Eine rote Pranke mit spitz gefeilten schwarzen Fin­ger­nä­geln hält eine blasse, fein­glied­rige Hand fest umklam­mert. Im Hin­ter­grund ein End­zeit­sze­nario mit zuckenden Blitzen vor pech­schwarzem Himmel. »Dein Pakt mit den Roten Teu­feln« erscheint in fetten Let­tern über der sym­bol­träch­tigen Kulisse. Und: »Jetzt Dau­er­karte holen!«



»Geschmack­lose Kam­pagne!«

Ein Besuch der vom Zweit­li­gisten 1. FC Kai­sers­lau­tern zur Stei­ge­rung des lau­fenden Dau­er­kar­ten­ver­kaufs ein­ge­rich­teten Web­site betze​-unser​.de gleicht einem Gang in die Unter­welt. Der Bet­zen­berg als Hölle für die dort gas­tie­renden Mann­schaften, das Lau­terer Publikum eine vom Roten Teufel beses­sene, blut­gie­rige Menge, die erst wieder vom Berg steigt, wenn das nur zu diesem Zweck ein­be­stellte Opfer end­lich dar­ge­bracht wurde – dras­ti­sche Meta­phorik, die der Betrachter mit etwas Fan­tasie aus dem visu­ellen Auf­tritt her­aus­lesen kann.

Einige Besu­cher sehen noch mehr: Eine Ver­let­zung der reli­giösen Gefühle gläu­biger Christen in Deutsch­land. Der pfäl­zi­sche Ober­kir­chenrat Gott­fried Müller kri­ti­sierte die Kam­pagne und nannte den Slogan »Betze unser« gegen­über dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst »geschmacklos«. Der pen­sio­nierte Kir­chenrat Udo Sopp schlug in die gleiche Kerbe und sprach von einem »miss­ra­tenen Umgang mit reli­giösen Sym­bolen«. Amü­sante Rand­notiz: Sopp war von 1981 bis 1985 Prä­si­dent des FCK, einer Zeit, als der Qualm der »Roten Hölle« Bet­zen­berg durch ganz Europa zog.

Ein­ge­denk der herben Kritik, die den Inter­net­auf­tritt auf eine Ebene mit der »Jehova, Jehova!«-Szene im Monthy-Python-Klas­siker »Leben des Brian« bringt, ist es legitim, die Frage zu stellen: Ist Fuß­ball bald keine Reli­gion mehr? Zahl­reiche Schre­ckens­sze­na­rien schließen sich für hart­ge­sot­tene Fans unmit­telbar an: Ver­lieren Olaf Mar­schall und Genossen das Attribut »Fuß­ball­gott«? Muss die kul­tige Fak­ten­samm­lung »Fuß­ball unser« aus den Regalen der Buch­hand­lungen ver­schwinden? Bekommt Diego Mara­dona mit 23 Jahren Ver­spä­tung von der FIFA eine Geld­strafe wegen Got­tes­läs­te­rung auf­ge­brummt?

Dem Pfälzer Klub immerhin erteilte Ober­kir­chenrat Müller die Abso­lu­tion. Er gehe nicht davon aus, dass der FCK mit der Kam­pagne unter­stellen wolle, »dass die Anhänger eine reli­giöse Bezie­hung zu dem Verein haben«, sagte er. Das dürften die treu­esten Fans ein wenig anders sehen. Die Kritik von Kir­chen­seite brachte im Lau­terer Anhang dann auch statt Abbitte nur wei­teren Frevel hervor. Auf »Der Betze brennt«, dem popu­lärsten FCK-Fan­forum, schoss die Blas­phemie ins Kraut. User »kadlec« betei­ligte sich mit der Fest­stel­lung »Der Gott ist rund« an der lau­fenden Dis­kus­sion, das Fritz-Walter-Sta­dion wurde im wei­teren Ver­lauf in »Ste­fans Dom« umge­tauft und meh­rere Besu­cher der Seite bekannten sich offen zur Anbe­tung ihres Ver­eins. User »Betze-Her­mann« war­tete dann gar mit einem auf Fritz Walter umge­dich­teten »Vater unser« auf, das in der Zeile »Dein Wetter komme« gip­felt.

»Moschee im Dorf lassen!«

Glück­li­cher­weise gibt es auch sou­ve­ränen Umgang mit der The­matik. Als jüngst einige in Deutsch­land lebende Mus­lime das Schalker Ver­eins­lied »Blau und Weiß« wegen einer Bezug­nahme auf den Pro­pheten Mohammed monierten, riet der Gene­ral­se­kretär des Zen­tral­rats der Mus­lime, Aiman A. Mazyek, launig, man solle doch bitte die »Moschee im Dorf lassen«. Die kri­ti­sierte Text­zeile lautet: »Mohammed war ein Pro­phet, der vom Fuß­ball­spielen nichts ver­steht. Doch aus all der schönen Far­ben­pracht hat er sich das Blau und Weiße aus­ge­dacht.«

In einem Gespräch mit dem Fern­seh­sender N24 sagte Mazyek damals: »Man sollte den Humor bewahren. Diese Fuß­ball­hymne gibt alles richtig wieder. Sie nennt den mus­li­mi­schen Pro­pheten. Und sie gibt zu ver­stehen, dass er keine Ahnung hat von Fuß­ball. Ist ja auch klar, weil er näm­lich vor der Erfin­dung des Fuß­balls gelebt hat.«

Es besteht also Hoff­nung, dass auch in Zukunft noch zahl­reiche »Fuß­ball­götter« unge­straft über das »hei­lige Geläuf« traben dürfen.