Sein größter, sein sehn­lichster, sein aller­letzter Wunsch blieb uner­füllt: Karl-Heinz Charly“ Neu­mann hat Kerzen auf­ge­stellt und Stoß­ge­bete an den All­mäch­tigen adres­siert, weil er nach der Unend­lich­keit von über 50 Jahren mal wieder die Meis­ter­schale auf Schalke hoch halten wollte. Doch er hat es nicht mehr erlebt: Als Charly Neu­mann am Dienstag starb, laut offi­zi­eller Mit­tei­lung um 13.45 Uhr »fried­lich ein­ge­schlafen«, stand der Verein seines Her­zens auf dem sechsten Rang der Liga. Fünf Punkte hinter der Spitze, nicht unbe­dingt als ein poten­zi­eller Titel­an­wärter posi­tio­niert.



Wech­sel­fälle des Lebens

Doch mit den Wech­sel­fällen des Lebens bei allem Frust gelassen und vor allem erhei­ternd umzu­gehen, war eine der her­aus­ra­gen­den­We­sens­arten von Charly Neu­mann, der für Schalke gelebt, mit Schalke gezit­tert, gelitten, gelacht und geweint hat: »Wegen Schalke«, so sagte er mal, »habe ich in meinem Leben schon acht bis zehn Bade­wannen voll­ge­heult.« Und min­des­tens die Hälfte dieser Tränen, so der Nach­satz, waren echt.“

Charly Neu­mann, ein Unikum. Beliebt, ja, ver­ehrt auf Schalke und bekannt in ganz Deutsch­land. Manchmal sogar bekannter als ein Groß­teil der Schalker Lizenz­spieler: »Wo ich hin­komme, habe ich Heim­spiele. Manchmal frage ich mich, wie populär ich erst hätte werden können, wenn ich auch noch Fuß­ball gespielt hätte«, sagte Neu­mann, für den sich dieser Traum aller­dings nie erfüllt hat: Nachdem Ernst Kal­witzki, legen­därer Schalker Meis­ter­spieler und später Platz­wart in der Glückauf-Kampf­bahn, einige Trai­nings­ein­heiten des ambi­tio­nierten Möch­te­gerns besich­tigt hatte, riet er ihm: »Lass‘ es Charly, du lernst es nie.«

Den Idolen die Bröt­chen gebracht

Er hat seine Fähig­keiten, seine Fer­tig­keiten auf andere Art ein­ge­bracht und umge­setzt: Als Bäcker­lehr­ling, der den ehe­ma­ligen Schalker Idolen Ernst Kuzorra und Fritz Szepan per Fahrrad die Früh­stücks­bröt­chen anlie­ferte. Als Hobby-Schau­spieler, der neben damals berühmten Lein­wand-Größen im »Wunder des Mala­chias« mit­wirkte, als erfolg­rei­cher Gas­tronom und vor allem als »guter Geist« auf Schalke, wo er mit seiner Herz­lich­keit, seiner Groß­zü­gig­keit nicht nur Fans, son­dern auch Funk­tio­näre beglückt hat. Er stand treu und fest zu Günter Sie­bert, als es dem vor­über­ge­hend nicht wirk­lich gut ging, er unter­stützte »Son­nen­könig« Günter Eich­berg, als dessen »Reich« zusam­men­brach. Und er ver­söhnte sich auch mit Ex-Manager Rudi Assauer, der den umtrie­bigen Mann­schafts-Betreuer vor­über­ge­hend ins Abseits gestellt hat.

Abstiege, Auf­stiege, Exis­tenz bedro­hende Kräche und Krisen – und er seit knapp sechs Jahr­zehnten immer dabei, obwohl er sich aus gesund­heit­li­chen Gründen immer stärker zurück­nehmen musste: Charly Neu­mann, ein Schwer­ge­wicht im Sinne des Wortes, zahlte für sein weit­ge­fä­chertes Enga­ge­ment einen hohen Preis: Er erlitt einige Schlag­an­fälle, einen Ver­lust an Tem­pe­ra­ment und Mobi­lität, und er zog sich zurück aus der Öffent­lich­keit, die er gesucht, und die ihn geschätzt hat. Sein letzter großer Auf­tritt war der 77. Geburtstag, als seine Weg­ge­fährten aus einem prall gefüllten Leben mit besten Wün­schen kamen. Dabei ist es geblieben.