Herr Schatz­schneider, Sie haben die Fern­seh­bilder aus Frank­furt sicher noch vor Augen. Was sagen Sie zu sol­chen Aus­schrei­tungen auf der Tri­büne?

Dieses Geschmeiße hat es schon immer gegeben. Es ist ein­fach schade, dass es in all der Zeit immer noch nicht ver­hin­dert werden kann. Jetzt müssen zwei Ver­eine bestraft werden, die voll und ganz hinter ihren Fans stehen und im Grunde gar nichts dafür können. Wenn jemand etwas ins Sta­dion schmug­geln will, dann schafft er es auch. Das können die Fans nur mit Zivil­cou­rage unter­ein­ander klären.

Haben Sie als Spieler einmal etwas Ver­gleich­bares erlebt?

Zum Glück nicht. Raketen sind neben mir nie ein­ge­schlagen. Ich will auch noch einmal betonen: Ich habe Hoch­ach­tung vor den Fans, weil ich wirk­lich der Mei­nung bin, dass sich die Fan­kultur sehr positiv ent­wi­ckelt hat. Wenn ich auf Schalke bin, dann schreien die hinter mir immer Schaaaalke“ – und von gegen­über kommt dann das Schaaaalke“ zurück. Da läuft mir ein kalter Schauer den Rücken her­unter! Und die anderen sind halt Chaoten, gegen die kommst du nicht an, da kannst du noch fünfzig Platz­ver­bote aus­spre­chen.

In Kai­sers­lau­tern hat es auch ein denk­wür­diges Bild in der Kurve gegeben. FCK-Trainer Sasic schickte seine Profis nach der Pleite gegen Hof­fen­heim zu den Fans. Sie sollten sich den Frust ihrer Anhänger selbst anhören. Glauben Sie, solche Ein­drücke können die heu­tigen Spieler noch beein­dru­cken?

Ich weiß nicht, ob das so richtig gewesen ist. Man kann immer mit reinem Gewissen vor jeden Fan treten, wenn man alles gegeben hat – aber Kai­sers­lau­tern ist ein­fach nicht mehr Kai­sers­lau­tern. Die haben doch davon gelebt, dass sich ein Briegel vier Mann auf den Buckel gespannt hat und los­ge­laufen ist. Da wurde jeder Zen­ti­meter umge­pflügt! Die Trainer in der Ver­gan­gen­heit haben viel zu oft ver­sucht, etwas spie­le­ri­sches auf­zu­bauen. Aber das ist ein­fach nicht der Betze! Ich hoffe, dass der Stefan Kuntz als neuer Vor­stands­vor­sit­zender schnell an diese alten Zeiten anknüpfen kann.

Waren Sie auch einmal dem Zorn der Fans aus­ge­setzt?

Früher gab es ja diese ganzen Absper­rungen noch nicht. Sobald du aus der Kabine kamst, warst du unter den Fans. Und wenn ich in Han­nover einen Elf­meter ver­schossen habe und das Spiel ging ver­loren, dann war die Stim­mung natür­lich auf­ge­heizt. Wenn mich da einer ange­macht hat, habe ich meine Tasche hin­ge­stellt und gesagt: Was ist los? Komm doch her! Wir können das auch anders regeln.“ Wenn mich irgend­etwas gepackt hat, ist mir alles egal gewesen. Ich war ein Heiß­sporn. In Glad­bach war es auch immer schön, wenn wir mit dem HSV zu Gast waren. Die haben immer Schatz­schneider ist homes­exuell“ gesungen. Das stimmte natür­lich nicht, aber ich hätte am liebsten mal mit­ge­sungen – ich fand die Melodie immer so schön. (lacht)

Auch Jürgen Klins­mann erregte am Wochen­ende die Gemüter. Darf ein Trainer sein zukünf­tiges Team etwa von der Tri­büne aus nicht beob­achten?

Ach! (stöhnt) Die Gemüter erregt doch eigent­lich der Kahn – oder der Effen­berg, das ist doch auch so ein Lun­ten­leger. Natür­lich hat ein Jürgen Klins­mann das Recht, sich seine Mann­schaft anzu­gu­cken. Wenn man es mal ganz nüch­tern betrachtet, ist doch Oliver Kahn der ganz große Ver­lierer. Früher wurde immer gesagt, er könne Nach­folger von Uli Hoeneß werden, aber er wird bei den Bayern keine Zukunft haben.

Eben dieser Klins­mann berief nun Walther Jung­hans als neuen Tor­wart­trainer in seinen Stab. Weil Jung­hans vor Jahren schon Tor­wart­trainer von Robert Enke in Lis­sabon war und 96 in diesen Tagen Tor­wart­ta­lent From­lo­witz ver­pflich­tete, bro­delt die Gerüch­te­küche in Han­nover. Geht Enke nun zu den Bayern oder nicht?

Das wäre eine Politik, die ich gar nicht ver­stehen würde. Wenn ich Hoeneß wäre und ich hätte ein Tor­wart­pro­blem, dann kann ich mir als FC Bayern Mün­chen doch den Manuel Neuer oder den René Adler leisten – da würde ich doch nicht auf einen 31-jäh­rigen Robert Enke zurück­greifen. Adler und auch Neuer gehört die Zukunft. Nach der EM wird einer der beiden die neue Nummer 1 sein.

Rober Enke bleibt also in Han­nover?

Ja, natür­lich. Der soll sein Wort halten und hier mit der Mann­schaft in Han­nover etwas auf­bauen. Und umge­kehrt braucht 96 auch einen erst­klas­sigen Tor­wart – unbe­dingt.

Han­nover 96 bräuchte auch unbe­dingt einen echten Zehner. Sind Sie eigent­lich sehr ent­täuscht, dass sich ein Jan Simak gegen das Angebot der Roten aus­ge­spro­chen hat?

Ich bezweifle stark, dass Jan Simak in Stutt­gart eine große Nummer wird. Jan spielt immer noch auf einem tech­nisch hohen Niveau, aber all das, was ihn früher aus­ge­zeichnet hat, wenn der Ball und er eins waren im höchsten Tempo, das hat er nicht mehr – und in der ersten Liga ist natür­lich ein anderes Tempo vor­ge­geben als bei Jena. Nichts gegen Jena, aber da steche sogar ich durch meine Technik noch hervor. Jan Simak hat es da relativ ein­fach. Aber wenn er in Jena noch nicht einmal her­vor­tritt, dann weiß ich auch nicht. Meine Pro­gnose: Er wird ein paar Spiele für Stutt­gart machen, aber er wird es nicht schaffen.

Letzte Frage: Wie lautet Ihr Wunsch­er­gebnis für das Spiel Bar­ce­lona gegen Schalke am Mitt­woch?

Ich finde es viel span­nender, dass Mirko Slomka da immer noch zur Dis­po­si­tion steht. Die sind in der Bun­des­liga an zweiter Stelle, haben inter­na­tional Erfolg – und das Gerede hört und hört nicht auf. Das erin­nert mich an ganz alte Schalker Zeiten. Die konnten nie den Hals voll kriegen, waren nie zufrieden, und es musste immer der Beste her – und den­je­nigen, der die Mann­schaft letzt­end­lich am besten erreicht hat, wollen sie nun weg­schi­cken. Das würde mir in der Seele leid tun. Ich hoffe, dass Mirko am Mitt­woch in der Ver­län­ge­rung gewinnt. In Bar­ce­lona kann man zur Zeit noch was reißen.