Es hatte den Cha­rakter eines Pokal­mär­chens: Die Spieler von Shef­field United stürmten geschlossen auf den Aus­wärts­block an der Stam­ford Bridge zu. Die mit­ge­reisten Fans waren von den Ord­nern am Spiel­feld­rand kaum noch zu stoppen. Shef­field United hatte sich nach einem 0:2‑Rückstand soeben ein 2:2 beim FC Chelsea erkämpft.

Dabei war es kein Pokal­mär­chen, es war der vierte Spieltag der Pre­mier League. Und eines dieser Duelle, die heute Alltag für die Spieler von Shef­field bedeuten. Voll­ends rea­li­siert hat man das in South York­shire aller­dings noch nicht. Vor drei Jahren waren wir noch Letzter in der dritten Liga und heute haben wir einen Punkt beim FC Chelsea geholt“, resü­mierte Shef­field-Trainer Chris Wilder den sen­sa­tio­nellen Wer­de­gang seiner Mann­schaft im Gespräch mit der BBC.

Bes­ten­falls: Shrews­bury Town

Nach dem Abstieg aus der Pre­mier League vor gut zehn Jahren hatten die Blades“ durch über­teu­erte Spieler und viele Trainer alles daran gesetzt, den Weg zurück ins eng­li­sche Fuß­ball­ober­haus zu finden, doch die Rea­lität lau­tete: Sonn­tag­nach­mit­tags gegen Shrews­bury Town und Tran­mere Rovers, bes­ten­falls.

Erst als im Sommer 2016 Chris Wilder als Trainer ver­pflichtet wurde, ging es für Shef­field United im Eil­tempo nach oben. Nach zwei Auf­stiegen in Folge ist der Klub zurück in der Pre­mier League und ringt dem FC Chelsea aus­wärts einen Punkt ab. Wie ist das mög­lich?

Die Spieler hassten die Fans, die Fans die Spieler“

Die Begeis­te­rung für den Fuß­ball wird einem als Ein­wohner der Stadt Shef­field in die Wiege gelegt – wort­wört­lich. Hier wurden 1857 die ursprüng­li­chen Regeln des Spiels, die Shef­field Rules, nie­der­ge­schrieben und hier steht die Bra­mall Lane, die Heimat Shef­field Uniteds und zugleich das älteste noch aktiv genutzte Sta­dion der Welt.

Bis auf His­torie gab es seit dem Abstieg aus der Pre­mier League 2007 hier aller­dings wenig zu bewun­dern. 2016 düm­pelte der Tra­di­ti­ons­verein das dritte Jahr in Folge in der Dritt­klas­sig­keit herum. Die treuen Fans kamen trotzdem, im Schnitt sogar die meisten in der League One. Knapp 20.000 Men­schen fanden alle zwei Wochen den Weg an die Bra­mall Lane, obwohl zu diesem Zeit­punkt die Bin­dung zwi­schen Klub und Fans an einem abso­luten Tief­punkt war. Die Spieler hassten die Fans, die Fans die Spieler“, blickt Chris Wilder auf einer Pres­se­kon­fe­renz zurück. Diese Bin­dung wie­der­her­zu­stellen“, so der 51-Jäh­rige, war die größte Auf­gabe, die ich zu erle­digen hatte.“