Catalin Teo­doriu, wie würden sie aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht ein Loch defi­nieren?
Catalin Teo­doriu: Als Bohr­loch ver­stehen wir die Ver­bin­dung zwi­schen der Erd­ober­fläche und den tief­lie­genden natür­li­chen Res­sourcen Öl, Gas und Wasser. 

Wie viele Boh­rungen haben Sie denn bereits aktiv begleitet?

Catalin Teodoriu:In aller­erster Linie betreiben wir hier in Claus­thal For­schung. Doch wenn es gewünscht ist, begleiten wir auch Boh­rungen vor Ort. Seit 2009 arbeiten wir an einem sehr großen Pro­jekt im Bereich Geo­thermie und Hoch­leis­tungs­bohr­technik. Wir bohren bis zu 7000 Meter in die Tiefe, um die dort vor­han­dene Wärme an die Ober­fläche zu beför­dern und daraus Energie zu erzeugen.



Was war die extremste Erfah­rung, die Sie beim Bohren von Löchern machen mussten?

Catalin Teodoriu:Zum Glück blieb mir ein Blow-Out, wie ihn BP im Golf von Mexiko erlebt hat, erspart. Doch einmal ist uns in extremer Tiefe ein Werk­zeug im Loch ste­cken geblieben. Wir mussten blitz­schnell reagieren, weil sonst ein großes Unglück hätte pas­sieren können. Das war der schlimmste Fall, den ich in meiner Lauf­bahn erleben musste.

Was unter­scheidet eine Tie­fen­boh­rung eigent­lich grund­sätz­lich vom all­täg­li­chen Löcher­bohren im Haus­halt?

Catalin Teodoriu:Im Prinzip ist es so als ständen sie in ihrem Schlaf­zimmer und müssten von dort aus ein Loch in ihrer 20 Meter ent­fernten Küchen­wand bohren. Sie müssen also eine große Strecke mit ver­gleichbar kleinem Werk­zeug über­winden. Unsere Pro­bleme erwei­tern sich durch die extremen Umge­bungen in denen wir arbeiten, denn das Mate­rial, in das wir bohren, ist sehr sen­sibel. Man braucht also sehr viel Gefühl. Das größte Pro­blem: Wir arbeiten an den Boh­rungen, ohne dass man wir etwas sehen. Das können sie ja mal zu Hause aus­pro­bieren. Ich hoffe sie sind gut ver­sich­tert.

Eine Tie­fen­boh­rung bedeutet immer einen mas­siven Ein­griff in die vor­han­dene Umwelt. Was gilt es zu beachten, bevor Sie ein Loch bohren?

Catalin Teodoriu:Man muss darauf achten in welche Gesteins­schichten man bohrt. Denn wenn man auf emp­find­liche Ebenen stößt, kann es zu Pro­blemen kommen. Ton­hal­tiges Gestein kann zum Bei­spiel quellen und das Loch ver­schließen. Des­wegen gilt für jede Boh­rung der Grund­satz: Das Loch muss wäh­rend der ganzen Zeit offen bleiben. Ansonsten erhöht sich der Ver­schleiß an Mate­rial ins Uner­mess­liche. Von den auf­tre­tenden Pro­blemen ganz zu schweigen.

Wie viele extrem tiefe Löcher werden denn im Jahr in Deutsch­land gebohrt?

Catalin Teodoriu:Deutsche Firmen sind der­zeit welt­weit füh­rend was in Tie­fen­boh­rungen angeht. In Deutsch­land selbst wird aller­dings relativ wenig gebohrt. Viel­leicht zehn bis 20 Löcher pro Jahr. Aller­dings hat Deutsch­land das dritt­tiefste Bohr­loch der Welt. Es befindet sich in Win­di­sche­schen­bach in der Ober­pfalz und ist über 9000 Meter tief. 

Löcher, die bis zu 9000 Meter in die Tiefe gehen, sollten aber schon irgend­wann wieder geschlossen werden.

Catalin Teodoriu:Natürlich. Kein Bohr­loch darf offen bleiben. Ein Loch bleibt nur so lange offen, wie es für die För­de­rung oder For­schung genutzt wird. Danach muss fach­män­nisch geschlossen werden. Noch einmal: Leer bleibt keine Boh­rung zurück.

Dann geben Sie uns einen Tipp: Wie schließt man rie­sige Löcher?

Catalin Teodoriu:Im Schicht­prinzip. Das klingt ein­fach, ist aber sehr auf­wendig. Es gibt eine Reihe von Bar­rieren, die mecha­nisch zwi­schen die ein­zelnen Schichten gepresst werden, zumeist aus Stahl. Die wirken wie ein Stopfen, werden abge­dichtet, darauf kommt dann Zement, dann wieder eine Bar­riere und so weiter. Erst wenn alles zu ist, wird das Loch wieder frei gegeben. 

Sie machen uns Hoff­nung. Meinen Sie, wir können mit Hilfe des Schicht­prin­zips auch das medialen Som­mer­loch stopfen? Erst ein Mat­thäus, dann ein Trans­fer­ge­rücht, dann ein Sai­son­rück­blick…
Catalin Teodoriu:Da muss ich sie ent­täu­schen. In diesem Bereich konnten wir noch keine Erfah­rungen sam­meln. Bisher haben wird das Prinzip nur bei Löchern in der Erd­ober­fläche ange­wendet.