Es war heiß, so unglaub­lich heiß, als wir an diesem Pfingst­montag 1986 aus dem Kabi­nen­gang des restlos aus­ver­kauften West­fa­len­sta­dions traten. Es war ein schwerer Gang: Frank Pagels­dorf, Horst Hru­besch, Michael Zorc, Eike Immel – wir alle standen unter einem fürch­ter­li­chem Druck, weil wir das Hin­spiel der Rele­ga­tion in Köln 0:2 ver­loren hatten.

Sie nannten mich Judas“

Wir mussten jetzt mit drei Tref­fern Unter­schied gewinnen, um in der Bun­des­liga zu bleiben, bei Tor­gleich­stand gab es ein drittes Spiel auf neu­tralem Boden. Für mich per­sön­lich war der Druck beson­ders groß, nur wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass ich nach Schalke wech­seln würde. Für die Dort­munder Fans war das natür­lich Hoch­verrat. Ver­gessen waren meine 14 Sai­son­tore, sie nannten mich Judas“ und pfiffen mich aus, als ich an diesem schwülen Nach­mittag das Feld betrat.

Doch das gel­lende Pfeif­kon­zert moti­vierte mich nur noch mehr. Ich hatte den Jungs in der Kabine gesagt, dass dieses Spiel erst in den letzten Minuten ent­schieden werden würde, und ich hatte bereits eine Ahnung, dass ich maß­geb­lich daran betei­ligt sein sollte. Dass die For­tuna es uns nicht leicht machen würde, war klar, als Bernd Gra­bosch in der 14. Minute den Füh­rungs­treffer erzielte.



Uns dagegen gelang ein­fach gar nichts, Lothar Huber haute eine Bana­nen­flanke nach der anderen hin­ters Tor. Dazu diese uner­träg­liche Hitze. In der Pause hielt ich meinen Kopf unter den Was­ser­hahn und ver­suchte, Kraft zu tanken. In der zweiten Hälfte stei­gerten wir uns. In der 54. Minute gab Schieds­richter Aron Schmid­huber einen umstrit­tenen Elf­meter, den Zorc, unser Elf­me­ter­könig, sicher ver­senkte.