Peter Pander, vor etwas mehr als zehn Jahren mussten Sie als dama­liger Manager den VfL ver­lassen. Wie stehen Sie heut­zu­tage zum Verein?
Im Grund ist das Kapitel für mich abge­schlossen. Den­noch bin ich noch häufig in Wolfs­burg, schaue mir noch regel­mäßig die Spiele an und stehe auch in Kon­takt mit den han­delnden Per­sonen, also Dieter Hecking oder Klaus Allofs.

Wie beur­teilen Sie die aktu­ellen Ent­wick­lung des VfL?
Dazu muss man eines ganz klar sagen: Wenn man enorme Invest­ments betreibt, dann muss auch etwas dabei her­aus­kommen. Volks­wagen würde es bei den der­ar­tigen Aus­gaben auf Dauer natür­lich nicht gefallen, nur Achter oder Neunter zu sein. Man muss die getä­tigten Aus­gaben ein­fach in Rela­tion setzen. Und dann kann das Ziel nur Cham­pions League heißen.
 
Kevin de Bruyne und André Schürrle haben zusammen mehr als 50 Mil­lionen Euro Ablöse gekostet. Solch einen finan­zi­ellen Spiel­raum hatten Sie damals nicht.
Nein, leider nicht. Man hatte zwar bereits damals von der Cham­pions League geredet, aber eben nur Bruch­teile von dem inves­tiert, was heute inves­tiert wird. Das hat sich ja massiv gestei­gert, seitdem Martin Win­ter­korn die Ver­ant­wor­tung über­nommen hat. Seitdem hat sich eine grund­sätz­liche Ände­rung voll­zogen, und heut­zu­tage werden eben solche Summen inves­tiert, die das Errei­chen der Cham­pions League auch tat­säch­lich rea­lis­tisch erscheinen lassen. Zu meiner Zeit wurde zwar über die Cham­pions League gespro­chen, aber es fehlten die grund­sätz­li­chen Vor­aus­set­zungen.

Ver­mut­lich hätten Sie gegen die Finanz­spritzen der Gegen­wart nichts ein­zu­wenden gehabt.
Natür­lich hätten wir uns das gewünscht. Das größte Pro­blem war jedoch, dass die Volks­wagen-Ver­ant­wort­li­chen zwar nach außen hin kom­mu­ni­zierten, dass man zeitnah in der Cham­pions League mit­mi­schen wolle, wir als Insider jedoch die wahren Zahlen – und damit Mög­lich­keiten – kannten. Der Plan Cham­pions League galt bei uns intern als Lach­nummer, das muss man so sagen. Gleich­zeitig habe ich Prügel für Dinge ein­ste­cken müssen, die ich nicht zu ver­ant­worten hatte.

Der heu­tige Pokal­gegner der Wolfs­burger, RB Leipzig, gilt auf­grund der mil­lio­nen­schweren Inves­ti­tionen eines Brause­her­stel­lers als Nach­folger des VfL Wolfs­burg. Erkennen Sie vor dem Hin­ter­grund der Wirt­schafts­kraft gewisse Par­al­lelen zwi­schen beiden Klubs?
Klar, beide Ver­eine haben in finan­zi­eller Hin­sicht sehr gute Vor­aus­set­zungen. Den­noch sehe ich einen großen Unter­schied: RB hat eben von Anfang an den Ansatz ver­folgt, in die Bun­des­liga auf­zu­steigen. Bei Volks­wagen gab es diesen Ansatz vor einigen Jahren noch nicht. Der wurde erst ver­folgt, als mit Martin Win­ter­korn ein Mann mit sehr viel Fuß­bal­laf­fi­nität die Ver­ant­wor­tung über­nommen hatte. Vor diesem Hin­ter­grund sind die Vor­aus­set­zungen eben doch nicht ganz ver­gleichbar.