Seite 2: "Nicht in den Staub werfen, wenn es schwierig wird."

Klingt nicht so irre auf­re­gend.
Das mag man für lang­weilig halten. Aber im Fuß­ball gibt es sonst oft nur die beiden Pole Held“ oder Depp“, in Frei­burg haben wir ein ver­nünf­tiges Maß dazwi­schen gefunden. Wer hier arbeitet, wird im Erfolg nicht für den Größten gehalten, aber man muss sich auch nicht in den Staub werfen, wenn es mal schwie­riger wird. Man kann in einer sol­chen Kon­stel­la­tion auch mal gemeinsam durch ein Tal gehen, wenn man glaubt, so lang­fristig erfolg­reich zu sein.

Wie nach dem Abstieg 2015?
Genau. Dadurch ist man aber auch mehr in der Ver­ant­wor­tung.

Inwie­fern?
An vielen anderen Stand­orten müssen die Ver­ant­wort­li­chen mit den Folgen eines etwaigen Miss­erfolgs oft nicht umgehen, da sie länger andau­ernde schwie­rige Phase nicht über­stehen. Bei uns war das bis­lang anders, daher haben wir auch nie auf Kosten der Zukunft im Hier und Jetzt agiert. Wir müssen mit den Folgen umgehen. Und die spürt man natür­lich mehr, wenn man schon ewig in der Stadt lebt und fest ein­ge­bettet ist. Außerdem will man doch auf keinen Fall das ein­reißen, was man mit auf­ge­baut hat. Und die Ent­wick­lung, die der Verein genommen hat, beinhaltet auch eine gewisse Fall­höhe.

Ich bin immer noch hier – aus voller Über­zeu­gung.“

Ist der SC Frei­burg durch das DFB-Pokal­fi­nale, das Errei­chen der Europa League und einem Transfer wie dem von Mat­thias Ginter auf dem nächsten Level ange­kommen?
Auf eine Art schon. Das DFB-Pokal­fi­nale war wun­derbar für uns und ich bekomme Gän­se­haut, wenn ich daran denke. Zu sehen, welche Wucht wir ent­falten konnten aber auch wel­ches Mit­ein­ander wir selbst in der Nie­der­lage erleben durften, hat auch was aus­ge­löst. Ins­ge­samt haben wir schon das Gefühl, im Sport sta­biler zu sein.

Sogar Chris­tian Streich sieht Frei­burg zum ersten Mal nicht in Abstiegs­ge­fahr.
Ich weiß nicht, ob das nur ein schwa­cher Moment war oder er das noch mal wie­der­holen würde. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass einige Mann­schaften in den letzten Jahren Pro­bleme hatten, die deut­lich grö­ßere Mög­lich­keiten als wir haben. Des­halb müssen wir schon wachsam, fleißig und demütig bleiben.

Sie sind fast ihr halbes Leben beim SC Frei­burg. Wächst über die Jahre die Ver­füh­rung eher, sich beruf­lich woan­ders aus­zu­pro­bieren, oder wird sie geringer?
Ich hatte in der Ver­gan­gen­heit die ein oder andere Mög­lich­keit mich zu ver­än­dern. . Wie Sie sehen bin ich immer noch hier – und das aus voller Über­zeu­gung. Die gemein­same Auf­gabe ist extrem span­nend und das Innen­leben im Verein ein­fach etwas sehr beson­deres.