Noch mehr Geschichten rund um den Rekord­meister gibt es in unserem neuen 11FREUNDE Legenden“-Heft. Neben neuen Betrach­tungen und noch nie gese­henen Fotos öffnen wir unsere Schatz­truhe mit den besten Repor­tagen, Inter­views und Por­träts, die in 20 Jahren 11FREUNDE über den FC Bayern ent­standen sind. Das Heft ist ab sofort am Kiosk und hier bei uns im Shop erhält­lich. 

Am 10. März 2010 wech­selte der FC Bayern das letzte Mal seine eigene Zukunft ein. Ein 17-jäh­riger David Alaba sprin­tete auf das Spiel­feld. Der Trainer hieß Louis van Gaal, der Kapitän Mark van Bommel, das Sturmduo – die Bayern spielten im 4−4−2 – Ivica Olic und Mario Gomez. Alaba war die nächste große Ent­de­ckung aus der Jugend­ab­tei­lung des FC Bayern. Auf dem Platz reihte er sich neben seinen Vor­gän­gern ein: Holger Bad­stuber, Bas­tian Schwein­s­teiger, Philipp Lahm und Thomas Müller.

Ein Kader voller Leis­tungs­trä­gern, die ihre fuß­bal­le­ri­sche Grund­aus­bil­dung an der Säben­er­straße 51 bekommen hatte. Drei Jahre später gewann die Mann­schaft die Cham­pions League. Die eigene Jugend­ar­beit war das Rück­grat für das Triple, den größten Erfolg der Ver­eins­ge­schichte. Als Bay­ernfan wuchs die von Haus aus breite Brust auf Tim-Wiese-Maße an, die Nase konnte noch ein biss­chen höher getragen werden, ein Gefühl der Unan­tast­bar­keit.

Denn ein Cham­pions-League-Titel mit so vielen Jugend­spie­lern, das kannte man sonst nur aus Bar­ce­lona. Das Beste daran: Das letzte Argu­ment der 1860-Fans war damit zer­stört, ein Trüm­mer­haufen. Nach dem der Verein in der zweiten Liga nach und nach immer weiter gen Abstieg tru­delte und der FC Bayern ihm die Arena weg­ge­nommen hatte, war den 60-Fans immer ein Argu­ment geblieben – die 1860 Jugend­ab­tei­lung galt in Mün­chen als das Non­plus­ultra. Nun stimmte auch das nicht mehr.

Fast zehn Jahre ist es nun her, dass David Alaba sein Bun­des­liga-Debüt gegeben hat. Immer wieder gab es junge, talen­tierte Spieler, denen ihre Trainer das Poten­zial zum großen Durch­bruch beschei­nigt hatten. Immer wieder einen Spieler, von dem ein Kumpel oder Kol­lege sagt: Das wird einer, ganz sicher. Ich hab den in der Jugend gesehen und jetzt zwei Mal bei den Ama­teuren. Brutal. Der packt’s.“

Ein Satz, der früher voller Hoff­nung steckte, heute eher voller Trotz: Es muss doch end­lich mal wieder klappen. Denn seit Alaba schaffte es kein Jugend­spieler mehr in die erste Mann­schaft, oder gar zum Stamm­spieler – für die meisten reichte es nur für ein Flug­ti­cket nach Doha, um den Kader im Win­ter­trai­nings­lager auf­zu­füllen. Das Trai­nings­lager des FC Bayern wirkt mitt­ler­weile wie eine Cas­ting Show. Junge Talente fliegen irgendwo in die Sonne, dürfen für wenige Tage das süßen Leben der Stars genießen, am Ende kriegt einer von ihnen den Stempel kom­mender Super­star“ auf­ge­drückt, doch das nächste Mal, das man von ihm spricht beginnt mit: Ach krass, der ist jetzt bei…“. Grund genug um zu Fragen, was macht eigent­lich:

Pierre-Emile Höjb­jerg (23)
Kein Spieler weckte so große Hoff­nung wie Höjb­jerg. 1,85 Meter groß, zwei­kampf­stark, gute Über­sicht, toller Abschluss. Der natür­liche Erbe des großen Bas­tian Schwein­s­teiger. 2013 debü­tierte er mit 17 Jahren unter Jupp Heynckes. Ein junger Spieler, der Kar­riere machen wird. Ein über­ra­gendes Talent“, nannte ihn Heynckes. Ich denke, er wird ein großer Spieler“, sagte Pep Guar­diola wenige Monate später. Ob Höjb­jerg es beim FC Bayern schaffen würde, war nicht die Frage, son­dern wann. In seiner ersten Saison unter Guar­diola kam er nicht am Mit­tel­feld aus Javi Mar­tinéz, Schwein­s­teiger, Toni Kroos und Thiago vorbei. Immerhin: sieben Bun­des­li­ga­spiele. In der nächsten Saison ging Kroos, dafür kamen Xabi Alonso und Sebas­tian Rode. Trotzdem: Höjb­jerg spielte bis zum Winter acht mal, doch die Kon­kur­renz schien zu groß, des­halb: Leihe nach Augs­burg, Stamm­spieler, Rück­kehr, Trai­nings­lager, Leihe zu Schalke. Auch in Gel­sen­kir­chen war der junge Däne nach einer Ein­ge­wöh­nungs­phase Stamm­spieler. 2016 schien alles vor­be­reitet, damit Höjb­jerg sich nun beim FC Bayern durch­setzen würde. Andert­halb Jahre Erfah­rung als Stamm­spieler in der Bun­des­liga, 17-facher Natio­nal­spieler – damals war Höjb­jerg 20. Doch wäh­rend er sich im Sommer auf die Saison vor­be­rei­tete, die sein großer Durch­bruch sein sollte, spielte ein gewisser Renato San­ches bei der Euro­pa­meis­ter­schaft groß auf und wech­selte nach Mün­chen. Im über­vollen zen­tralen Mit­tel­feld der Bayern war kein Platz für zwei Talente – also wurde Höjb­jerg ver­kauft, an den FC Sout­hampton. Das Ende einer großen Hoff­nung. Doch in Eng­land geht es Höjb­jerg gut. Er fand sich schnell zu Recht, spielte bisher in jeder Saison mehr als 30 Mal. Auch sein neuer Trainer Ralph Hasen­hüttl setzt auf ihn – wie sollte er auch anders: Höjb­jerg ist Kapitän. Mit 24 Jahren.