Lässig, fast non­cha­lant sitzt er im Stuhl eines Mainzer Cafes, genießt einen Latte Mac­chiato und beob­achtet die Men­schen, die die Straße ent­lang­fla­nieren. Es ist irgendwie schön, dass mich 27 Jahre nach Been­di­gung meiner Lauf­bahn Leute auf der Straße erkennen und mich anspre­chen“, bemerkt Jürgen Gra­bowski.

Ange­fangen hatte die Fuß­ball-Kar­riere des heute 63-Jäh­rigen beim SV Biebrich (1952−1960). Vom FV Biebrich (1960−1965) wech­selte Gra­bowski 1965 zum Bun­des­li­gisten Ein­tracht Frank­furt, bei dem er 15 Jahre, davon elf Jahre als Kapitän, die Fuß­ball­schuhe band und zum Ehren­spiel­führer ernannt wurde. Mit der als lau­nisch gel­tenden Diva vom Main wurde der Mit­tel­feld­stra­tege 1974 und 1975 DFB-Pokal­sieger und holte in seinem letzten Jahr (1980) den UEFA-Pokal an den Römer. Ich hätte damals gerne mal in diesem wun­der­schönen Sta­dion gespielt, in der heute die Ein­tracht kickt“, sagt der gebür­tige Wies­ba­dener, der 1980 nach einer Grät­sche von Lothar Mat­thäus an der Sei­ten­linie seine aktive Lauf­bahn beenden musste. Der Lothar war richtig heiß darauf, gegen einen gestan­denen Spieler wie mich ange­setzt zu sein“, erin­nert sich Gra­bowski an den schlimmsten Moment seiner Kar­riere zurück. Ich wusste direkt, in meinem Fuß ist wohl so ziem­lich alles kaputt, was nur kaputt sein kann.“

Die Ein­tracht ist mein Verein“

Für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft bestritt Gra­bowski ins­ge­samt 44 Län­der­spiele und erzielte dabei fünf Treffer. Sein Debüt im Natio­nal­trikot erlebte er am 4. Mai 1966 gegen Irland. An drei Welt­meis­ter­schaften nahm Grab­woski teil, berühmt wurde er aber erst bei der WM in Mexiko 1970 als der beste Aus­wech­sel­spieler der Welt´. Sein letztes Län­der­spiel absol­vierte der Hesse im Finale der WM 1974 im eigenen Land gegen die Nie­der­lande (2:1). Nachdem Gra­bowski seine Lauf­bahn 1980 been­dete, spielte er im November 1980 ein letztes Mal im Wald­sta­dion bei seinem Abschieds­spiel vor 45.000 Zuschauern – je eine Halb­zeit für die Ein­tracht und eine für die 74er-WM-Mann­schaft. Ich bin zwar dem Fuß­ball als Ver­wal­tungsrat bei der Ein­tracht treu geblieben, aber Manager oder Trainer wollte ich nie werden. Wären damals die rich­tigen Leute in Frank­furt gewesen, wäre ich sicher­lich länger bei der Ein­tracht geblieben“, sagt Gra­bowski, der dort von 1981 bis 1992 Funk­tionär war.

Heute führt er mit seiner Frau eine Ver­si­che­rungs­agentur in Tau­nus­stein, aber zu den Heim­spielen bin ich fast immer da, diese Atmo­sphäre brauche ich ein­fach“, sagt Gra­bowski, den 1968 auch Bayern Mün­chen holen wollte. Ein Nein des dama­ligen Ein­tracht-Prä­si­denten Rudi Gram­lich ver­hin­derte den Wechsel. Auch Feye­noord Rot­terdam wollte mich, aber mein Ver­trag lief noch und die Fans, das Umfeld, als Kapitän Ver­ant­wor­tung zu tragen und erkannt zu haben, dass dies mein Verein ist, waren die Gründe, der Ein­tracht die Treue zu halten.“