Die Wach­ab­lö­sung im euro­päi­schen Fuß­ball steht wahl­weise unmit­telbar bevor oder ist schon voll­zogen. Never mind the Pre­mier League, here’s the Bun­des­liga, um mal den Tenor zahl­rei­cher Berichte der letzten Wochen zusam­men­zu­fassen. Nun gibt es in der Tat so man­chen Grund, den deut­schen Fuß­ball der­zeit als das neue, große Ding zu feiern. Schon in den ver­gan­genen Jahren war immer mal wieder von eng­li­schen Fuß­ball­tou­risten berichtet worden, die wochen­ends über den Kanal flogen, um in der Bun­des­liga authen­ti­sche Fuß­ball­at­mo­sphäre zu schnup­pern. Nicht ganz klar, ob es sich dabei um Hun­dert­schaften oder nur ein Dut­zend Nerds han­delte. Solange sich jeden­falls die deut­schen Klubs, vom Solitär FC Bayern mal abge­sehen, stets brav schon im Ach­tel­fi­nale der Cham­pions League ver­ab­schie­deten, fielen die infra­struk­tu­rellen Vor­teile nicht son­der­lich ins Gewicht. Nun aber bestreiten tat­säch­lich zwei deut­sche Mann­schaften das End­spiel in Wem­bley, das ist neu und auf­re­gend, hat aber mit einer Wach­ab­lö­sung nur wenig zu tun.

Ein unschönes Leis­tungs­loch

Was einer­seits daran liegt, dass der Gedanke, es könnte tat­säch­lich eine Liga geben, die in der Lage wäre, den euro­päi­schen Klub­fuß­ball zu domi­nieren, ziem­lich naiv ist. Die eng­li­sche Pre­mier League ver­mochte das in ihrer besten Zeit ebenso wenig wie die spa­ni­sche Pri­mera Divi­sion und die ita­lie­ni­sche Serie A. Die Bun­des­liga wird es eben­falls nicht können. Und es gibt noch nicht einmal aus­rei­chend Anlass zu glauben, dass es in abseh­barer Zeit wieder einmal gelingen könnte, zwei deut­sche Teams ins Finale zu bringen. Wer darauf hofft, unter­schätzt ers­tens, wie klein die Unter­schiede zwi­schen den euro­päi­schen Top­klubs inzwi­schen sind und wie sehr in den End­runden Zufälle und Tages­form ent­scheiden. Zwei­tens, welch ein unge­heurer Kraftakt es bereits für den FC Bayern war, in den letzten vier Jahre gleich dreimal das End­spiel zu errei­chen. Bei aller Wert­schät­zung für Borussia Dort­mund ist der Klub sicher nicht so weit in seiner Ent­wick­lung, Ähn­li­ches auf die Beine zu stellen. Und drit­tens zeigt das Abschneiden der deut­schen Klubs in der Europa League, dass der­zeit wie in Spa­nien auch in Deutsch­land ein unschönes Leis­tungs­loch klafft und kurz­fristig noch größer werden wird, zwi­schen den Fina­listen einer­seits, deren Ent­wick­lung durch die Mil­lionen aus der Cham­pions League noch beschleu­nigt wird und all den anderen Klubs ohne inter­na­tio­nales Zusatz­ge­schäft.

Aber all das ist kein wirk­li­ches Drama, solange die eigent­lich wich­tige Ent­wick­lung der Bun­des­liga nicht behin­dert wird. Ent­schei­dend ist, dass es inter­na­tio­nale Top­stars nicht mehr für eine Zumu­tung halten, in der Bun­des­liga zu spielen. Dass die höheren Erwar­tungen an die Liga auch die Ver­eine jen­seits der Top­klubs Borussia und Bayern beflü­geln. Dass sich diese neue Attrak­ti­vität auch in der inter­na­tio­nalen Ver­mark­tung bemerkbar macht, die ja der eigent­liche Wett­be­werbs­nach­teil gegen­über der Pre­mier League ist. Und dass die Liga trotz des der­zei­tigen Hypes ihrer volks­nahen Linie treu bleibt. Damit ist sie gut gefahren, in den letzten fünfzig Jahren und auch in der gerade abge­lau­fenen, ziem­lich durch­ge­knallten, ein­zig­ar­tigen Saison.