1.
Am Anfang, was sonst, schnödes Zah­len­werk: Para­guay hat eine Fläche von knapp 407.000 Qua­drat­ki­lo­me­tern bei einer Ein­woh­ner­zahl von 6,8 Mil­lionen Ein­woh­nern. Das sind 16 Ein­wohner pro Qua­drat­ki­lo­meter. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land, lassen wir den aktu­ellen Zensus jetzt mal außen vor, leben 226 Men­schen pro Qua­drat­ki­lo­meter. Ganz schön eng hier, oder?

2.
Apropos eng, um ein Haar wäre ja auch der Alt­meister und ewige Jüng­ling Roque Santa Cruz wieder in der Bun­des­liga gelandet. Doch im letzten Moment konnte der Wun­der­stürmer von einst das Unglück abwenden und sagte dem HSV ab. Momentan ist Santa Cruz übri­gens Rekord­tor­schütze für sein Land. In 90 Län­der­spielen traf er 26 Mal. Eine Quote der Kate­gorie durchaus aus­bau­fähig“.

3.
Von 1954 bis 1989 regierte der deutsch­stäm­mige Alfredo Stroessner, Dik­tator und Prä­si­dent in Per­so­nal­union, in Para­guay. Der grau­samen Herr­schaft des Befehls­ha­bers sollen Tau­sende Men­schen zum Opfer gefallen sein. Sehr viele Oppo­si­tio­nelle wurden gefol­tert, über zwei Mil­lionen gingen gar ins Exil. Kein Hin­dernis für den ehe­ma­ligen CSU-Par­tei­chef Franz Josef Strauß, der Stroes­sener 1973 tat­säch­lich zum Träger des Baye­ri­schen Ver­dienst­or­dens machte.

4.
Erstaun­lich: Fünf bis sieben Pro­zent der para­gu­ay­ischen Bevöl­ke­rung sind Ein­wan­derer deut­scher Her­kunft. Das zumin­dest ergab eine Volks­zäh­lung aus dem Jahr 2002. Dazu zählen immerhin 1838 in Para­guay lebende Per­sonen, die in Deutsch­land geboren sind. Das sind knapp 0,035 Pro­zent. Da klappt einem ja die Kinn­lade runter.

5.
Mit 111 Ein­sätzen ist Paulo da Silva Rekord­spieler seines Landes. Der 33-Jäh­rige wird auch heute Abend im Auf­gebot erwartet. Erken­nungs­merk­male: Hat in etwa Maße eines kleinen Kühl­schranks, einen Antritt wie eine Wan­der­düne und schon das ein oder andere graue Haar. Kate­gorie: Schlacht­ross.

6.
Trainer der Para­gu­ayer ist übri­gens neu­er­dings ein Mann namens Victor Genes, den der Ver­band nach der wahn­sinnig erfolg­losen WM-Qua­li­fi­ka­tion kur­zer­hand aus der U‑20-Natio­nal­mann­schaft hoch­ge­zogen hat. Der Mann ist so unbe­kannt, dass er nicht einmal einen deutsch­spra­chigen Wiki­pedia-Ein­trag hat. Die WM 2014 kann sich die Albir­roja ohnehin von der Backe schmieren. Der­zeit belegen die Rot-Weißen abge­schlagen den letzen Platz in ihrer Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde.

7.
88. Minute, Tor Neu­ville, 1:0, alle rasten aus, Deutsch­land ist weiter! Wer erin­nert sich nicht an diesen Dosen­öffner im Ach­tel­fi­nale der WM 2002. Nie­mand? Runter, fünf Lie­ge­stütze! Ist das pein­lich.

8.
Den bisher größten WM-Erfolg errang Para­guays Elf bei der WM 2010, als man im Vier­tel­fi­nale den Giganten Spa­nien ins Wanken brachte, ja bei­nahe schon gefällt hatte. Doch dann über­schlugen sich die Ereig­nisse: Beide Mann­schaften bekamen inner­halb von nur zwei Minuten einen Elf­meter zuge­spro­chen – und beide Mann­schaften ver­sagten vom Punkt. Am Ende siegte Spa­nien mit 1:0 und ließ sich anschlie­ßend vom Nie­der­länder Nigel de Jong im Finale halb tot treten. Der Rest ist Geschichte.

9.
Teile der Redak­tion rennen übri­gens heute noch beim Wort Para­guay“ lieber schreiend vor eine Beton­mauer. Der Grund: Beim WM-Ach­tel­fi­nale 2010 zeigten Para­guays Spieler zusammen mit ihren Kol­legen aus Japan eine derart mise­rable Leis­tung, dass viele bis heute vom schlech­testen WM-Spiel aller Zeiten spre­chen. Zitat: Das Spiel ist aus. Wir freuen uns. Nicht für Para­guay. Son­dern nur für uns. Wir haben es geschafft. Wir haben es über­lebt. Ame­rika hatte 9/11. Wir hatten dieses Spiel.“ Hier geht es zum Live­ti­cker der dama­ligen Partie. Nach­lesen auf eigene Gefahr.

10.
Wir unter­bre­chen das lau­fende Pro­gramm für eine trau­rige Nach­richt: José Luis Chil­avert ist nicht mehr Natio­nal­tor­wart bei Para­guay. Und bevor ihr euch jetzt schon am tro­ckenen Hafer­schleim ver­schluckt der nächste Schock: Der Keeper mit dem Zau­berfuß ist genau­ge­nommen seit dem Jahr 2005 nicht mehr aktiv. Haben wir irgendwie gar nicht mit­be­kommen und weinen uns des­wegen mal geschwind die Desi­gner­hemden voll. Aber so ist 11freunde​.de, immer etwas zu spät dran, diese kom­mer­zi­elle Schund­home­page. Dop­pelt pein­lich.

11.
Nur um zu unter­strei­chen wie wichtig Para­guay das Spiel gegen Deutsch­land ist: Mit Nelson Valdez, Oscar Cardozo und Lucas Bar­rios fehlen die drei größten Namen im Kader der Süd­ame­ri­kaner. Statt­dessen stürzen sich jetzt alle auf das 17-jäh­rige Super­ta­lent Antonio San­abria, der vor seinem Debüt in der A‑Mannschaft steht. Der spielt in der Jugend von Bar­ce­lona und wird unter Nerds und Bes­ser­wis­sern schon als das nächste ganz große Ding gehan­delt. Wurde Roque Santa Cruz das nicht auch mal?