Seite 3: „Also habe ich gefeiert. Und zwar richtig“

Vor allem mit Fredi Bobic ver­standen Sie sich blind.
Wir kamen im glei­chen Sommer zum VfB und waren beide kleine Num­mern im Geschäft. Also teilten wir uns direkt ein Zimmer im Trai­nings­lager. Dort redeten wir über alles. Über unsere Fami­lien, über unsere Her­kunft. So lernte ich schnell, wie er tickt. Als seine Frau zum ersten Mal schwanger wurde, rief er nicht seine Familie an, son­dern mich. Als drei Monate später meine Frau schwanger wurde, erfuhr es nicht meine Mama als Erstes, son­dern er. Ich brüllte ins Telefon: Fredi: Jetzt hat es auch bei mir geklin­gelt.“

Ihr gemein­samer Trainer in Stutt­gart war der junge Joa­chim Löw.
Ein super Coach, vor allem, weil er mit sich reden ließ. Vor dem Pokal­fi­nale 1997 gegen Cottbus stand mein Wechsel zu den Bayern schon fest, es war mein letztes Spiel. Eigent­lich war ich unum­strit­tener Stamm­spieler, doch manche meiner Mit­spieler fürch­teten, ich wäre mit den Gedanken schon in Mün­chen und würde nicht mehr alles geben. Des­wegen wollte Löw mich auf die Bank setzen. Also flehte ich ihn an: Bitte mach das nicht. Wenn ich scheiße spiele, kannst du mich in der Pause raus­nehmen. Aber gib mir zumin­dest die Chance, es den Leuten zu beweisen.“ Gott sei Dank hat er auf mich gehört.

Sie schossen beide Tore zum 2:0 und wurden DFB-Pokal­sieger.
Nach dem zweiten Treffer rief ich Jogi zu: Wenn du willst, kannst du mich jetzt aus­wech­seln.“

Warum wollten Sie danach trotzdem nicht feiern?
Weil ich sauer auf die Jungs war. Sie hatten gedacht, ich würde sie hän­gen­lassen. Also blieb ich nach dem Spiel zunächst alleine auf dem Hotel­zimmer. Bis Fredi, die Brat­wurst, klopfte und meinte: Nein, Bra­si­lianer, so nicht. Wir haben hier drei Jahre zusammen gezau­bert, jetzt lass uns end­lich feiern.“ Also habe ich gefeiert. Und zwar richtig.

Ihre beste Fete als Fuß­baller?
Viel­leicht. Wobei die Nacht nach dem Cham­pions-League-Sieg 2001 auch groß­artig war. Dabei sah es gegen den FC Valencia anfangs nicht so aus, als würde es einen Grund zum Feiern geben. Nach drei Minuten lagen wir mit 0:1 hinten, nach sieben Minuten ver­schoss Mehmet Scholl einen Elf­meter. Danach stand Valencia nur noch hinten drin. Als Stürmer muss ich sagen: ein rich­tiges Scheiß­spiel. (Lacht.) Am Ende sicherte uns Kahn den Titel.

Und die Party.
Genau. Aller­dings habe ich nur noch zwei Bilder davon im Kopf: Um halb vier stand ich plötz­lich alleine mit meiner Frau in Mai­land auf der Straße und war­tete auf ein Taxi. In der Hand hielt ich den Pokal. Zum Glück fuhr zufällig ein Ita­liener vorbei, den ich aus meiner Zeit in Mai­land kannte. Der konnte nicht fassen, dass ich um diese Uhr­zeit betrunken mit dem Cup auf der Straße stand. Ich gab ihm meinen Zim­mer­schlüssel, und er fuhr uns ins Hotel.

Und das zweite Bild?
Das hat mit Jens Jere­mies zu tun. Im Hotel ange­kommen, fei­erten wir an der Bar weiter. Dort verlor ich den Pokal aus den Augen. Irgend­wann kam die Frau von Jens zu uns und sagte: Leute, das müsst ihr euch anschauen.“ Wir gingen mit ihr aufs Zimmer. Da lag Jens – mit dem Pokal im Bett. Ich bin mir sicher: So lie­be­voll hat der seine Frau nie umarmt.

2003 flüch­teten Sie aus Mün­chen, obwohl Sie gerade Tor­schüt­zen­könig geworden waren.
Ottmar Hitz­feld kam zu mir und sagte: Wir werden Roy Makaay für sehr viel Geld ver­pflichten, den muss ich spielen lassen. Mein Rat an dich: Geh weg.“ Also nahm ich Hals über Kopf ein Angebot aus Lyon an.

Ein Fehler?
Gleich am ersten Tag wurde meiner Frau in Lyon die Hand­ta­sche geklaut. Später ver­letzte ich mich schwer und wurde falsch ope­riert, dazu kam Neid inner­halb der Mann­schaft. Ins­ge­samt also zwei ver­schenkte Jahre.

Trotzdem blieb ihr größter Kar­rie­re­fehler das Nackt­foto auf dem Motorrad, richtig?
Ach du Scheiße. Das glaubt mir zwar keiner, aber das Foto war nicht zur Ver­öf­fent­li­chung gedacht. Wir machten für die Bravo Sport“ ganz nor­male Fotos und am Ende sagte der Foto­graf: Ich habe eine Idee – willst du für deine Frau nicht ein Bild im Stil von Dennis Rodman machen? Du kannst es ihr zu Weih­nachten schenken.“ Also setzte ich mich nackt auf das Motorrad. Später zeigte der Foto­graf das Foto seinem Chef – und der ver­öf­fent­lichte es ein­fach. Und ich bekam Schimpfe von meiner Frau.

Noch nicht genug von Gio­vane Elber? Dann gibt es hier den Nach­schlag: Gio­vane Elber über seine Kar­riere in der bra­si­lia­ni­schen Natio­nal­mann­schaft, die Nach­spiel­zeit von Bar­ce­lona und Ärger mit Markus Merk »>