Marten Laciny, wenn wir es richtig ver­standen haben, dann ist Ihr All-Time-Lieb­lings­spieler von Hansa Ros­tock ein Tor­wart namens Daniel Hoff­mann. Was bei allem, was wir über Sie wissen (Laciny war in der Jugend Tor­jäger bei Hansa Ros­tock und sogar U17-Natio­nal­spieler), so über­haupt keinen Sinn ergibt. Können Sie uns erklären, was an Hoff­mann so ver­dammt geil war?
Oh je, Daniel Hof­mann: Habe ich das echt mal gesagt?

Sie lachen. Ja, das haben Sie gesagt, sogar mehr­fach!
Ach, ich bin halt ein Fuß­ball­ro­man­tiker und mag solche Typen. Der war der erste bei Hansa, der nach der Wende mit einem 180er Mer­cedes vor­ge­fahren ist, mit einem geilen Haar­schnitt und einer Gold­kette. Teil­weise hat er unter­ir­disch gespielt, teil­weise war er genial, ein Tor­wart, dem man das echte Leben noch ange­sehen hat. Nicht wie heute, wo Keeper kon­stant und meis­tens per­fekt spielen. Bei dem waren Schwan­kungen drin, dafür hat man ihn abends auch mal aus irgend­einer Bar in War­ne­münde stol­pern sehen. Ein guter Typ ein­fach, ein Lebe­mann. Von der Sorte gab es damals einige, Henri Fuchs war auch so einer. Typen, die bestimmt heute noch manchmal mit der Familie auf der Couch sitzen, an die Wen­de­zeit zurück­denken, an das Schla­raf­fen­land, das ihnen plötz­lich offen stand, und sich dann sagen: Das war die geilste Zeit über­haupt.

Apropos geile Zeit: Lassen Sie uns über die aktu­elle Ros­to­cker Mann­schaft und den mög­li­chen Auf­stieg in die Zweite Liga spre­chen. Die Sache ist durch, oder?
Nein. Noch nicht. Als Fan eines Ver­eins wie Hansa Ros­tock muss man mit allem rechnen. Aber klar, für die Stadt Ros­tock und das Bun­des­land Meck­len­burg-Vor­pom­mern wäre es das schlimmste Sze­nario, wenn die Mann­schaft es jetzt nicht schaffen würde. Wir sind Zweiter, uns reicht ein Unent­schieden, wir spielen gegen Lübeck, die schon abge­stiegen sind. Par­allel spielt Ingol­stadt gegen 1860 (also der Dritte gegen den Vierten, d. Red.). An dieser Stelle drücke ich den Münch­nern übri­gens ganz herz­lich die Daumen, ich habe Sym­pa­thien für die Sech­ziger und fände es super, wenn die über die Rele­ga­tion auf­steigen würden. Jeden­falls spielen wir zu Hause im Ost­see­sta­dion, haben 7500 Fans im Sta­dion, ich werde natür­lich auch dabei sein. Die ganze Stadt steht hinter dieser Mann­schaft. Wenn es jetzt nicht klappt, dann wäre das fatal. Ande­rer­seits ist es ja ganz ein­fach: Wenn Lübeck dieses Spiel gewinnt und Ingol­stadt 1860 schlägt, dann ver­passen wir den direkten Auf­stieg.

Sie sagen, die ganze Stadt und sogar das ganze Bun­des­land sehne sich nach diesen Erfolg. Gibt es aber nicht auch Fans, die gar nicht unbe­dingt hoch wollen? Die die Dritte Liga als natür­li­ches Habitat für einen Verein wie Hansa Ros­tock akzep­tiert haben und sogar gut finden? Oder ist das Quatsch?
Das halte ich wirk­lich für Quatsch. Weil das über­haupt nicht stimmt. Denn das Umfeld des Ver­eins ist zu groß für die Dritte Liga. Zwi­ckau oder Verl, die passen sehr gut in die Liga. Aber Hansa hat vier Plätze mit Rasen­hei­zung, ein rie­siges Sta­dion, alles mal gebaut für die Bun­des­liga. Das kannst du mit der Dritten Liga nicht finan­zieren. Wenn wir hier nicht Leute hätten wir Herrn Elgeti (Rolf Elgeti, Invesor bei Hansa, d. Red.), der viel Geld in den Verein pumpt und schon viel für Hansa gemacht hat, dann hätte der Hansa die ver­gan­genen Jahre nicht über­leben können. Ganz ehr­lich: Wir gehören in die Top Sechs der Zweiten Liga. Da sehe ich uns. Für ganz oben, für die Bun­des­liga, fehlt uns das wirt­schaft­liche Umfeld, wir haben hier nicht die große Indus­trie, wir haben keine drei Betriebe mit Mil­li­arden-Umsätzen, wie es das zum Bei­spiel in Bie­le­feld gibt. Ein guter Zweit­li­gist – so sehe ich uns.

WILDE LIGA

Das Gespräch ist ein Auszug aus unserem Pod­cast WILDE LIGA“. Die ganze Folge, in der Mar­teria auch von seiner aktiven Zeit bei Hansa Ros­tock und in der U‑Nationalmannschaft erzählt, findet ihr hier. Oder, als Inhaber einer 11FREUNDE-Dau­er­karten, auch direkt bei uns auf der Seite. Nicht wun­dern: Um auf unserer Seite strin­gent zu bleiben, haben wir die schrift­liche Ver­sion in die Sie-Form“ gesetzt. Eigent­lich durften wir Mar­teria im Pod­cast duzen.

Zuletzt wurde viel dar­über gespro­chen, wie attraktiv die Zweite Liga in der nächsten Saison sein könnte. Stei­gert das die Vor­freude? Oder ist Ihnen das völlig egal?
Es wäre schon krass, mal wieder gegen Schalke zu spielen. Oder gegen den HSV oder St. Pauli. Aber was andere Teams angeht, ist die Dritte Liga ja auch inter­es­sant. Es gibt Lau­tern, es gibt Mag­de­burg, es gibt Sechzig, es gibt Mann­heim, dieses Jahr gab es noch Dresden. Zwi­schen­durch fand ich die Dritte Liga von den Mann­schaften her auch wirk­lich besser als die Zweite. Also von der Fas­zi­na­tion, die die Ver­eine aus­lösen. Zu Sand­hausen oder so habe ich halt keine emo­tio­nale Bin­dung. Inso­fern freut es mich schon, wenn die Zweite Liga attrak­tiver wird. Vor­aus­ge­setzt, wir steigen auch wirk­lich auf. (Er klopft auf Holz, d. Red.) Dann wird es auf jeden Fall richtig knallen, positiv und negativ. Nächstes Jahr werden wir jeden­falls Mon­tags und Diens­tags sehr viel über Zweit­li­ga­fuß­ball lesen.

Glauben Sie, dass der aktu­elle Kader bereit wäre für die Zweite Liga?
Eigent­lich würde ich sagen, dass die Qua­lität des Kaders aktuell auf keinen Fall reicht, wir hatten in dieser Saison viel zu viele Spiele, in denen wir schlecht waren und nur knapp gewonnen haben, mit Toren in der 90. Minute oder so. Aber was das angeht, bin ich echt kein Experte. Und meine Mutter hat mir neu­lich auch etwas sehr Beru­hi­gendes gesagt: Die Ent­wick­lung ist ent­schei­dend! Nehmen Sie zum Bei­spiel Sargis Ada­myan. Das ist ein guter Freund von mir, der hat früher bei uns in Ros­tock gespielt. Und in der Dritten Liga hier und da mal einen Ein­satz bekommen. Also wenig gespielt. Dar­über hat er sich auf­ge­regt, ist gewech­selt, in Regens­burg zu einem der besten Zweit­li­ga­tor­jäger geworden – und jetzt schießt er in der Bun­des­liga mit Hof­fen­heim die Bayern ab. Der war bei uns ein Aus-Aus­wech­sel­spieler. Inso­fern glaube ich schon, dass auch der ein oder andere Spieler aus dem aktu­ellen Kader noch einen Sprung machen könnte. Simon Rhein zum Bei­spiel, ein toller Mit­tel­feld­mann, der erst 23 Jahre alt ist. Oder Lukas Scherff, ein Meck­len­burger Junge. Außerdem ist es ja so: Wenn ich zum Bei­spiel gegen einen schlechten Gegner Tennis spiele, lasse ich mich auf dessen Niveau run­ter­ziehen. Wenn ich gegen einen guten Gegner spiele, ver­liere ich zwar viel­leicht, spiele aber besser. Ich glaube, so ist es auch beim Fuß­ball.

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In der Corona-Phase haben sich viele Fans vom Fuß­ball ent­fernt. Weil Fuß­ball in leeren Sta­dien ein­fach nicht das gleiche ist. Wie war es bei Ihnen?
Ich war immer dran. Es wird bei mir sogar mit dem Alter immer schlimmer. Ich ver­stehe langsam auch, warum meine Mutter beim Zuschauen immer so durch­dreht. Je älter man wird, desto kranker und unge­sünder wird es. Ich dachte, bei mir wäre es schon mit 30 krass gewesen. Jetzt bin ich 38 – und es ist teil­weise nicht mehr aus­zu­halten. Klar ist aber auch: Ich bin ein Fan und brauche das Sta­dion. Ich habe mich zwar an den Anblick von leeren Sta­dien gewöhnt, so wie man sich als Mensch an alles gewöhnt. Aber wenn man jetzt erste Bilder sieht von Sta­dien mit Fans, dann krib­belt es direkt.

Wenn Ros­tock wirk­lich auf­steigt: Wie wird dann gefeiert?
Ich plane da gar nichts. Aber wenn es wirk­lich eine Art Auf­stiegs­feier geben sollte, werde ich mir meine Freunde und meinen Sohn schnappen – und dann kann es schon, dass mein Sohn sein erstes Ben­galo zündet. (Lacht.) Da kann ich für nichts garan­tieren.