade groß, das würde also nicht besser zu mir passen.

Viele Experten waren kri­tisch, was Ihren Wechsel betraf. Man traute Ihnen nicht zu, das Sturm-Duo Dzeko/​Grafite zu ver­drängen. Glauben Sie, dass Sie aus der Joker-Rolle her­aus­kommen? 

Nor­ma­ler­weise wird nie­mand nur für die Bank geholt. Dzeko und Gra­fite haben eine groß­ar­tige Saison gespielt, sind Meister geworden. Diese Saison haben wir nun so viele Spiele, dass sie bestimmt nicht alle davon bestreiten können. Letzt­lich ist es nicht meine Ent­schei­dung, son­dern die des Trai­ners. Ich halte es immer so: Wenn du in Form bist, spielst du. Wenn du außer Form bist, sitzt du auf der Bank.

Sie haben an der Seite einer ganzen Reihe von Welt­klasse-Stür­mern gespielt: Ronaldo, Chris­tian Vieri, Michael Owen. Mit wel­chem Partner kamen Sie am besten zurecht?

Ich würde Adriano noch mit in die Reihe auf­nehmen. Am liebsten habe ich aber mit Chris­tian Vieri zusammen gespielt. Wenn er mit mir auf dem Platz stand, war es immer ein biss­chen ein­fa­cher. Er war sehr groß und sehr kräftig und hatte die Fähig­keit, den Ball so für mich abzu­legen, dass ich nur noch ver­wan­deln musste.

In der letzten Saison bei New­castle hatten Sie auch sehr starke Ein­zel­spieler. Wie konnte es pas­sieren, dass so eine Mann­schaft absteigt?

Das war wirk­lich sehr traurig, denn ich liebe diesen Klub und die Fans. Ich war sehr lange ver­letzt und viele andere Schlüs­sel­spieler auch. Damien Duff, Michael Owen, Mark Viduka und auch ich konnten oft nur unter Schmerzen auf­laufen. Wenn du keinen fitten Stürmer hast, wird es sehr schwer, die Spiele zu gewinnen. Dazu kamen noch wei­tere Ver­let­zungen in anderen Mann­schafts­teilen. Es war wirk­lich tra­gisch.

Sie haben bei New­castle die Nummer 9 von Klub-Legende Alan Shearer über­nommen. War das nicht eine große Belas­tung?

Ich habe dort immer mein Bestes gegeben und ich glaube, die Fans wussten das auch zu schätzen. Es spielt nicht das Trikot, son­dern immer der, der drin­steckt.

Für Nigeria liefen Sie zuletzt nur noch spo­ra­disch auf. Angeb­lich gibt es Que­relen mit dem Ver­band und des­wegen werden Sie nicht berück­sich­tigt.


Die Wahr­heit ist, dass ich vor den letzten Län­der­spielen sehr oft ver­letzt war. Manche Leute sagen, ich hätte nicht gespielt, weil ich nicht wollte. Wie kann das sein? Ich habe für mein Land in 24 Spielen 13 Tore geschossen.

Bei Nigeria läuft es seit dem Gold­me­dail­len­ge­winn 1996 nicht richtig rund. Was ist der Grund dafür?

Ganz ehr­lich: Ich weiß es auch nicht. Wir haben viele Spieler bei großen Ver­einen und den­noch spielen wir nicht erfolg­reich. Einige Dinge stimmen nicht. Letztes Mal hatten wir 30 Spieler im Kader, das ist viel zu viel. Gewisse Sachen müssen geän­dert werden. Das Schlimmste für mich ist, dass die Fans so ent­täuscht sind. Beim letzten Heim­spiel gegen Mosambik war fast nie­mand im Sta­dion.

Andere Frage: Ihr Vor­name Oba­femi – Bedeutet der nun »Der König liebt mich« oder »Gott liebt mich«?

Ganz ein­fach, er bedeutet beides.

Wie war das denn nun mit dem ver­meint­li­chen Attentat in Ihrer Hei­mat­stadt Lagos? Welt­weit berich­teten die Zei­tungen 2007 von einem Anschlag auf Ihr Auto. Saßen Sie denn nun selber drin oder nicht?

Nein. Jeder hat es geschrieben, aber ich war nicht im Auto. Ein Freund ist gefahren. Der Anschlag galt auf keinen Fall mir. Ich habe dazu lange Zeit nichts gesagt, aber hier noch mal: Ich saß nicht drin.

Als Sie bei Inter Mai­land von der Jugend in die erste Mann­schaft kamen, sind Ihre Mann­schafts­kol­legen in große Appar­te­ments in der Innen­stadt gezogen und haben sich neue Autos gekauft. Sie aber sollen lieber in der Nähe der Jugend­aka­demie wohnen geblieben sein.

Als ich in der ersten Mann­schaft zum Ein­satz kam, war ich eigent­lich noch Jugend­spieler. Und ich dachte damals noch nicht, dass ich es schon geschafft hätte. Ich wollte mich erst einmal eta­blieren und ein paar Spiele machen, bevor ich über mich sagen wollte, dass ich ein Serie-A-Spieler bin.

Also haben Sie sich nicht gleich ein großes Auto gekauft?

Nein, die ganze erste Saison als Profi fuhr ich Polo. (lacht) Das ist ein Volks­wagen, oder?

Sie haben erst mit 15 ange­fangen, im Verein – dem FC Ebedei – zu spielen?


Ich habe auch schon vorher gespielt, aber in Europa kennt nie­mand die Mann­schaften aus der nige­ria­ni­schen Liga. Also wurde ich erst bekannt, als ich mit 16 nach Ita­lien zu Reg­gina ging.

Das scheint eine Ewig­keit her zu sein und bei dem Weg, den Sie zurück­ge­legt haben, könnte man meinen, Sie wären bereits über 30. In Wirk­lich­keit werden Sie Ende des Monats aber erst 25.


Das sagen viele Leute. Ich habe meine Kar­riere sehr früh begonnen. Jeder Fuß­baller in Nigeria möchte irgend­wann nach Europa. Ich habe mir am Anfang dar­über aber gar keine Gedanken gemacht, ich habe ein­fach gespielt, weil es mir Spaß gemacht hat. Ich hatte Glück und bin dankbar, dass es geklappt hat.

Ihre Lieb­lings­musik ist nige­ria­ni­scher Hip-Hop. In der Redak­tion haben wir ver­sucht, so etwas bei iTunes zu finden, ohne Erfolg.

Sie müssen das ame­ri­ka­ni­sche iTunes benutzen, da finden Sie es!

Wie kann man sich die Musik vor­stellen, ist es wie deut­scher Hip-Hop mit afri­ka­ni­schem Rhythmus?

Es gibt keinen deut­schen Hip-Hop, oder?

Natür­lich gibt es den, das müssen Sie sich auf jeden Fall anhören!

Das werde ich, ver­spro­chen.


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