Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bun­des­li­ga­spieler vor, der zur­zeit nicht unbe­dingt im Ram­pen­licht steht und trotzdem eine ent­schei­dende Rolle für seine Mann­schaft spielt. Ob wir damit tat­säch­lich Recht behalten, seht ihr am Samstag ab 15 Uhr in unserer großen Bun­des­liga-Kon­fe­renz auf www​.kon​fe​renz​.11freunde​.de.

Als Philipp Lahm am Diens­tag­abend sein Kar­rie­re­ende ein­läu­tete, wurde in den Kata­komben der Mün­chener Arena schnell klar, dass beim FC Bayern schon bald eine neue Zeit­rech­nung beginnen wird. Zeit­gleich hatte Uli Hoeneß ver­kündet, dass es noch nichts zu ver­künden gäbe: Ich kann dazu nur sagen, dass er mir das nicht mit­ge­teilt hat.“ – Und zeigte damit, wie sehr der Rekord­meister in der unsi­cheren Schwebe hängt.

Drei­ge­stirn einer Ära

Es war Philipp Lahm, der in einem sel­tenen Moment der klaren Worte, 2009 die Ver­ant­wort­li­chen des FC Bayern anzählte. Kurz darauf kam Louis van Gaal. Kurz darauf kamen David Alaba, Holger Bad­stuber und Thomas Müller. Und die Ära des FC Bayern mit drei Cham­pions-League-Final- und drei Halb­fi­nal­teil­nahmen in sieben Jahren begann.

Das Drei­ge­stirn aus Lahm, Müller und Bas­tian Schwein­s­teiger stand ohne Frage stell­ver­tre­tend für den Erfolg der Mün­chener. Natio­nal­spieler mit bay­ri­schen Wur­zeln, in der eigenen Jugend­aka­demie aus­ge­bildet, treu ihrem Verein ver­bunden. Becken­bauer, Breitner und Gerd Müller – die Helden der 70er-Jahre – hatten ihre Nach­folger gefunden.

Schwein­s­teiger sitzt mitt­ler­weile auf der Bank von Man­chester United. Philipp Lahm hat sein Kar­rie­re­ende ver­kündet. Und Thomas Müller befindet sich in der Krise.

Anti­pode zur Orga­ni­sa­tion

Wes­halb, ist genau so uner­klär­lich, wie Thomas Müller selbst. In Zeiten des modernen Fuß­balls gilt er als Anti­pode zum durch­or­ga­ni­sierten Spiel. Müller macht Lauf­wege, die nie­mand ver­steht und nie­mand vor­aus­sagen kann. Der Ball hüpft ihm über Schuh, Schien­bein und Schlappen und trotzdem fast immer ins Tor. Müller ist im glä­sernen Fuß­ball eine undurch­sich­tige Blackbox.

Erklären kann man Müller nicht. Man kann sich ihm annä­hern, seine Bewe­gungen beschreiben und darin Gründe suchen, warum er so ein­zig­artig wichtig ist. Müller stackst mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit über den Platz, die schon voraus ruft: Irgend­wann mache ich mein Tor! Er weiß nur noch nicht wie, aber das war ja nie ent­schei­dend. Gerade nach diesen uner­klär­li­chen Toren bleibt er meist auf der Stelle stehen und brüllt seine Freude zie­gen­pe­ter­haft hinaus, wenn Mün­chen dank ihm mal wieder auf der Sie­ger­straße fährt. Der mensch­ge­wor­dene Bay­ern­dusel.