11FREUNDE am Morgen

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Mit­fahr­ge­le­gen­heiten. Die Bekannt­gabe der Kader für große Tur­niere durch den Bun­des­trainer hat schon oft für Schlag­zeilen gesorgt. 2002 etwa, als Martin Max, der Tor­schüt­zen­könig der Bun­des­liga, nicht mit zur WM durfte. Und 2006, als Jürgen Klins­mann plötz­lich David Odonkor von Borussia Dort­mund aus dem Hut zau­berte, von dem man vorher nur wusste, dass er auf dem Flügel flitzen kann wie die schnellste Maus von Mexiko. Nun, 2021, wurde wieder fleißig spe­ku­liert, ob Bun­des­trainer Joa­chim Löw wohl bockig auf seinem Umbruch bestehen würde oder ob er womög­lich einige der betagten Senioren zurück­holen würde, die er vor kurzem aus­sor­tiert hatte. Und auch wenn heute erst der Kader bekannt gegeben wird: Löw hat sich für eine große Rück­hol­ak­tion ent­schieden. Neben Thomas Müller, dessen Teil­nahme schon vor ein paar Tagen durch­si­ckerte, soll auch Mats Hum­mels wieder dabei sein. Ange­sichts der wack­ligen Defen­sive schien Löw der Gedanke ver­lo­ckend, mit dem BVB-Rou­ti­nier jemanden zu haben, der Stel­lungs­spiel nicht nur als ero­ti­sche Vari­ante kennt.

Nicht dabei ist hin­gegen Marco Reus. Obwohl der Dort­munder Kapitän im Pokal­fi­nale an allen vier Toren betei­ligt und der ent­schei­dende Mann war, obwohl er zudem seit einigen Wochen auf kon­stant hohem Niveau kickt und dabei auch etwas für die Natio­nalelf völlig Neues, näm­lich Tor­ge­fahr, aus­strahlt, mel­dete sich Reus ges­tern abend mit seiner Absage zu Wort. In seinem Insta­gram-Post war die Rede davon, dass der BVB-Stürmer seinem geschun­denen Körper etwas Rege­ne­ra­tion gönnen wolle. Und doch klang die ganze Mit­tei­lung ange­sichts der in den Wochen zuvor erkenn­baren Lust auf eine Tur­nier­teil­nahme ein biss­chen danach, als habe Löw aggressiv zuge­wartet, bis Reus selbst end­lich einsah, dass er doch besser absagt – natür­lich aus freien Stü­cken.

Sollte Löw aller­dings gehofft haben, mit der fuß­bal­le­ri­schen Vari­ante von Der große Bell­heim“ auch ein paar inter­na­tio­nale Schlag­zeilen zu machen, sah sich der Bun­des­trainer getäuscht. Die schnappte sich näm­lich Frank­reichs Natio­nal­coach Didier Dech­amps mit seiner plötz­li­chen Begna­di­gung von Karim Ben­zema. Der war wegen der Ver­wick­lung in die unap­pe­tit­liche Erpres­sung von Mann­schafts­kol­lege Mathieu Val­buena im Winter 2015 raus­ge­flogen und wurde nun wieder auf­ge­nommen.

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Volle Kon­zen­tra­tion

Carpe diem. Was für ein Moment für die eng­li­schen Fuß­ball­fans! End­lich durften sie wieder in die Sta­dien, zwar zunächst noch mit Abstand und auf halb­leeren Rängen, aber immerhin. Da war dann auch klar, dass die Fans jede Sekunde genossen und gebannt dem spek­ta­ku­lären Treiben auf dem Spiel­feld zusahen. Bis auf diese fröh­liche Fuß­ball­fa­milie aus der Hafen­stadt Sout­hampton, die mitten im Spiel lieber eine gemein­schaft­liche Runde Candy Crush zockte oder ein paar Grup­pen­nach­richten auf Insta zu ver­fassen hatte. Man muss eben Prio­ri­täten setzen.

Zitat des Tages

Wenn einmal ein Verein kommen sollte, der die rich­tige Her­aus­for­de­rung dar­stellt, und ich spüre, dass ich mich wei­ter­ent­wi­ckeln kann und man voll auf mich setzt, dann werde ich mir das über­legen“

Sprach Gerardo Seoane am Sonntag. Der Coach von Young Boys Bern wird heute als neuer Coach von Bayer Leverkusen vorgestellt. Der Schweizer war auch als Hütter-Nachfolger bei Eintracht Frankfurt im Gespräch gewesen.
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Fri­sche Ware ein­ge­troffen

Der letzte Jogi! Unser Son­der­heft zur EURO 2021 ist raus. Seit ges­tern und heute bei den Abon­nenten, morgen auch an den Kiosken der Repu­blik. Mit Cris­tiano, Jogi, Kevin, Thomas, Kilian und all den anderen wackeren Kämp­fern gegen die Erste Ord­nung, geführt durch den schur­ki­schen Darth Ceferin. In einem Jahr dann das Sequel: Der Auf­stieg des Sky­hansi“. Viel Spaß beim Lesen!

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Chi­ne­si­sche Ver­wir­rung

Der fal­sche Sohn. Es las sich aber auch zu kurios: Ein Investor kauft den chi­ne­si­schen Zweit­li­gisten Zibo Cuju auf und lässt aus Spaß an der Freude seinen 125 Kilo schweren Sohn in der ersten Elf auf­laufen. Ein leicht ver­schwom­mener Screen­shot mit dem eher unfit wir­kenden Soh­ne­mann an der Eck­fahne schien die Geschichte foto­gra­fisch zu belegen. Die Geschichte machte schnell welt­weit die Runde und hatte nur einen Haken: Sie war zu kurios, um wahr zu sein. Das Foto ist näm­lich von 2019 und zeigt Xu Guangnan, den Investor des Zweit­li­gisten Jilin Baijia. Der hatte seinen Spie­lern das Gehalt ver­wei­gert, worauf die Spieler streikten und sich der Investor selbst ein Trikot überzog. All das hat aller­dings gar nichts mit dem Klub Zibo Cuju und dem Investor He Shihua zu tun. Der ist erst 35 Jahre alt und hat keinen Sohn, den er spielen lassen könnte. Er selbst kann pas­sabel kicken und hat sich schon mal für eine Minute ein­wech­seln lassen – in der Nach­spiel­zeit.

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Klarer Fall

Trau dich, Jogi! Wer den Reus-Platz bekommen könnte? Um darauf eine Ant­wort zu bekommen, müsst Ihr nicht beim schan­ge­ligen Trash-TV von Bild​.de rein­schauen. Die Lösung lautet näm­lich: Natür­lich Stefan Ortega Moreno, der fabu­löse Arminia-Keeper, für dessen Mit­fahrt zur EM ich mich auch heute ab 11 Uhr an der Otto-Fleck-Schneise anketten werde (Hin­ter­ein­gang B, bei den Park­plätzen).

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Schatz, denkst du an die unbe­han­delten Zitronen?

Wild­west in Man­chester. Als der Bus des FC Liver­pool auf dem Weg zur Nach­hol­partie bei Man­chester United auf der dor­tigen Umge­hungs­straße fuhr, wurde er von meh­reren Autos gestoppt. Ein brand­ge­fähr­li­cher Unfug, der ein gericht­li­ches Nach­spiel haben wird. Reiz­voll an der Sze­nerie war ledig­lich der Schlussakt, als der Bus­fahrer von der Polizei auf­ge­for­dert wurde, die Straße frei­zu­ma­chen. Was dadurch ver­hin­dert wurde, dass ein Pär­chen auf einem Las­ten­fahrrad den Weg kreuzte, das stark danach aussah, als habe es sich auf dem Weg zum Koll­witz­platz leicht ver­fahren. Sie mit Ost­frie­sennerz und Trek­kin­gruck­sack, er vorn im Holz­kasten, dazu ein weißer Pudel im Aus­guck und sicher eine Ein­kaufs­liste für den LPG Bio­markt in der Hosen­ta­sche – ein­fach ein schönes Bild. Die Vor­be­rei­tung der Mann­schaft wurde übri­gens nicht gestört, die befand sich in einem zweiten Bus, der wohl­be­halten am Team­hotel ein­traf.

Noch drei Tage bis zum Abstiegs­krimi in der Bun­des­liga. Und jede Fan­szene ver­ar­beitet den Druck anders. Wäh­rend die Bremer Blase derart, zwi­schen Wut und Weh­lei­dig­keit hin- und her­schwankt, dass sogar Kai­sers­lau­tern von 1996 nei­disch rüber­blickt, wird in Köln vor allem auf Fried­helm Funkel Funkel ein­ge­dro­schen. Dessen pas­sive Taktik beim letzten Kick in Berlin wird dem Coach aus­dau­ernd vor­ge­halten. Und mitt­ler­weile wären ein paar Effzeh-Fans nicht über­rascht, wenn Funkel nach dem letzten Spieltag in der Geschäfts­stelle von For­tuna Düs­sel­dorf anrufen und als Dop­pel­agent stolz ver­melden würde: Auf­trag aus­ge­führt. Köln liegt am Boden“.

Einen schönen Mitt­woch wünschtPhilipp Köster