Seite 2: Ein bisschen wie Poldi und Schweini

Neben dem offen­sicht­li­chen sport­li­chen Mehr­wert, den die deut­sche Natio­nal­mann­schaft durch die gar nicht mehr so neuen Neu­linge erhält, gewinnt sie vor allem auch: Auf­re­gung. Wäh­rend die DFB-Elf beim Debakel in Russ­land und auch in der Zeit danach zu oft in Schön­heit starb und mit ziel­losen Kurz­pass­fes­ti­vals den Unter­hal­tungs­wert der Spiele an das par­allel lau­fende Abend­pro­gramm in den dritten Sen­dern anpasste, haben die Spiel­an­lagen von Wirtz, Adeyemi und Musiala etwas ange­nehm Direktes. 

Wie Anfang Sep­tember gegen Arme­nien, als Adeyemi und Wirtz per Hacke, Dop­pel­pass und direktem Abschluss das 6:0 her­aus­kom­bi­nierten. Oder beim 4:0 in Nord­ma­ze­do­nien, als Adeyemi einen Fehl­pass tief in der geg­ne­ri­schen Hälfte erlief, sofort Musiala in die Tiefe schickte und der tro­cken zum 4:0 ein­netze. Oder Musiala, der bei Hansi Flicks müßigem Debüt gegen Liech­ten­stein mit einem Dribb­ling drei Gegen­spieler aus­steigen ließ und Timo Werner damit den Weg zum 1:0 ebnete. Blick, Pass, Tor – Tempo.

Spiele, auf die es sich zu freuen lohnt

Es hat ein wenig etwas von 2004, als Lukas Podolski und Bas­tian Schwein­s­teiger zur Natio­nal­mann­schaft stießen und das ein­ge­staubte Spiel der Völler-Truppe Schritt für Schritt attrak­tiver machten und das Nar­rativ um die dama­lige Alt­her­ren­mann­schaft nach­haltig ver­än­derten. Dabei setzen sich Musiala, Wirtz und Adeyemi gewis­ser­maßen in ein gemachtes Nest und spielen unter einem Trainer, der mutigen, direkten Fuß­ball for­dert. Als sich Deutsch­land am Montag in Nord­ma­ze­do­nien in der ersten Halb­zeit mit zu wenig Genau­ig­keit und feh­lendem Esprit das Leben selbst schwer machte, stand Flick am Sei­ten­rand, die Hände in den Jacken­ta­schen ver­staut und stampfte einmal kurz mit dem rechten Fuß. Uns hat in der ersten Halb­zeit die Ent­schlos­sen­heit gefehlt, das war in der zweiten wesent­lich besser“, sagte Flick nach dem Spiel.

Nun gilt auch für dieses Trio im Spe­zi­ellen das, was für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft gene­rell gilt: Gegen einen Gegner von geho­benem Niveau musste und konnte sich das Team noch nicht beweisen. Bis Jah­res­ende warten noch die mitt­ler­weile bedeu­tungs­losen WM-Quali-Rück­spiele gegen Liech­ten­stein und Arme­nien. Bis sich Musiala, Wirtz und Adeyemi im Trikot des DFB auch gegen hoch­ka­rä­tige Kon­kur­renz beweisen können, wird es noch dauern. Immerhin: Es sind Spiele, auf die es sich zu freuen lohnt. Das war vor wenigen Monaten noch anders.