Seien wir doch mal ehr­lich. Dass Darm­stadt 98 in der ver­gan­genen Saison nicht abstieg, glich einem Wunder. Die Kick-and-Rush-Taktik von Dirk Schuster funk­tio­nierte besser als bei den Briten in den Neun­zi­gern. Sandro Wagner schoss Tore, die sonst keiner geschossen hätte. Aytac Sulu hielt hinten den Laden zusammen. Und im Not­fall half der marode Rasen am Böl­len­falltor aus.

Dieses Jahr wird das nicht mehr rei­chen. Schuster ist nicht mehr da, sogar in Augs­burg längst ent­lassen, Wagner spielt für Hof­fen­heim um den inter­na­tio­nalen Wett­be­werb. Aytac Sulu ist nur manchmal ein Fuß­ball­gott und sogar das Böl­len­falltor wurde den neuen Bedin­gungen ent­spre­chend ange­passt.

Das Spiel ein­stellen?

Vier Punkte holte Darm­stadt in den letzten 13 Spielen. Zwar alle­samt unter dem neuen Trainer Torsten Frings, der sich vom Vor­wurf des feh­lenden Stall­ge­ruchs frei­ma­chen konnte, ins­ge­samt aber doch viel zu wenig, um ernst­haft gegen den Abstieg zu spielen. Gegen den direkten Kon­kur­renten FC Augs­burg hätten die Lilien min­des­tens ein Unent­schieden gebraucht, genau genommen hätte nur ein Sieg wei­ter­ge­holfen. Doch selbst die Füh­rung durch Marcel Heller half nicht weiter. Darm­stadt verlor 1:2, ist nun acht Punkte vom Rele­ga­tions- und zehn Punkte vom Nicht­ab­stiegs­platz ent­fernt. Was sollen wir machen, das Spielen ein­stellen?“, war Frings von der Aus­sichts­lo­sig­keit seiner Mis­sion genervt.

Kurz gesagt: Darm­stadt wird aller Wahr­schein­lich­keit nach absteigen.

Kapitän Sulu bemän­gelte ges­tern Abend die immense Erwar­tungs­hal­tung: Der Druck ist mental schon groß, wenn man mit dem Gefühl ins Spiel geht, man muss gewinnen, sonst pas­siert das und das.“

Am Klas­sen­ver­bleib los­lassen

Obschon eine geringe Chance besteht, in den kom­menden drei Wochen den ein­ge­schla­genen Kurs massiv zu ver­än­dern. Gegen Bremen, Mainz und Wolfs­burg spielt die Mann­schaft gegen drei wei­tere Abstiegs­kan­di­daten. Dazu müssten aber alle Darm­städter am Klas­sen­ver­bleib los­lassen. Sich wieder ein­bläuen, dass 2012 die Regio­nal­liga drohte. Und das ein Abstieg ein Bein­bruch ist, der ver­heilen wird.

Joga bonito nennen die Bra­si­lianer das schöne Spiel am weißen Sand­strand – den Fuß­ball. Und nicht viel könnte Ipa­nema weniger ähneln als Darm­stadt-Bes­sungen. Im ver­gan­genen Jahr sahen die Fans hier vor allem Joga feio – das abso­lute Gegen­teil vom schönen Spiel. Es wird Zeit, dass sich die Darm­städter ein­ge­stehen, dass sie sport­lich nicht in die Bun­des­liga gehören. Dass sie fortan raus­gehen und ohne Stress­perlen auf der Stirn ihren Zuschauern ein gutes Spiel bieten sollten.

Darm­stadt steigt eben ab

Viel­leicht genügen der Spaß, die Leich­tig­keit und die Muse am Spiel, um in den Abstand in den nächsten drei Wochen auf ein erträg­li­ches Maß zu redu­zieren. Viel­leicht auch nicht. Dann steigt Darm­stadt 98 eben ab. Aber das wäre auch nur ein Bein­bruch, der ver­heilen wird.