Auf Erfolge folgten in Antonio Rüdi­gers oft­mals Rück­schläge und auf Rück­schläge immer wieder Come­backs. Das Spiel seines FC Chelsea am letzten Samstag gegen Tot­tenham ver­kör­perte dieses Auf und Ab, das nicht immer nur mit dem Geschehen auf dem Platz zu tun hat, in kon­den­sierter Form.

Rüdiger machte in der Drei­er­kette der Blues“ eine gute Partie. Er agierte zumeist über­legt und mit der Aus­strah­lung eines selbst­si­cheren Ver­tei­di­gers. Chelsea gewann am Ende mit 2:1, auch dank Rüdiger, dem jedoch kurz vor Schluss ein Eigentor unter­lief. Es war also ein Sieg mit Bei­geschmack, der für Rüdiger umso bit­terer wurde, als er die Reak­tionen einiger Fans im Sta­dion bemerkte. Der Ras­sismus hat gewonnen“, sagte er im Inter­view mit Sky. Der Ras­sismus habe gewonnen, weil diese Leute, die ihn und andere Spieler ras­sis­tisch belei­digen, wei­terhin ins Sta­dion gehen dürfen.

Rüdiger kämpft aktuell an zwei Fronten: Er möchte als Spieler end­lich die ihm gebüh­rende Aner­ken­nung, die ihm gerade in Deutsch­land noch ver­wehrt bleibt. Und er möchte einen Fuß­ball ohne Ras­sismus und Frem­den­feind­lich­keit.

Sicher­heits­ri­siko und Hitz­kopf

Der Fuß­ball­spieler Antonio Rüdiger galt von Beginn an als großes Talent mit her­aus­ra­genden ath­le­ti­schen Fähig­keiten, aber auch als unge­stüm und tem­pe­ra­ment­voll. In seiner Anfangs­zeit beim VfB Stutt­gart – sein Pro­fi­debüt gab er im Januar 2012 – kas­sierte er in aller Regel­mä­ßig­keit Rote Karten und galt als eine Art Sicher­heits­ri­siko. Und auch als Hitz­kopf, weil er inner­halb von fünf Monaten zweimal wegen Tät­lich­keiten vom Platz gestellt und für ins­ge­samt sechs Spiele gesperrt wurde.

Trotzdem gelang Rüdiger beim VfB der Durch­bruch im Pro­fi­ge­schäft. Aller­dings ging er nicht den her­kömm­li­chen Weg und ver­suchte etwa, sich mit guten Leis­tungen in Stutt­gart für andere Bun­des­li­gisten zu emp­fehlen. Statt­dessen wech­selte Rüdiger bereits im Sommer 2015 zur AS Rom. Ein durchaus risi­ko­be­haf­teter Schritt, schließ­lich ver­schwand er damit ein wenig aus dem Fokus von Fuß­ball-Deutsch­land. Bun­des­trainer Jogi Löw hatte Rüdiger jedoch wei­terhin auf dem Zettel und wollte ihn zur Euro­pa­meis­ter­schaft 2016 mit­nehmen. Doch Rüdiger ver­letzte sich nach der Kader­no­mi­nie­rung am Knie und fiel aus

Toni bringt Aggres­si­vität und Prä­senz in alles, was er tut. Das hilft uns, weil wir viele junge Spieler haben.“

Chelsea-Trainer Frank Lampard über Antonio Rüdiger

Nicht der erste und auch nicht der letzte Rück­schlag für den Innen­ver­tei­diger. Aber er kämpfte sich stets wieder zurück. So auch nach einer acht­mo­na­tigen Ver­let­zungs­pause auf­grund einer Meniskus- und Leis­ten­ope­ra­tion im Jahr 2019. Rüdiger ver­passte den Europa-League-Sieg von Chelsea im ver­gan­genen Sommer und konnte auch in den ersten Monaten der neuen Saison nicht ein­greifen. Aber seit seiner Rück­kehr ist er wieder unum­strit­tener Füh­rungs­spieler in der Abwehr. Toni bringt Aggres­si­vität und Prä­senz in alles, was er tut. Das hilft uns, weil wir viele junge Spieler haben“, erklärte Chef­trainer Frank Lam­pard jüngst, der in seiner aktiven Zeit vor sol­chen eisen­harten Ver­tei­di­gern wie John Terry und Marcel Desailly spielte und daher gewiss keine geringen Ansprüche an seinen Abwehr­chef hat.

Was Lam­pard und anderen impo­niert, ist vor allem Rüdi­gers Aus­strah­lung. Mit Anfang Zwanzig hatte er noch den Hang zur Arro­ganz, erin­nert sich etwa sein ehe­ma­liger Jugend­na­tio­nal­trainer Horst Hru­besch. Doch mitt­ler­weile hat sich diese Arro­ganz in gesundes Selbst­ver­trauen ver­wan­delt. Nun zwei­ein­halb Jahre nach seinem Wechsel von Rom nach London ist Rüdiger auf­grund seines Auf­tre­tens und seiner zuletzt gezeigten Leis­tungen in die Ober­klasse der Pre­mier-League-Ver­tei­diger auf­ge­stiegen.