Seite 3: Was die ausländischen Ligen nun fordern könnten

Ernst­haft dis­ku­tieren wollte das ver­han­delte Paket auch nie­mand, als 2016 der ehe­ma­lige Schatz­meister Rein­hard Grindel zum DFB-Prä­si­denten auf­stieg und Dr. Ste­phan Osna­brügge sein Nach­folger wurde. Auf dem DFB-Bun­destag war zu hören, dass die DFL vor einem Jahr deut­lich gemacht hatte, dass an diesem Paket nichts nach­zu­ver­han­deln sei. Die Ergeb­nisse bevor­teilen oder benach­tei­ligen nie­manden, weder DFB noch DFL“, sagt Osna­brügge, sie sind das Ergebnis einer kauf­män­ni­schen Ver­hand­lung.“ Immerhin 2,5 Mil­lionen Euro zahlt die DFL nun jähr­lich an kon­krete Ama­teur­fuß­ball-Pro­jekte.

Doch im Grunde führt sich der Grund­la­gen­ver­trag damit ad absurdum.

Deut­lich wird das auch, wenn man über­legt, wofür über­haupt bezahlt wird. Der DFB zahlt 20 Mil­lionen Euro, um mit DFL-Spie­lern zu werben. Eine Abstel­lungs­ver­pflich­tung wird davon nicht bezahlt, denn sie ist, wie der Name schon sagt, eine Pflicht. Eine Pflicht, der auch andere Klubs in Europa nach­kommen. Nur, wenn mit Mesut Özil (Arsenal), Toni Kroos (Real Madrid), Sami Khe­dira (Juventus Turin), Kevin Trapp (Paris SG) oder einem der vielen anderen Legio­näre geworben wird, zahlt der DFB keine Gelder an aus­län­di­sche Ligen. Sollte das eine dieser Ligen einmal bemerken, und eben­falls Zah­lungen for­dern, könnte das erd­rutsch­ar­tige Folgen für den DFB und seinen Haus­halt nach sich ziehen.

Die wahren Ama­teure

Außer der DFB ver­zichtet auf seine Legio­näre bei Ver­mark­tungs­zwe­cken. Denn: Wir ver­markten die Natio­nal­mann­schaft, die aber erst durch die Spieler, mit denen wir werben, attraktiv wird“, sagt Osna­brügge, Nur so erlösen wir die Summen, die es uns mög­lich machen, all die ide­ellen Dinge für unsere Lan­des­ver­bände zu machen.“ Dafür zahlt der DFB an die DFL. Besser gesagt, an die Ver­eine der 1. und 2. Bun­des­liga, die ihre Spieler für Wer­be­zwecke abstellen. Nur: Die Ver­eine der Pre­mier League, La Liga und Serie A sollten davon besser nichts wissen. Ansonsten könnte der Grund­la­gen­ver­trag für den DFB und seine Mar­ke­ting­ideen noch teuer werden – unbe­re­chenbar zulasten aller Ama­teur­ver­eine.

259 Dele­gierte schau­felten auf dem DFB-Bun­destag ein­stimmig dieses mög­liche Mil­lio­nen­grab für den deut­schen Fuß­ball. Oder wie Rein­hard Grindel nach der Abstim­mung tri­um­phie­rend sagte: Die wahren Ama­teure haben ent­schieden“. Ein Satz, den man sich auf der Zunge zer­gehen lassen kann – wenn man möchte.