Stellen Sie sich vor, Sie schlagen im Jahr 2045 die Chronik des 1. FC Köln auf. Sie blät­tern in die Saison 2017/18. Was für eine legen­däre Spiel­zeit! Nach gerade einmal sechs Punkten aus der Hin­runde fei­erten die Geiß­böcke ihre glor­reiche Auf­er­ste­hung. Das Erwe­ckungs­er­lebnis: Der Sieg­treffer in der 95. Minute, aus­ge­rechnet im Derby gegen Borussia Mön­chen­glad­bach. Dieser Treffer füllte die Kölner mit derart viel Selbst­be­wusst­sein, dass sie von Sieg zu Sieg eilten. Eine unver­ges­sene Saison.

Das ist der Stoff, aus dem Fuß­ball­mär­chen sind. Doch wie rea­lis­tisch ist dieses Sze­nario? Kann der späte Derby-Sieg tat­säch­lich ein Kata­ly­sator für ein Kölner Wunder sein? Oder spricht mehr gegen als für ein Kölner Come­back? Wir sam­meln die Gründe für und gegen eine Kölner Auf­hol­jagd.

Pro Effzeh: Defen­sive Sta­bi­lität dank mehr Erfah­rung
Gegen Mön­chen­glad­bach hatte die Kölner Elf ein ganz anderes Gesicht als noch in der Hin­runde. Auf­grund der Ver­letz­ten­mi­sere musste Trainer Stefan Ruthen­beck in seinen ersten Par­tien als Chef­coach eine halbe U21 auf das Feld schi­cken. Nun sind Leis­tungs­träger wie Jonas Hector und Marco Höger wieder in der ersten Elf, Neu­zu­gang Simon Terodde über­nimmt den Posten im Angriff.

Dieses Mehr an Erfah­rung zeigte sich deut­lich im Derby. Nicht nur, dass die Mann­schaft auch nach dem Aus­gleich einen kühlen Kopf bewahrte. Sie ver­tei­digten geduldig, blieben bissig in den Zwei­kämpfen, ließen mit ein­fa­chen Finten Glad­bachs Pres­sing ins Leere laufen. Im Ver­gleich zur Hin­runde war der qua­li­ta­tive Sprung indi­vi­du­eller Natur deut­lich zu erkennen.

Pro Effzeh: Defen­siv­stärke und Stan­dards
Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man glauben können, Peter Stöger stünde noch immer an der Sei­ten­linie bei Köln. Das Derby war ein typi­sches Stöger-Spiel: Köln ver­tei­digte gegen den Ball im 4−4−2. Sie ver­schoben gewis­sen­haft über den Platz und suchten die Zwei­kämpfe im Mit­tel­feld. Von dort sollten schnelle Konter über die ein­rü­ckenden Flü­gel­spieler gestartet werden.

In der Hin­runde ging dieses Rezept nur selten auf. Mal spielte der Gegner nicht mit und spielte selbst auf Konter, mal hatte Köln Pech mit dem Vide­o­richter. Gegen Glad­bach ging jedoch alles auf: Die Glad­ba­cher ließen die Kugel laufen, ohne selbst Ideen zu ent­wi­ckeln, wie sie zwi­schen die engen Ketten der Kölner gelangen können. Köln wie­derum hatte Glück, als der Schieds­richter trotz Video­be­weis einen eigent­lich klaren Elf­meter ver­wei­gerte. Es war fast so, als würde der Fuß­ball­gott das nega­tive Fuß­ball­karma der Kölner gerade rücken wollen.