Seite 2: Ein Mario wird's machen

Die Schwach­punkte

Es gab sie aller­dings auch, die weniger glanz­vollen Momente. Im zen­tralen Mit­tel­feld fehlte zeit­weise die Akti­vität beim Spiel nach vorne. Das galt am Sams­tag­abend vor allem für Sami Khe­dira und Mesut Özil. Erst­ge­nannter tauchte bis zu seiner Aus­wechs­lung zur Pause immer wieder ab, wirkte ins­ge­samt noch sehr behäbig und langsam.

Özil tauchte gefühlt über­haupt erst nach dem Sei­ten­wechsel auf, als er Khe­dira posi­ti­ons­ge­treu im defen­siven Mit­tel­feld ersetzte und plötz­lich häu­figer am Ball und in der Rück­wärts­be­we­gung gefor­dert wurde. Das offen­sive Spiel durch die Mitte ver­bes­serte sich den­noch nicht wirk­lich, in der Zen­trale lahmte es auch wei­terhin. Das sah auch Aus­nahme-Aktiv­posten Toni Kroos so. Er sagte nach dem Spiel: Eigent­lich bin ich zufrieden. Wir können aber auch aus dem Zen­trum besser und schneller in den Straf­raum rein­kommen, um noch mehr Chancen zu haben.“

Unter­schied­liche Außen­ver­tei­diger-Schwä­chen

Eine wei­tere Schwach­stelle: Die defen­siven Außen­ver­tei­diger. Sowohl Jonas Hector als auch Bene­dikt Höwedes machten keine allzu glück­liche Figur – wenn auch in unter­schied­li­chen Aus­füh­rungen. Höwedes über­zeugte zwar defensiv, wirkte aber in seinen Offen­siv­be­mü­hungen unglück­lich – wobei das auch an seinem bis zum 2:0‑Treffer fast unsicht­baren Vor­der­mann Thomas Müller lag.

Hector wie­derum über­zeugte offensiv, hatte aber in der Rück­wärts­be­we­gung Pro­bleme. Gleich dreimal wurde der Kölner dia­gonal lang über­spielt. In den anschlie­ßenden Duellen auf seiner linken Außen­bahn gegen den wen­digen Flü­gel­stürmer Balazs Dzsudzsak wirkte Hector dann zu behäbig. Zwar ging es gegen die Ungarn dieses Mal gut, im Tur­nier­ver­lauf warten aber andere Kaliber. Hier besteht noch Ver­bes­se­rungs­be­darf.

Die EM-Start­auf­stel­lung

Bun­des­trainer Joa­chim Löw gab mit seiner Anfangs­for­ma­tion einen Fin­ger­zeig auf seine Tur­nier-Start­auf­stel­lung am nächsten Sonntag gegen die Ukraine. Vier Posi­tionen (zweiter Innen- sowie Rechts­ver­tei­diger, Links­außen, Stürmer) galten vor dem Ungarn-Test als vakant, nach dem Spiel haben sie sich hal­biert. Zwei Stellen hat Jogi Löw noch im EM-Angebot!

Löw schenkte wenig über­ra­schend Antonio Rüdiger, Bene­dikt Höwedes, Julian Draxler und Mario Götze das Ver­trauen. Alle Ent­schei­dungen sind durchaus nach­voll­ziehbar – vor allem nach den Ein­drü­cken aus dem Trai­nings­lager in Ascona. In der Innen­ver­tei­di­gung hatte sich Rüdiger bereits als Ver­treter des wei­terhin ange­schla­genen Mats Hum­mels eta­bliert. Nach dem erneuten Startel­f­ein­satz ist der Roma-Ver­tei­diger wohl end­gültig gesetzt.

Vorne wird’s ein Mario machen

Als Rechts­ver­tei­diger hatte der Bun­des­trainer in Ascona zwar auch Joshua Kim­mich getestet. Es war aber klar, dass Löw wei­terhin seine WM-bewährte Sicher­heits­va­ri­ante“ mit Höwedes in der Hin­ter­hand halten würde. Der etat­mä­ßige Innen­ver­tei­diger ver­spricht die größt­mög­liche defen­sive Sta­bi­lität, bringt außerdem eine gesunde Por­tion Dynamik mit. Den­noch offen­barte Höwedes gegen Ungarn wieder einmal seine größten Mankos: Spie­le­ri­sche Klasse und Flan­ken­qua­lität. Auf dieser Posi­tion wird Löw wohl erst in der nächsten Woche ent­scheiden, wer wirk­lich ins Tur­nier startet.