Als die Ver­hand­lung zum letzten Mal unter­bro­chen war, stand Jens Red­lich auf dem Gang des Amts­ge­richts Char­lot­ten­burg. Er hatte einige Getreue um sich gesam­melt und trug seine gute Laune offensiv zur Schau. Dabei war zu diesem Zeit­punkt längst klar, dass es für den frü­heren Vor­stand­vor­sit­zenden und starken Mann beim Fuß­ball-Ober­li­gisten Tennis Borussia keinen Grund zu guter Laune gab. Im Gegen­teil: Es war abzu­sehen, dass der 38-Jäh­rige und sein frü­herer Vor­stands­kol­lege Andreas Voigt dieses Ver­fahren ver­lieren würden.

Kein Rück­tritt vom Rück­tritt

So kam es auch. Jens Red­lich ist mit seinem Ver­such geschei­tert, sich bei Tennis Borussia per Eil­an­trag ins Amt zurück­zu­klagen. Die Vor­sit­zende Rich­terin begrün­dete das mit einem feh­lenden Rechts­ver­hältnis zwi­schen Red­lich und dem Verein. Des­halb gebe es weder einen Anspruch auf eine Einst­wei­lige Ver­fü­gung noch einen Ver­fü­gungs­grund. Genau dieses Urteil hatten viele TeBe-Anhänger erhofft. Als die neue Ver­eins­füh­rung und ihre Anwälte nach der Ver­hand­lung aus dem Gericht traten, wurden sie mit Applaus emp­fangen.

Red­lich war Ende Juli als Vor­stands­vor­sit­zender des frü­heren Bun­des­li­gisten ent­machtet worden. Nachdem er im November 2018, quasi im Affekt, schrift­lich seinen Rück­tritt erklärt hatte, kamen die Auf­sichts­räte Fran­ziska Hoff­mann und Chris­tian Gaebler seinem Wunsch nach der Saison 2018/19 nach und bestellten Günter Brom­bosch und Steffen Friede zu neuen Vor­ständen. Red­lich hatte seinen Rück­tritt zwar zwei Tage später wider­rufen, die Rich­terin machte aber gleich zu Beginn der Ver­hand­lung deut­lich, dass es einen Rück­tritt vom Rück­tritt nicht gibt“. Zu Red­lichs und Voigts Rechts­an­walt sagte sie: Diesen Knack­punkt kriegen Sie nicht weg­ge­bü­gelt.“

Keine Emo­tionen, bitte

Die Ver­hand­lung am Mitt­woch war der Höhe­punkt eines lange schwe­lenden Macht­kampfs. Ent­spre­chend groß war das öffent­liche Inter­esse – deut­lich größer jeden­falls, als es das Gericht erwartet hatte. Der Saal, in dem die Ver­hand­lung statt­fand, ver­fügte ledig­lich über 20 Sitz­plätze. Einige Besu­cher durften das Geschehen im Stehen ver­folgen, auch die Tür zum Gang blieb offen. Keine Ran­dale!“, sagte ein Gerichts­mit­ar­beiter beim Ein­lass, und die Rich­terin mahnte, dass Sie mög­lichst ruhig sind und ihre Emo­tionen erst später zeigen“.

Das taten sie, und trotzdem war der Hin­weis ange­sichts der Ver­wer­fungen der ver­gan­genen Monate berech­tigt. Auch der Rich­terin war nicht ent­gangen, dass im Verein vieles im Argen ist“. Die Ver­hand­lung könne eine Mit­glie­der­ver­samm­lung daher nicht ersetzen, sagte sie. Das ist auch die Ansicht des neuen Vor­stands, der Anfang dieser Woche für den 1. Oktober zu einer Mit­glie­der­ver­samm­lung ein­ge­laden hat.

Wir akzep­tieren das Urteil“

Ob Red­lich, mit seinem Unter­nehmen Crunch Fit wei­terhin Haupt­sponsor des Klubs, bei der Neu­wahl der Auf­sichts­rats- und Ältes­ten­rats­mit­glieder ver­su­chen wird, sich die Macht zurück­zu­er­obern, das wird sich zeigen. Auch der juris­ti­sche Weg steht ihm weiter offen. Seine Aus­sagen nach der Ver­hand­lung deuten aber eher nicht darauf hin, dass er diesen Weg beschreiten will: Fakt ist: Wir akzep­tieren das Urteil“, sagte Red­lich. Mir bleibt nichts anderes, als dem neuen Vor­stand alles Gute zu wün­schen.“ Günter Brom­bosch, sein Nach­folger als Vor­stands­vor­sit­zender, sagte mit Blick auf mög­liche wei­tere juris­ti­sche Schritte Red­lichs: Die über­zeu­gende Begrün­dung der Rich­terin sollte ihn zum Nach­denken bringen.“

Red­lich, in Jog­ging­hose und Turn­schuhen erschienen, ver­folgte das Geschehen weit­ge­hend regungslos. Die Aus­ein­an­der­set­zungen lie­ferten sich dafür die Anwälte beider Seiten. So brachte Red­lichs Anwalt als Grund für die Einst­wei­lige Ver­fü­gung vor: Die Finanzen des Ver­eins geraten der­zeit in einen höchst unge­ord­neten Rahmen. Der Verein ver­sinkt bald in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit.“ Brom­bosch emp­fand diesen Vor­wurf ange­sichts seiner jahr­zehn­te­langen Tätig­keit als Hoch­schul­do­zent für Haus­halts­recht als eine Unver­schämt­heit“. Von einem sol­chen Sze­nario sei der Klub ein ganzes Stück ent­fernt: Ich hege keine Ängste.“

Wie geht’s weiter?

Die neue Füh­rung ist noch dabei, sich einen genauen Über­blick über die finan­zi­elle Situa­tion zu ver­schaffen, schließ­lich, so Brom­bosch, habe man die Geschäfts­stelle in einem sehr bemer­kens­werten Zustand vor­ge­funden“. Dem frü­heren Geschäfts­führer Voigt wird vor­ge­worfen, Unter­lagen ent­wendet zu haben, die Kri­mi­nal­po­lizei hat die Ermitt­lungen auf­ge­nommen. Auch des­halb fehlt dem Klub der Spon­so­ring­ver­trag mit Crunch Fit. Red­lich behauptet, er habe bereits die ver­trag­lich ver­ein­barte Summe für die kom­plette Saison gezahlt. Ob dies stimmt, wissen wir nicht“, sagte Brom­bosch. Sein Vor­stands­kol­lege Steffen Friede erklärte: Wir gehen davon aus, dass Jens mit seinen Ver­pflich­tungen wei­ter­macht.“

Dieser Text erschien zuerst bei tages​spiegel​.de.