Es war ein unglei­cher Kampf. 90 lange Minuten hatte Sebas­tian Soria seinen Gegen­spieler Hus­sein Fadhel vor­ge­führt: Soria trickste, er schlug Haken und war mit dem Ball meist schneller als Fadhel ohne. Es gibt Fuß­ball­sta­dien, in denen wäre der Stürmer von den eigenen Fans gefeiert worden – nicht so in Katar. Als das Spiel zwi­schen Katar und Kuwait vorbei war, wurden Soria und seine Mit­spieler nur mit ver­hal­tenem Applaus bedacht. Dabei hatten sie gerade 3:0 gewonnen.



In Katar findet gerade der Asien-Cup statt. Das Tur­nier ist Asiens Pen­dant zur Euro­pa­meis­ter­schaft und steht unter beson­derer Beob­ach­tung, weil Katar die Aus­rich­tung der Welt­meis­ter­schaft 2022 zuge­spro­chen bekommen hat.

Bisher war noch kein Spiel in Katar aus­ver­kauft

Bis dahin sind es zwar noch elf Jahre, doch schon jetzt gilt der Asien-Cup als Test­lauf für die WM. Nach deren Ver­gabe wurden aus Fuß­bal­ler­kreisen immer wieder Zweifel laut, ob Katar in der Lage ist, ein sol­ches Groß­ereignis zu ver­an­stalten. Zu klein, zu heiß, keine Fuß­ball­kultur – das sind die am häu­figsten vor­ge­brachten Argu­mente der Katar-Gegner.

Aus orga­ni­sa­to­ri­scher Sicht ver­läuft der Asien-Cup bisher pro­blemlos. Das bestä­tigt Wolf­gang Sidka, der die Mann­schaft von Titel­ver­tei­diger Irak als Trainer betreut. Die Katari sind tolle Gast­geber, alles ist bes­tens durch­or­ga­ni­siert.“ Doch der dürf­tige Zuschau­er­zu­spruch beim Asien-Cup macht den Ver­an­stal­tern zu schaffen. Bisher war noch kein Spiel aus­ver­kauft, sogar beim Eröff­nungs­spiel zwi­schen Katar und Usbe­ki­stan blieben mehr als 10 000 Plätze leer. Beson­ders auf­fällig wird das geringe Inter­esse am Tur­nier, wenn Gast­geber Katar nicht spielt. Meis­tens bleiben die Zuschau­er­zahlen im vier­stel­ligen Bereich. Tief­punkt war das Duell der Rekord­ti­tel­träger Saudi-Ara­bien und Japan, zu dem sich 2022 Fans im Sta­dion von Ar-Rayyan ver­loren.

Woher kommen die Fans in Katar?

Neben den Auf­tritten von Katar sind ledig­lich die Spiele der indi­schen Mann­schaft besser besucht. In Katar leben viele Inder, die dort als Bil­lig­lohn­kräfte Arbeit gefunden haben. Um den Indern die Teil­nahme am Asien-Cup zu ermög­li­chen, bedurfte es einer frag­wür­digen Ent­schei­dung durch den asia­ti­schen Fuß­ball­ver­band AFC. Wäh­rend sich die meisten Teams einer Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde unter­ziehen mussten, wurde Indien quasi per Wild­card ein­ge­laden, weil das Team den AFC Chal­len­gers Cup 2008 gegen Mann­schaften wie Myanmar oder Afgha­ni­stan gewonnen hatte. In Katar ver­loren die Inder alle drei Vor­run­den­spiele und schieden mit der schlech­testen Bilanz aller Teams aus. Wo sollen die Fans auch her­kommen?“, fragt Wolf­gang Sidka. Katar hat nur rund eine Mil­lion Ein­wohner, davon sind 800.000 Gast­ar­beiter.“

Bilder vom Asien Cup in Katar »

Aus den anderen Teil­neh­mer­län­dern sind nur wenige Fans nach Katar gekommen, um ihr Team zu unter­stützen. Von großer Begeis­te­rung rund um das Tur­nier ist in Doha nicht viel zu sehen, erzählt Jan Wiese. Der Ber­liner lebt seit fünf Jahren in der Haupt­stadt Katars. Im Grunde ist kaum spürbar, dass hier ein großes Tur­nier statt­findet. Nur in den Hotels halten sich mehr Pres­se­leute auf als sonst, was an den erhöhten Sicher­heits­kon­trollen zu merken ist“, sagt Wiese.

Sport­lich hätten die Katari allen Grund zum Jubeln. Durch den Sieg gegen Kuwait qua­li­fi­zierte sich die Mann­schaft fürs Vier­tel­fi­nale. Am Freitag geht es dort gegen den großen Favo­riten Japan. Auch Süd­korea, Aus­tra­lien und dem Iran werden gute Chancen auf den Tur­nier­sieg ein­ge­räumt. Doch Katars Trainer Bruno Metsu glaubt, dass sein Team den Asien-Cup zum ersten Mal gewinnen könnte. Um dieses Ziel zu ver­wirk­li­chen, haben die Funk­tio­näre in Katar eine mul­ti­kul­tu­relle Natio­nal­mann­schaft zusam­men­ge­stellt. Neun Spieler aus dem 23-köp­figen Auf­gebot haben ihren Geburtsort in einem anderen Land und besitzen eine dop­pelte Staats­bür­ger­schaft. Katars Stars sind der ein­ge­bür­gerte Bra­si­lianer Fabio Cesar, Ghanas Law­rence Quaye, Sene­gals Quarsem Burhan oder eben Sebas­tian Soria, der eigent­lich aus Uru­guay stammt.

Auch Trainer Metsu ist kein Unbe­kannter. Der Fran­zose führte den Senegal bei der WM 2002 ins Vier­tel­fi­nale und soll nun in Katar für Erfolge sorgen. Damit Metsus ehr­gei­ziges Vor­haben auch ver­wirk­licht werden kann, braucht die Mann­schaft aber noch drei Siege. Und Tore. Am besten von Sebas­tian Soria. Der Drib­bel­künstler wartet trotz guter Leis­tungen noch immer auf seinen ersten Tur­nier­treffer.