Kann ein Start-Up den Trainermarkt revolutionieren?

Doll hat Zukunft

Mit Markus Weinzierl entließ der VfB Stuttgart den achte Bundesliga-Trainer in dieser Saison. Ein teurer Spaß! Kosten, die ein Start-Up-Unternehmen mindern könnte. Ein Gedankenspiel.

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Zugegeben, die Idee zu ihrem Geschäftsmodell kam den Machern nicht erst an diesem Wochenende, als Markus Weinzierl mit dem VfB Stuttgart in Augsburg 0:6 unterging. »Auch wenn dieses Spiel mal wieder gezeigt hat, warum ein Change of Mind im Fußballbusiness nicht nur mehr als notwendig, sondern auch sinnvoll ist«, heißt es in einer Pressemitteilung, die 11FREUNDE sozusagen exklusiv vorliegt.

Erstes Coach-Sharing-System

CoachNOW will nicht weniger als den Trainermarkt im deutschen Fußball revolutionieren. Gegründet haben die vier Studenten der IT-, Sport- und angewandten Freizeitwissenschaften aus Berlin ihr Unternehmen nach der Entlassung von Christian Titz beim Hamburger SV. »Wir fuhren gerade mit einem geliehenen Auto Richtung Gute Laune, als wir von der Entlassung hörten«, erklärt Entrepreneur Leif S. Laiw, »und es hieß, dass der HSV jetzt den vierten Trainer auf dem Lohnzettel hätte. Da wussten wir: Da müssen wir anpacken!«

Tatsächlich musste der Hamburger SV zu diesem Zeitpunkt die Verträge von Titz, Bernd Hollerbach, Markus Gisdol und dem neuen Trainer Hannes Wolf bedienen. Geld, das dem Traditionsklub bei einem Neuanfang schlichtweg fehlte. »In diesen schnelllebigen Zeiten, in denen Trainer schon nach einem 0:7 bei den Bayern, oder weil die Hertha mal wieder mausgrauen Fußball spielt, fliegen können, ist das natürlich viel zu viel«, sagt Laiw. Mit CoachNOW soll alles anders werden. »Es ist das erste deutschlandweite Coach-Sharing-System.« 

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Teilnehmende Vereine können für einen vergleichsweise schmalen Taler Trainer buchen, mit ihnen Spaß haben und notfalls an der nächsten Straßenecke stehen lassen. Berechnet wird nur die effektive Einsatzzeit. »Ganz umsonst ist das natürlich nicht«, schmunzelt Laiw. Schließlich muss das Unternehmen abgestellte Trainer abholen und aufbereiten. »Wir haben mal einen Probanden nach nur sechs Wochen aus Duisburg geholt. Der sah aus - unglaublich!« Drei Ingenieure schnitten den Verzweifelten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der Ballonseide.

Intuitives Filtersystem

CoachNOW ist aber nicht nur ein zuverlässiges Angebot für Vereine mit zu großen Ansprüchen oder für irre Klub-Präsidenten, die ihren Daumen immer etwas zu nah am roten Knopf haben, sondern auch für taktisch feingeistige Sportdirektoren. »Es ist doch völlig klar, dass ein Trainer, der sich gerade noch ein 0:0 gegen die Bayern ermauert hat, nicht in der nächsten Woche einen spielerisch Leckerbissen gegen den FSV Mainz auf den Platz zaubert.« Mit dem intuitiven Filtersystem können Vereinsbosse nach gerade verfügbaren Taktikfüchsen und/oder nahezu unbekannten Greenhörnern aus skandinavischen Ligen suchen.

Aktuell arbeiten die Gründer an einer hochpreisigen Exklusivvariante. »Uns ist klar, dass Vereine mit Champions-League-Ambitionen nicht auf das gleiche Modell zurückgreifen wollen wie ein Westfalenligist. Mit ein bisschen Chrom an den Seiten beeindruckst du da niemanden.«

Die bisherige Resonanz falle, so heißt es laut Pressemitteilung, übrigens überragend aus. »Alle haben verstanden, dass dies ein Modell für die Zukunft sein könnte - also zumindest für die Zukunft von Thomas Doll.«

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