Manchmal geht es den Hol­län­dern auch nicht besser als uns Deut­schen. Am Freitag vor einer Woche war Javairo Dil­rosun per Skype aus seinem Hotel­zimmer in Düs­sel­dorf in eine Fuß­ball­sen­dung des hol­län­di­schen Fern­seh­sen­ders NOS zuge­schaltet, und die erste Frage, die der Mode­rator dem Offen­siv­spieler von Hertha BSC stellte, war die, ob er seinen Namen auch richtig aus­ge­spro­chen habe.

Javairo Dil­rosun, geboren in Ams­terdam, fuß­bal­le­risch aus­ge­bildet bei Ajax, ist in seiner Heimat sogar noch ein biss­chen unbe­kannter als in Deutsch­land. Aber das könnte sich bald schon ändern. Erst vor einem Monat gab der 20-Jäh­rige sein Debüt für Hol­lands U‑21-Natio­nal­mann­schaft und erzielte gleich ein Tor. Am Montag gegen Deutsch­land im letzten Grup­pen­spiel der Nations League könnte er bereits für die A‑Nationalmannschaft auf­laufen.

Weinen musste ich nicht“

Dil­rosun hat von seinen Eltern von der Beru­fung erfahren. Sie haben Zugriff auf seinen E‑Mail-Account und ihn am ver­gan­genen Freitag ange­rufen, als er gerade bei Hertha in der Kabine saß. Sie weinten vor Freude. Gerührt war ich auch, aber weinen musste ich nicht“, hat Dil­rosun erzählt. Trotzdem war es ein sehr schöner Moment für mich.“ Seine Eltern und seine Oma Lies­beth werden am Montag in Gel­sen­kir­chen auf der Tri­büne sitzen.

Aber nicht nur für die Familie Dil­rosun, auch für den hol­län­di­schen Fuß­ball ins­ge­samt besitzt die anste­hende Begeg­nung eine große Bedeu­tung. Sie bietet der Elftal die Chance zur Reha­bi­li­tie­rung, nachdem sie sich zuletzt weder für die EM- noch für die WM-End­runde qua­li­fi­zieren konnte. Dass Dil­rosun in sol­chen Spielen dabei sein darf, ist zwar auch dem Not­stand auf seiner Posi­tion geschuldet; es ist aber auch Aus­druck einer gewissen Wert­schät­zung, die er sich in den ver­gan­genen Wochen erar­beitet hat. Die Chance ist da, dass er Minuten kriegt“, sagt Bondscoach Ronald Koeman über den jungen Spieler der Ber­liner, der der elfte Debü­tant seiner noch kurzen Amts­zeit werden könnte. Ich bin neu­gierig.“

Als Dil­rosun 16 war, wech­selte er von Ajax in die Jugend von Man­chester City. In seiner Heimat ver­schwand er damit kom­plett vom Bild­schirm, und erst in den ver­gan­genen Wochen tauchte er dort wieder auf – dank seines Kick­starts in der Bun­des­liga. Sollte Dil­rosun für Oranje debü­tieren, wäre er der vierte Natio­nal­spieler nach Jordi Cruyff, Jerrel Has­sel­baink und Rob Ree­kers ohne vor­he­rigen Ein­satz in der hei­mi­schen Ehren­di­vi­sion.