Seite 4: „Ich bin eigentlich ein weicher Typ“

Sie haben mal gesagt: Ich spiele auch für das Publikum, das will ein biss­chen unter­halten werden.“ Wie kamen Sie mit Dis­zi­plin­fa­na­tiker Ede Geyer zurecht?
Manchmal sagte er: Dei­net­wegen bekomme ich noch einen Herz­in­farkt an der Sei­ten­linie.“ Aber er war nicht so hart, wie viele glauben. Er hat ein Rie­sen­herz gehabt, das er nur nicht so oft zeigen wollte. Als er mal nach einem sehr guten Spiel wieder nichts gesagt hat, fragte ich ihn: Trainer, wann willst du mich mal loben?“ Er ant­wor­tete nur: Pipi, warum soll ich dich loben? Du weißt doch selbst, dass du gut gespielt hast!“

Sie sollen auch gerne gefeiert haben.
Als Profi hat man damals nicht so aske­tisch gelebt wie heute. Geyer hat gewusst, dass wir auch mal los­ge­zogen sind, aber er ließ uns machen. Er wusste, dass man den Spie­lern gewisse Frei­heiten geben muss, damit sie sich wohl fühlen. Ich erin­nere mich noch an eine Party bei meinem Stam­mita­liener, auf der er auch war. Ich bestellte dort immer Gigi“. Drei, viermal, einen Gigi bitte. Irgend­wann fragte Geyer: Mensch, Pipi, was ist eigent­lich dieses Gigi?“ Ich druckste rum, dann ließ ich ihn nippen und er grinste. Gigi war das Code­wort für Johnnie-Walker-Cola.

Stürmer werden gerne nach Ihrem besten Tor gefragt. Erin­nern Sie sich an Ihre beste Parade?
Der größte Sieg war ziem­lich sicher das 1:0 bei 1860 Mün­chen am 34. Spieltag 2001. Dadurch sind wir in der Bun­des­liga geblieben. Aber die größte Parade? (Über­legt.) Es gab einige im Spiel bei Bayer Lever­kusen im Sommer 2007. Ich war damals schon 38, aber in diesem Spiel hielt ich wirk­lich alles. 21 Schüsse in 90 Minuten, End­stand 0:0 (der Kicker“ gab Piplica die Note 1, d. Red.), danach gra­tu­lierte sogar René Adler mir altem Sack.

Die Medi­ziner hatten Ihnen längst zu einem Kar­rie­re­ende geraten.
Als ich 35 war, erlitt ich einen drei­fa­chen Schul­ter­blatt­bruch, und unser Ver­eins­arzt sagte: Das war’s.“ Ich ließ mich dann in einer Ber­liner Spe­zi­al­klinik ope­rieren. Danach habe ich am Come­back gear­beitet wie ein Beses­sener, meine Frau sagte: Pipi, du trai­nierst mehr als zu der Zeit, als du gesund warst.“ Ich wollte den Leuten beweisen, dass es noch geht. Ich wollte selbst bestimmen, wann Schluss ist.

Sind Sie aber­gläu­bisch?
Ich hatte meine Rituale und Rou­tinen. Bei jedem Spiel musste ich neue Hand­schuhe tragen. Ich bete auch jeden Tag. Aber ich fahre auch jeden Tag über die Auto­bahn von Leipzig nach Nord­hausen, da ist es ganz gut, wenn man vorher betet. Ich bin eigent­lich ein wei­cher Typ.

Ihr ehe­ma­liger Mit­spieler Chris­tian Beeck nannte Sie aller­dings Eisen­bieger“.
Ich hatte viele Spitz­namen: Pipi“, Pirat“. Geyer nannte mich mal Par­tisan“, weil ich Mehr­ta­ge­bart trug und lang­haarig war. Und Eisen­bieger hieß ich eben wegen meines Hän­de­drucks. Ich mag es nicht, wenn man beim Hän­de­schüt­teln das Gefühl hat, man habe einen toten Fisch in der Hand.

Mitte der Nuller­jahre tauchte Ihr Name im Zusam­men­hang mit dem Wett­skandal um Ante Sapina und Robert Hoyzer auf. Was hatten Sie mit den beiden zu tun?
Nichts. Ich bin Pro­fi­sportler und möchte, dass der Fuß­ball sauber bleibt. Es gab aller­dings ein Foto aus dem Café King.

Wieso?
Das Café King war unter Kroaten sehr bekannt. Als ich in Berlin war, bin ich dort mal auf einen Kaffee oder Tee hin­ge­gangen. Aber ich war des­wegen kein Betrüger. Genauso wenig bin ich Poli­tiker, weil es Bilder von mir mit Angela Merkel oder Ger­hard Schröder gibt.

Was hatten Sie mit Schröder und Merkel am Hut?
Beide besuchten auf ihren Wahl­kampf­touren im Osten auch mal unser Sta­dion der Freund­schaft. Schröder schoss dabei einen Elf­meter gegen mich, den ich natür­lich durch­lassen sollte. Aber ich hatte keine Lust, dieses insze­nierte Spiel mit­zu­ma­chen und hielt den Schuss. Das gab später etwas Ärger vom Verein.