Frank Schaefer, worin unter­scheidet sich Lukas Podolski von all Ihren anderen Spie­lern?

Frank Schaefer: Es hat diese Fähig­keit aus dem Jugend- in den Pro­fi­be­reich hin­über­ge­rettet, Spiele allein ent­scheiden können. Das schaffen nur sehr wenige. Und er ist in der Lage, diese Qua­lität auch auf inter­na­tio­naler Ebene zur Gel­tung zu bringen. Das ist wirk­lich außer­ge­wöhn­lich.

Haben Sie eine Erklä­rung, warum ihm das gelungen ist?

Frank Schaefer: Seine Qua­lität war eben so hoch, dass er sie über­tragen konnte. Andere ver­lieren diese Wir­kung, wenn sie im Pro­fi­be­reich auf ähn­lich begabte Spieler treffen.

Für Lukas Podolski war die Beför­de­rung zum Kapitän eine psy­cho­lo­gisch wich­tige Ent­schei­dung. Was waren für Sie die Beweg­gründe, ihm die Binde zu über­geben?

Frank Schaefer: Wir haben im Dezember 2010 einige Dinge im Team ver­än­dert und da haben wir uns auch Gedanken gemacht, wer die Mann­schaft führen soll. Für mich war ganz ent­schei­dend, dass diese Pro­zesse von einem deutsch­spra­chigen Spieler begleitet werden. Außerdem nimmt Lukas eine Son­de­rolle in Köln ein. Des­halb glaube ich, dass er viel Kraft aus dieser Rolle schöpft und somit auch etwas in der Mann­schaft bewegen kann.

Wie hat er Ihre Ent­schei­dung ent­ge­gen­ge­nommen? So unauf­ge­regt, wie ein Tor bei der Welt­meis­ter­schaft?

Frank Schaefer: Als ich ihm im Trai­nings­lager in Belek dar­über infor­miert habe, hat ihn das meines Erach­tens schon sehr berührt. Ich glaube, dass es ihm sehr wichtig war und viel bedeutet.

Podolski betont, dass er sehr viel für den Verein tut. Wo enga­giert er sich aktiv außer­halb des Platzes für den 1.FC Köln?

Frank Schaefer: Lukas Podolski gilt als das Gesicht des 1. FC Köln und das lebt er auch nach außen hin. Das ist eine Rolle, die für einen 25-Jäh­rigen sehr viel Kraft erfor­dert.

Sie haben als sein A‑Ju­gend-Trainer erlebt, wie dieser Poldi-Hype“ los­brach. Hatten Sie manchmal Sorge, dass das zuviel wird für ihn?

Frank Schaefer: Die Sorge habe ich per­ma­nent. Die Fans kommen vor dem Mann­schafts­hotel sogar zu mir und sagen: Mensch, reden Sie doch mal mit ihm, ob er mit mir ein Foto macht.“. Überall wo er auf­taucht, herrscht ein Rie­sen­hype um ihn. Ich kann nach­voll­ziehen, dass er nicht so oft vor die Tür geht und sich mehr auf seine Familie kon­zen­triert. Lukas ist eine Medi­en­ge­stalt, der Junge hat drei Som­mer­mär­chen mit­ge­schrieben. Aber er ist kein Exzen­triker. 

Ist den­noch ein wenig Neid in der Kabine spürbar?

Frank Schaefer: Die Mann­schaft weiß, dass er einen Son­der­status ein­nimmt. Aber ich glaube nicht, dass ihn die Mit­spieler beneiden. Ich denke, viele sind froh, dass sie diese Son­der­rolle, in der man ständig unter Beob­ach­tung steht, nicht aus­füllen müssen. Wenn man ihn zeit­lich ganz normal in alle Bereiche ein­ordnet, brennt er nach zwei Monaten aus. Bei allem, was um ihn herum pas­siert, muss ich ihm seine Frei­räume lassen.

Welche Pri­vi­le­gien hat er denn kon­kret?

Frank Schaefer: Ein Bei­spiel: Wenn Lukas Podolski nach einem Aus­wärts­spiel einen Fern­seh­termin bei Gün­ther Jauch in der Sen­dung Men­schen 2010“ hat, ist für mich klar, dass er nicht mit der Mann­schaft zurück fahren muss, son­dern mit seinem Chauf­feur ins Fern­seh­studio. Das sind so Punkte, wo ich ein feines Fin­ger­spit­zen­ge­fühl brauche und ihn auch ein Stück weit schützen muss.

Braucht ein 84-facher Natio­nal­spieler trotz seiner Erfah­rung immer noch Füh­rung durch den Trainer?

Frank Schaefer: Jeder Mensch braucht eine Füh­rung. Lukas ist sehr sen­sibel und jemand mit dem man sich stark beschäf­tigen muss. Das kostet viel Energie, aber jede Sekunde lohnt sich.