Buffon. Als ich einst Fifa 2004 gegen einen fran­zö­si­schen Aus­tausch­schüler spielte, der mit Fuß­ball so viel am Hut hatte wie Schabra­ken­ta­piere mit der Fach­zeit­schrift für Alter­na­tive Kom­mu­nal­po­litik, las er auf dem Bild­schirm dieses eine Wort. Und er lachte sich kaputt. Weil Buffon (im fran­zö­si­schen Bouffon geschrieben) so viel bedeutet wie Depp“ (pons​.com) oder Vol­lotto“ (leo​.org). Und er es also urko­misch fand, dass da bei diesem Juventus Turin ein Mann namens Vol­lotto“ das Tor hütete. Er konnte es nicht besser wissen. Er hatte ja keine Ahnung.

Spä­tes­tens 13 Jahre später ist klar: Über Gian­luigi Buffon kann man nicht lachen. Über Gian­luigi Buffon kann man sich nur freuen. Es gibt keinen anderen aktiven Fuß­baller, bei dem sich die Welt so der­maßen einig ist, wie sie ihn findet. Jeder liebt Gigi. Und jeder gönnt Gigi am Samstag diesen ver­dammten Cham­pions-League-Titel. Ist es doch dieser eine Titel, der der Tor­hü­ter­le­gende im Lebens­lauf noch fehlt. Buffon ist Welt­meister, Buffon ist acht­fa­cher ita­lie­ni­scher Meister, er ist Uefa-Pokal-Sieger. Er hat den ita­lie­ni­schen Pokal zig­fach gewonnen, er war viermal Welt­tor­hüter.

Weil es sich ein­fach gut anfühlen muss

Buffon hat über 600 Spiele für Juventus Turin und fast 170 Spiele für die ita­lie­ni­sche Natio­nal­mann­schaft gemacht. Er ist mit bald 40 Jahren im Tor einer euro­päi­schen Spit­zen­mann­schaft unum­stritten. Genau wie in dem einer der erfolg­reichsten Fuß­ball­na­tionen der Welt. In beiden Mann­schaften ist er Kapitän. Und trotz vieler Mil­lionen auf dem Konto steht er für das Nah­bare in einem Sport, der in diesen Jahren von einer Image-Kata­strophe in die nächste schlit­tert.

Weil man ihm abkauft, wenn er Gegen­spieler nach einer ver­ge­benem Tor­chance auf die Schulter klopft. Oder wenn er unter­le­gene Spieler nach 90 Minuten in die Arme schließt. Was bei anderen Spie­lern auf­ge­setzt oder gar nicht wirkt, lässt den Zuschauer bei Buffon mit genau einem Wunsch vor dem Fern­seher zurück: selber mal von ihm umarmt zu werden. Weil sich das ein­fach gut anfühlen muss. So geborgen. So lie­be­voll. So ehr­lich.

Außerdem sieht man es seinem Gesicht an: Gian­luigi Buffon ist kein Roboter. Natür­lich, ein 39-jäh­riges Gesicht ist von Natur aus zer­furchter als ein 19-jäh­riges, aber ein Cris­tiano Ronaldo, auch kein ganz junger Kerl mehr, sieht im Ver­gleich zu Buffon aus wie seine eigene Wachs­figur. Was Beauty-Blogger womög­lich toll finden, aber mit dem Leben aller anderen Men­schen auf dieser Erde nicht viel zu tun hat. Die erkennen sich eher in einem wie Buffon wieder. Weil sie dem Mann den Struggle im posi­tivsten Sinne ansehen.