Seite 2: Zurück zu den Ursprüngen

Der Guar­dian hatte im Oktober 2018 eine Recherche ver­öf­fent­licht, welche die Arbeits­be­din­gungen der Hotel­an­ge­stellten offen legte. Wie auch die zahl­rei­chen Arbeiter in und an den WM-Sta­dien stammen dem­nach viele Hotel­an­ge­stellte aus Nepal oder Ban­gla­desch. Und auch ihre Arbeits­be­din­gungen sind unzu­mutbar. So berichtet der Guar­dian etwa über das Sicher­heits­per­sonal, wel­ches täg­lich etwa 12 Stunden in der Hitze Katars Dienst leistet und dafür mit ca. 8 Dollar ent­lohnt wird. Im Bericht des Guar­dians ist die Rede von mona­te­lang feh­lenden freien Tagen“ der Ange­stellten und kaum zu leis­ten­denden Straf­zah­lungen bei Regel­ver­stößen.

Obwohl ein offi­zi­elles State­ment der Reds“ bisher noch aus­steht, scheint sich der Tabel­len­erste der Pre­mier League genau aus diesen Gründen gegen einen Auf­ent­halt ent­schlossen zu haben und zeigt damit anderen euro­päi­schen Top-Klubs, wie ein kri­ti­scher Umgang u.a. mit der FIFA und inter­na­tio­nalen Geld­ge­bern aus­sehen kann. Nur unweit des Kem­pinskis in Doha liegt die Aspire Foot­ball Aca­demy“. Ein beliebtes Ziel für Klubs aus Europa, um im bit­ter­lich kalten Januar Mit­tel­eu­ropas Top Bedin­gungen“ vor­zu­finden, wie von den Seiten der Klubs fleißig betont wird. Unter ihnen Paris Saint Ger­main, einige Bun­des­li­gisten und der deut­sche Rekord­meister aus Mün­chen, dessen Tri­ko­t­ärmel vom Spon­so­ring Qatar Air­ways“ geschmückt wird.

Barfuß kicken

Natür­lich hat sich der FC Liver­pool zu einem dieser durch­ge­stylten Giga-Klubs ent­wi­ckelt. Zu einer Mar­ke­ting­ma­schine die in Zeiten der Sai­son­vor­be­rei­tung um den halben Globus fliegt um dort, am anderen Ende der Welt, die Gesichter ihrer Spieler vor jede Kamera zu quet­schen. Und auch in Liver­pool gibt es eine exor­bi­tante Preis­stei­ge­rung der zu erwe­benden Tickets, was ins­be­son­dere in weniger pri­vi­le­gierten Gegenden Eng­lands eine ent­frem­dende Wir­kung auf die Zuschauer der Pre­mier League hat. Auf der Brust der Reds“ ist der Schriftzug eines großen inter­na­tio­nalen Finanz­un­ter­neh­mens zu sehen, wel­ches Die Zeit einst Schur­ken­in­sti­tu­tion“ nannte.

Der Klub von Mohamed Salah und Co. bietet längst keinen Ort mehr für unein­ge­schränkte Fuß­ball-Romantik, aber er zeigt zumin­dest mit dieser Ent­schei­dung, dass er mög­li­cher­weise Grund­sätze seiner eigenen Iden­tität befolgt. Sich als Arbei­ter­klub in einer Arbei­ter­stadt gegen schlechte Arbeits­be­din­gungen derer ein­zu­setzen, welche tau­sende Kilo­meter ent­fernt ver­su­chen ihre Exis­tenz zu sichern, ist ein Zug, der die Glaub­wür­dig­keit des Klubs unter­mauert. Und auch Super­star Sadio Mane gefiel in den ver­gan­genen Tagen mit einem altru­is­ti­sches Plä­doyer dafür, sich auf seine Ursprünge zu besinnen – fernab des Glanzes und des Reich­tums, den der moderne Spit­zen­fuß­ball so mit sich bringt. Er müsse keine Luxus­autos fahren, keine Pri­vat­jets fliegen. Viel­mehr ginge es ihm darum, das zurück­zu­geben, was das Leben ihm ermög­licht habe. Zurück dahin, wo er das Kicken gelernt habe. Barfuß, den ganzen Tag.