16. Juni 1968 in Stutt­gart
Deutsch­land – Bra­si­lien 2:1

1968, das Jahr des deut­schen Umbruchs: Revo­lu­tionen auf der Straße, Revo­lu­tionen auf dem Rasen. Am 1. Juni gewinnt die deut­sche Natio­nal­mann­schaft erst­mals in ihrer Geschichte gegen das Mut­ter­land“ Eng­land. Der junge Franz Becken­bauer schießt in der 82. Minute den his­to­ri­schen Treffer. Und damit nicht genug: 15 Tage später emp­fängt der Vize­welt­meister Bra­si­lien zum Freund­schafts­kick in Stutt­gart (!) – und gewinnt mit 2:1. Auch das ist eine Pre­miere. 1963 und 1965 hatte man es bereits gegen Pelés Bra­si­lianer ver­sucht, war jedoch knapp geschei­tert (1:2 und 0:2). In Stutt­gart schießen Siggi Held (8.) und Bernd Dörfel (56.) die deut­schen Tore, Tostao ver­kürzt später auf 2:1. Der beste Mann auf dem Platz ist aber erneut Franz Becken­bauer: Einen ful­mi­nanten Vol­ley­schuss setzt er knapp über das Tor, sein Flug­kopf­ball in der 30. Minute klatscht gegen den Pfosten. Dafür muss er sich sechs Monate später, beim erneuten Auf­ein­an­der­treffen von Deutsch­land und Bra­si­lien (2:2), einen sau­beren Bein­schuss von Pelé gefallen lassen.

7. Januar 1981 in Mon­te­video
Bra­si­lien – Deutsch­land 4:1

Was heißt eigent­lich Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ auf por­tu­gie­sisch? Weil Ita­lien bei der so genannten Mini-WM“ in Uru­guay sang- und klanglos aus­ge­schieden war, urteilte Jupp Der­wall, seines Zei­chens deut­scher Natio­nal­trainer: Das ist eine Bla­mage für Europa.“ Sprachs – und musste mit ansehen, wie seine Truppe gegen Bra­si­lien unter die Räder kam. Nach Klaus Allofs 1:0‑Führung in der 54. Minute musste Tor­wart Toni Schu­ma­cher in der letzten halben Stunde noch vier Gegen­treffer ver­kraften. Klar, dass sich nach der Pleite die aus­län­di­sche Presse auf Groß­kotz Der­wall stürzte wie die Geier auf lecker Aas. In einer unnach­ahm­li­chen Schau wurden die Deut­schen zu reinen Figuren degra­diert“, textet die nie­der­län­di­sche Zei­tung All­gemen Dag­blad“. Und Luis Cesar Menotti, Aus­wahl­trainer Argen­ti­niens, ätzte: Die Deut­schen haben eine beschä­mende Leis­tung geboten!“ Faule Eier­wer­ferei, die Kapitän Karl-Heinz Rum­me­nigge ganz undi­plo­ma­tisch nutzte, um in einem Artikel für die Welt am Sonntag“ Wer­bung für seinen Bayern-Kumpel Paul Breitner und dessen bal­dige Rück­kehr in die Natio­nalelf zu machen: Magath, Müller, Schuster und Stie­like sind sehr gute Mit­tel­feld­spieler, doch die benö­tigte zen­trale Figur sehe ich in ihnen nicht. Da gibt es in Deutsch­land nur einen – meinen Mün­chener Ver­eins­ka­me­raden Paul Breitner.“ Im Zuge der Ursa­chen­for­schung für diese Nie­der­lage deckte der deut­sche Bou­le­vard zu allem Übel auch noch aus­gie­bige Besuche der deut­schen Kicker in einer Strip­tease-Bar auf. Rum­me­nigge: Sind wir denn gleich dis­zi­plin­lose Nacht­schwärmer, wenn wir – wie ich selbst – drei Tage vor einem Spiel nachts um 1.40 Uhr von einem Bar­be­such ins Hotel zurück­kehren? Einer Bar übri­gens, die uns in einem zwei­sei­tigen Schreiben der deut­schen Bot­schaft als dis­ko­the­ken­ähn­li­cher Nacht­klub‘ zur Frei­zeit­ge­stal­tung emp­fohlen wurde?“

Bra­si­lien gegen Deutsch­land 1981 in epi­scher You­tube-Länge:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

12. März 1986 in Frank­furt am Main
Deutsch­land – Bra­si­lien 2:0

Eine Minute und 20 Sekunden. So lange braucht die BRD-Aus­wahl im WM-Test 1986, um Bra­si­lien im picke­pa­cke­vollen Frank­furter Wald­sta­dion den ersten Treffer ein­zu­schenken. Ecke Mat­thäus, Kopf­ball Briegel: So ein­fach geht es gegen den WM-Favo­riten aus Süd­ame­rika. Nach 88 Minuten erläuft der Ham­burger Heinz Gründel einen Fehl­pass von Falcao, spielt zu Klaus Allofs und der sorgt mit dem 2:0 für die Ent­schei­dung. Gründel steht im Sommer 1986 sogar im WM-Kader von Team­chef Franz Becken­bauer, doch der streicht den HSV-Mann in letzter Minute doch noch aus der Kader­liste. Trotz der Aktion von Frank­furt. Was noch keiner ahnen kann: Das 2:0 ist bis heute der höchste deut­sche Sieg gegen Bra­si­lien aller Zeiten.

10. Juni 1993 in Washington
Deutsch­land – Bra­si­lien 3:3

Beim US-Cup“, einem Ein­la­dungs­tur­nier des WM-Gast­ge­bers USA (ein Jahr vor der WM), dürfen auch Deutsch­land und Bra­si­lien wieder gegen­ein­ander antreten. Die Partie droht zur großen Bla­mage zu werden: Nach 39 Minuten steht es 3:0 für die Bra­si­lianer, in der Hitze von Washington zeigen die TV-Kameras den ent­setzen Gesichts­aus­druck von Bun­des­trainer Berti Vogts. Der behält dann in der Pause kühlen Kopf, wirft seine Stra­tegie (Effen­berg Libero, Klins­mann ein­zige Spitze) über den Haufen, beor­dert den 24-jäh­rigen Effen­berg neben Alt­meister Mat­thäus ins Mit­tel­feld und stellt Klins­mann Kalle Riedle zur Seite. Und siehe da: Nach 66 Minuten gelingt Klins­mann nach einem feinen Pass von Chris­tian Ziege das 1:3, Andi Möller trifft nach 80 Minuten zum 2:3 und wie­derum Klins­mann gelingt nach einem gewal­tigen Ein­wurf von Michael Schulz in der Schluss­mi­nute noch das 3:3. Ich habe eigent­lich erwartet“, sagt der bra­si­lia­ni­sche Bun­des­liga-Legionär Jorginho anschlie­ßend im Inter­view, dass die noch 15 oder 20 Minuten kämpfen und es dann bleiben lassen.“ Übri­gens: Ein paar Monate später, am 17. November 1993, trifft die BRD erneut auf Bra­si­lien, Buch­wald und Möller sorgen für den knappen 2:1‑Erfolg. Der vor­erst letzte Sieg gegen Bra­si­lien.

30. Juni 2002 in Yoko­hama
Deutsch­land – Bra­si­lien 0:2

Machen wir uns doch nichts vor: Eigent­lich hatte Deutsch­land in diesem WM-Finale 2002 nichts zu suchen. Zu glück­lich waren die Siege gegen die USA und Süd­korea, zu gut die Paraden von Oliver Kahn. Und doch: Hätte Oliver Neu­ville nach 49. Minute seinen sen­sa­tio­nellen Frei­stoß nicht an den Pfosten gebal­lert, wer weiß, wie das Spiel dann aus­ge­gangen wäre. So aber flutschte Kahn nach 67 Minuten ein Schüs­s­chen von Rivaldo aus den Händen und vor die Füße von Ronaldo – der Anfang vom Ende. Was bleibt sind gru­se­lige Erin­ne­rungen an die furcht­bare Frisur von Ronaldo (das Stirn­dreieck!) und der am Pfosten sit­zende Kahn. Schönste Pres­se­stimme nach dem ver­lo­renen Finale: Deutsch­land biss ins Gras, weil Kahn der Schreck­liche‘ auch nur ein Mensch ist, der Fehler macht.“ (AS, Spa­nien).