Seite 2: „Ich hätte Funkel schon früher angerufen“

Die Ver­bin­dung zwi­schen den Hosen und der For­tuna star­tete genau vor 30 Jahren, als die Band Geld für den Transfer von Anthony Baffoe sam­melte. Wie kam das zustande?
For­tuna düm­pelte 1989 im Mit­tel­feld der Zweiten Liga herum. Die DEG lief dem Klub in der Stadt den Rang ab. Wir sind zwar große Eis­ho­ckey­fans, aber die For­tuna drohte immer mehr ins Hin­ter­treffen zu geraten. Wir haben dann eine Mark von jeder ver­kauften Ein­tritts­karte an den Klub gegeben, damit er sich Ver­stär­kungen leisten konnte. Zunächst wurde von dem Geld der Nach­wuchs­spieler Oliver Gensch ver­pflichtet. Ein wei­terer Teil der Ein­nahmen floss in die Ablöse von Anthony Baffoe.

Haben die Hosen damals über den Transfer ent­schieden?
Nein, aber mit Baffoe hatte der Klub genau den Rich­tigen aus­ge­sucht. Er war eine Ver­stär­kung auf dem Rasen und auch außer­halb ein super Typ, der dann auch ein Freund von uns wurde. Das Schönste an dem Ganzen waren die Pfeif­kon­zerte in Köln, Mün­chen oder anderswo, wenn wir uns beim Publikum für die For­tuna-Mark“ bedankt haben.

Im Jahr 2001 haben die Toten Hosen den Klub finan­ziell gerettet. Wie eng war es für For­tuna damals?
Uns wurde gesagt, dass es richtig eng war mit der Lizenz und wir einen wesent­li­chen Bei­trag zum Über­leben des Klubs geleistet hätten. Alleine hätten wir die benö­tigte eine Mil­lion Mark nicht auf­bringen können, nicht mal für For­tuna. Also haben wir es so gemacht: Die Brauerei die­bels“, die schon mal For­tuna-Sponsor gewesen war, hat unsere Tour gespon­sert und wir haben dieses Geld an die For­tuna wei­ter­ge­leitet. Unter nor­malen Umständen hätten wir nie einen Sponsor für unsere Tour genommen, das haben wir weder vorher noch danach wieder gemacht. Für die For­tuna war aber nicht nur das Geld wichtig, son­dern auch die Auf­merk­sam­keit. Zu Ober­li­ga­zeiten haben sich viele in Deutsch­land schon gefragt: Gibt es den Klub über­haupt noch?“

Für manche Fans war die Zeit in der Ober­liga iden­ti­täts­stif­tend. Sehen Sie das auch so?
Für eine Weile war es echt lustig, am Flinger Broich in dem alten, kleinen Sta­dion zu spielen. Das war so, wie man sich Fuß­ball vor­stellt: Du läufst von der Kneipe zum Sta­dion und wenn du was auf den Platz rufst, hören die Spieler das, und danach gehst du wieder zurück in die Kneipe um die Ecke. Iden­ti­täts­stif­tend war die Zeit in dem Sinne, dass bei der For­tuna seitdem eine gesunde Beschei­den­heit herrscht. Vorher hatten die Leute im Sta­dion auf­grund frü­herer Erfolge eine völlig über­trie­bene Anspruchs­hal­tung, beim geringsten Miss­erfolg wurde gleich gepfiffen. Heute stehen die Fans voll hinter der Mann­schaft, auch in schwie­rigen Phasen.

Wel­ches Spiel in den ver­gan­genen 30 Jahren sticht für Sie heraus?
Da gibt es natür­lich sehr viele! Eines war war zum Bei­spiel ein Auf­stiegs­run­den­spiel von der Dritten Liga zur Zweiten Liga Mitte der Neun­ziger. For­tuna musste in Augs­burg unbe­dingt gewinnen. Georg Koch hat sich in dem Spiel als echter Klas­se­tor­wart geoutet und For­tuna gewann mit 2:0. Die gesamte Saison war nicht gerade auf Schienen gelaufen, des­halb war die Erleich­te­rung nach diesem Sieg umso größer. Das fühlte sich wie eine Meis­ter­schaft an. Auf­stiege – nach den ent­spre­chenden vor­an­ge­gan­genen Abstiegen – hat die For­tuna ja ohnehin einige gesam­melt.

Auch in dieser Saison kämpft die Mann­schaft gegen den Abstieg. Schafft sie den Klas­sen­er­halt?
For­tuna hat vor der Saison zwei sehr gute Stürmer ver­loren, der beste Ide­en­geber im Mit­tel­feld ist dau­er­ver­letzt, ein sehr solider Abwehr­spieler ist auch weg, da ist es normal, dass die Mann­schaft sich erstmal neu zusam­men­finden muss. Natür­lich wären drei Punkte mehr auf dem Konto schon schön, aber gene­rell ver­mit­telt die Mann­schaft einen guten Ein­druck. Und mit Fried­helm Funkel haben wir genau den rich­tigen Trainer. Er ist prag­ma­tisch, und ruhig, er weiß genau, was er tut.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Funkel und For­tuna so gut mit­ein­ander har­mo­nieren?
Ich habe keine Ahnung vom Fuß­ball, aber ich hätte ihn schon viel früher ange­rufen. For­tuna muss jedes Jahr aus begrenzten Mög­lich­keiten das Opti­male her­aus­holen. Funkel träumt nicht vom FC Bar­ce­lona, son­dern nimmt die Spieler, die er hat, und macht das Beste daraus. Für For­tuna ist er Gold wert.

Wie geht das Spiel gegen die Bayern aus? Ist die Band morgen im Sta­dion?
Klar, wir sind da. Alles andere als eine deut­liche Nie­der­lage wäre eine Über­ra­schung, aber das 3:3 in Schalke im letzten Spiel war so ja auch nicht zu erwarten. Obwohl die Schere zwi­schen den Clubs mit grö­ßeren und weniger großen finan­zi­ellen Mög­lich­keiten immer weiter aus­ein­ander klafft, ent­scheiden manchmal eben doch nicht nur die wirt­schaft­li­chen Fak­toren. Ganz tief im Hin­ter­stüb­chen hoffen wir natür­lich auch gegen Bayern auf ein gutes Ergebnis.

Also ein dre­ckiges 1:0?
Nein, zu Null wird es sicher nicht werden. Erstmal wird es darum gehen, nicht zu schnell zu hoch in Rück­stand zu geraten.


Unter dem Titel Alles ohne Strom“ gehen die Toten Hosen 2020 auf Tour und haben nun eine DVD/Blu-ray mit dazu­ge­hö­rigem Ear­book ver­öf­fent­licht.