Seite 2: Naturell: Abwehrchef

Achtet man im Spiel nur auf Vogt, schaut er sich ständig um, diri­giert seine Mit­spieler, schaut zum Trainer, kon­trol­liert die Abseits­linie, befiehlt seinen Kol­legen, wann sie raus­rü­cken und wann sie sich zurück­ziehen sollen. Mehr Platz­hirsch geht nicht. Vogt selbst sagt, es liege ganz ein­fach in seinem Natu­rell, Vorder- und Neben­männer zu steuern. Abwehr­chef ist eben Cha­rak­ter­sache.

Dabei hilft dem gebür­tigen Wit­tener wahr­schein­lich auch seine Her­kunft und das damit ver­bun­dene lockere Mund­werk. Wir Ruhr­pottler sind ja immer frei Schnauze“, nennt er das. Kennt man viel­leicht aus den Trink­hallen im Revier. Aber ehr­lich und direkt kann schon mal als unfreund­lich und pro­vo­kant auf­ge­fasst werden.

Des­wegen unter­streicht er seine Auto­rität zur Sicher­heit mit Leis­tung, die er aus­ge­spro­chen ver­läss­lich erbringt. Letzte Saison machte er 31 Bun­des­li­ga­spiele, immer über 90 Minuten. Seine Zwei­kampf­quote lag bei 63 Pro­zent, 89 Pro­zent seiner Pässe kamen an. Werte, die er auch gegen Bayern bestä­tigen konnte.

Aber Vogt ist nicht nur defensiv wichtig. In Bochum, wo er mit 17 für die Profis debü­tierte, Augs­burg und Köln spielte er meist als Sechser – und seine Qua­li­täten aus dieser Zeit bringt er auch in Hof­fen­heim ein. Vogt ist Aus­gangs­punkt für viele Hof­fen­heimer Angriffe und nimmt dem allei­nigen Sechser in Nagels­manns System dadurch viel Arbeit und Druck ab. Auch sonst schätzt der Trainer seine Fle­xi­bi­lität sehr, schließ­lich ermög­licht sie erst das variable Raus­rü­cken und Deckungs­spiel in der Defen­sive.

Seine Jungs

Sport­di­rektor Alex­ander Rosen befindet, Vogt habe sich nicht nur zu einer zen­tralen Per­sön­lich­keit bei der TSG“ ent­wi­ckelt, son­dern dar­über hinaus mit seinem über­ra­genden Spiel­aufbau und mit seinem Tempo offensiv wie defensiv einen her­aus­ra­genden Wert für uns.“ 

All das führte dazu, dass Vogt die Auf­merk­sam­keit gleich zweier großer Teams auf sich zog. Zum einen der Natio­nal­mann­schaft, wo er aber vor­erst weiter auf eine Nomi­nie­rung wird warten müssen, wie seit Mitt­woch klar ist.

Zum anderen des FC Bayern. Obwohl er nach eigener Aus­sage Nie­mals nie“ sage, konnte er sich gegen­über des neuen Bayern-Trai­ners Niko Kovac, der ihn nach Mün­chen holen wollte, zu einem Nein“ durch­ringen – um statt­dessen vor­zeitig bis 2022 in Hof­fen­heim zu ver­län­gern. Denn: Das hier sind meine Jungs“, wie er sagt. Und er ist ihr Kapitän.