Der ver­lo­rene Sohn Jupp Heynckes kehrt nach 19 Jahren sen­sa­tio­nell auf den Trai­ner­stuhl von Borussia Mön­chen­glad­bach zurück und sorgt damit für eines der
spek­ta­ku­lärsten Come­backs in der Fuß­ball-Bun­des­liga. Der 61-Jäh­rige wurde am Mitt­woch­nach­mittag auf einer Pres­se­kon­fe­renz im Borussia-Park als Nach­folger des am 14. Mai ent­las­senen Horst Köppel vor­ge­stellt und lässt beim fünf­ma­ligen deut­schen Meister eine unver­ges­sene Erfolgsära wieder aufleben.‚Ich freue mich sehr auf diese Auf­gabe. Ich habe wieder Lust auf die Bun­des­liga, und ich bin schon immer Borusse gewesen´, sagte Heynckes vor gut 60 Jour­na­listen und 8 Kame­ra­temas im Pres­se­zen­trum des Borussia-Parks, das er um 15.03 Uhr gewohnt rot­ge­sichtig und mit strah­lendem Lächeln betreten hatte: Ich denke, dass ich mit meinem Knowhow und meiner Erfah­rung hier noch viel bewegen kann. Ich will eine Art Fohlen-Elf auf­bauen.´ Einer der Vor­reiter des bewährten Jugend­stils könnte Natio­nal­spieler Mar­cell Jansen sein. Jupp Heynckes ist ein erfah­rener Trainer, der viele Erfolge gefeiert hat. Positiv ist zudem, dass er gut mit jungen Spie­lern arbeitet´, ließ Jansen aus dem WM-Trai­nings­lager verlauten.Die gesund­heit­liche Pro­bleme (vier Fuß­ope­ra­tionen, Arthrose im Knie) der letzten beiden Jahre hat Don Jupp´ Heynckes, der bis 1987 ins­ge­samt 24 Jahre als Spieler und Trainer in Glad­bach tätig gewesen war und nun einen Zwei­jah­res­ver­trag unter­schrieb, wei­test­ge­hend hinter sich gelassen. Er fühle sich noch zu fit und zu jung´, um nicht mehr im Fuß­ball tätig zu sein: Wer weiß, viel­leicht schließt sich hier der Kreis und ich beende in Glad­bach meine Trai­ner­kar­riere.´ Über­höhtem Druck wird er laut Borussia-Prä­si­dent Rolf Königs bei seiner Rück­kehr nicht aus­ge­setzt werden. Wir erwarten keine Wunder von ihm. Wir müssen nicht unbe­dingt sofort ins inter­na­tio­nale Geschäft, so weit sind wir noch nicht´, sagte Königs. Heynckes´ bis­lang letztes Enga­ge­ment als Coach war schnell in die Brüche gegangen. Am 15. Sep­tember 2004 wurde er nach nur 448 Tagen bei Schalke 04 ent­lassen. Noch vor zwei Monaten sagte Heynckes, dass er nicht zuletzt wegen chro­ni­scher Schmerzen nie wieder einen Trai­ner­posten über­nehmen würde. Nicht zuletzt die Liebe zu seinem Ex-Klub ließ ihn 516 Tage nach dem ver­meint­lich end­gül­tigen Abschluss seiner Trai­ner­kar­riere umdenken.‚Ich glaube nicht, dass ich mich als Trainer ver­än­dert habe, warum auch? Ich hatte auf Schalke mein bestes Trai­ner­jahr, habe am effek­tivsten gear­beitet, auch wenn es sich nicht immer auf die Ergeb­nisse nie­der­ge­schlagen hat´, sagte Heynckes, der seinen Freund Horst Köppel (‚Er hat hier gute Arbeit geleistet´) aus erster Hand von seinem neuen Enga­ge­ment berich­tete.
Den Kon­so­li­die­rungs­kurs seines ehe­ma­ligen Team­kol­legen wolle Heynckes, der von der Anfrage aus Glad­bach über­rascht´ war, kon­se­quent wei­ter­führen. Heynckes gehört zu den erfolg­reichsten deut­schen Spie­lern und Trai­nern aller Zeiten. Mehr Liga­tore als er (220 in 369 Spielen für Glad­bach und Han­nover 96) erzielten nur Gerd Müller (365÷427) und Klaus Fischer (268÷535). Der Euro­pa­meister von 1972 und Welt­meister von 1974 (39 Länderspiele/​14 Tore) prägte mit seinen Toren auch maß­geb­lich das gol­dene Zeit­alter der Glad­ba­cher Fohlen-Elf. Er wurde viermal deut­scher Meister (1971, 1975, 1976, 1977), DFB-Pokal­sieger (1973) und UEFA-Cup-Sieger (1975). Als die Glad­ba­cher dann 1979 zum zweiten Mal den UEFA-Cup gewannen, war Heynckes schon Co-Trainer unter Udo Lattek, den er danach als Chef-Coach ablöste. In acht Jahren konnte er zwar keinen Meis­ter­titel mit Glad­bach gewinnen, ent­deckte aber zahl­reiche Talente, unter anderem Lothar Mat­thäus. 1987 wech­selte er wegen der bes­seren sport­li­chen Per­spek­tive zu Bayern Mün­chen und führte den Rekord­cham­pion 1989 und 1990 zum Titel – und musste 1991 dann doch gehen. Erst­mals schweren Schiff­bruch als Coach erlitt er bei Ein­tracht Frank­furt, wo er nach einer Macht­probe im April 1995 gehen musste. Es folgten Sta­tionen auf der ibe­ri­schen Halb­insel (CD Tene­riffa, Ben­fica Lis­sabon, Ath­letic Bilbao), wo er sich auch vor dem miss­glückten Enga­ge­ment in Frank­furt bei Ath­letic Bilbao ver­sucht hatte. Den größten Erfolg fei­erte er mit dem spa­ni­schen Rekord­meister Real Madrid. Die König­li­chen´ führte er 1998 zum Cham­pions-League-Tri­umph, wurde aber in der Meis­ter­schaft nur Vierter und musste gehen.