Hin­weis: Der Artikel erschien erst­mals im April 2019.

Die Ber­liner Gesell­schaft Urania“, so heißt es, wurde 1888 gegründet, mit dem Ziel, wis­sen­schaft­liche Erkennt­nisse auch einem Lai­en­pu­blikum zugäng­lich zu machen.“

Daran muss man denken, wenn man im Hum­boldt-Saal des Hauses sitzt, um Basler bal­lert“ zu ver­folgen, das Büh­nen­pro­gramm von Mario Basler. Dem Ex-Kicker, der so gern beson­ders wäre und der doch nur der Pro­totyp dieses einen Schwa­gers ist, für den man sich schämt.

Daran muss man denken, weil man sich ziem­lich schnell sicher ist, dass das hier Teil einer großen Ver­suchs­an­ord­nung sein muss, bei der der Homo Mario“ unter­sucht wird. Ein selten brä­siges Exem­plar des Men­schen, das stolz darauf ist, sich nicht für Argu­mente zu inter­es­sieren und das sich kon­se­quent als Krö­nung der Schöp­fung begreift, ein­fach, weil alle anderen es nicht sind. 

Machismo-Salven und schlüpf­rige Zwei­deu­tig­keit

90 Minuten plus Nach­spiel­zeit“, so heißt es in der Ankün­di­gung und schon bald hofft man, dass das mit der Nach­spiel­zeit eine der zahl­rei­chen hohlen Phrasen ist, die Basler so in den Abend sab­belt.

Nach etwas mehr als zehn Minuten erhebt sich dann auch der erste Zuschauer aus seinem Stuhl und drängt Rich­tung Aus­gang. Ein Anstän­diger, möchte man rufen. Ein Abtrün­niger, denkt Mario Basler. Der den Flüch­tigen sogleich zur Rede stellt und erleich­tert fest­stellen darf, dass da jemand ein­fach nur zur Toi­lette gehen will. Oder um es mit den Worten des Gast­ge­bers zu sagen: Ah, der muss pul­lern. Oder Kacka machen.“ Und der Saal? Johlt. Jubelt. Applau­diert. Pul­lern, Kacka, Euphorie. Man ist ganz hin- und her­ge­rissen über der Frage, ob man nun einen Anthro­po­logen oder doch eher einen Psy­cho­ana­ly­tiker rufen sollte.

Viel Zeit, dem inneren Ich zu lau­schen, bleibt aller­dings nicht. Denn Mario Basler hat die Damen­welt für sich ent­deckt. Nachdem er kun­digen Bli­ckes erfasst hat, dass sein Publikum zu 99 Pro­zent aus Män­nern“ besteht – dabei hat Berlin so tolle Frauen“ -, ent­deckt er drei Frauen, über die zu befinden gilt: Genau mein Alter.“ Doch das Glück des Mario Basler, es schlägt Pur­zel­bäume an diesem Abend, denn kurz darauf tritt eine ver­spä­tete Zuschauerin in den Saal, und auch ihr will man unbe­dingt emp­fehlen: Renn! Hau ab!“ Aber wieder ist man zu spät, oder zu leise mit seiner Gedan­ken­stimme, jeden­falls holt Mario Basler sie auf die Bühne. Plat­ziert sie neben sich, bietet ihr Wein an, fragt nach ihrem Mann und kom­pli­men­tiert so diese und jene schlüpf­rige Zwei­deu­tig­keit. Nach zwei Minuten Machismo-Salven sind selbst Bas­lers Kli­schees auf­ge­braucht, Zeit also, zu befinden: So, jetzt mach die Flatter zu Deine Hühner da.“ Und wieder: johlen, Applaus.