Seite 3: Schweini, Kroos, Müller

Bas­tian Schwein­s­teiger
Wir sahen Rocky I“ und dachten: So auf die Fresse bekommen und immer wieder auf­stehen, das geht eben doch nur in Hol­ly­wood. Wir sahen den Kojoten, wie er, vom Roadrunner ver­arscht, von Felsen erschlagen und von Bomben weg­ge­sprengt wurde. Und dachten: So was geht eben nur beim Comic. Dann sahen wir das WM-Finale. Sahen Bas­tian Schwein­s­teiger ins­ge­samt 15 Kilo­meter laufen, unzäh­lige Zwei­kämpfe führen, Pässe spielen, Räume zustellen, Angriffe ein­leiten, Gegen­stöße abfangen. Sahen, wie die Argen­ti­nier den wich­tigsten Mann im deut­schen Spiel unbe­dingt mürbe klopfen wollten wie ein wütender Metzger sein Schnitzel. Sahen in der Super­zeit­lupe, wie sich Stollen und Knie­scheiben der geg­ne­ri­schen Spieler auf Schwein­s­tei­gers Körper aus­toben durften, wie selbst ein Schlag mit der Hand in sein Gesicht nicht geahndet wurde. Wie Schwein­s­teiger blu­tete und von Krämpfen geschüt­telt wurde. Vom Platz getragen, aber auf den Platz zurück wieder von seinen Beinen bewegt wurde. Rocky I wäre längst K.o. gegangen, des­halb stand auch Rocky II mit Kevin Groß­kreutz in der Haupt­rolle zur Ein­wechs­lung bereit. Der Kojote hätte end­lich auf­ge­geben. Aber Schwein­s­teiger spielte durch. Und wenn die Unter­hal­tungs­in­dus­trie einmal was Gutes tun möchte, dann sollte sie jetzt gefäl­ligst dar­über nach­denken, Bas­tian Schwein­s­teiger als Wrestler zu enga­gieren, seine 120 Minuten von Rio von Vin Diesel nach­spielen zu lassen, eine Schlag­ring-Kol­lek­tion Schwein­s­teiger“ raus­zu­bringen, Action­fi­guren pro­du­zieren zu lassen, irgendwas. Der Typ hat es schließ­lich ver­dient.

Toni Kroos
Bis zum gest­rigen Abend wurden Men­schen, die kurz­zeitig weg­ge­treten oder ohn­mächtig geworden sind, mit Riech­salz zurück ins Leben geholt. Seit ges­tern kann die Riech­salz-Inud­s­trie ein­pa­cken, Ärzte und Sani­täter aus aller Welt werden ihre Pati­enten mit einer Szene aus dem WM-Finale, gebannt auf ihre medi­zi­ni­schen Smart­phones, aus der Däm­me­rung holen: Wie Toni Kroos kurz­zeitig den Ver­stand ver­liert und den Ball zu Manuel Neuer köpfen möchte, obwohl zwi­schen ihm und Neuer Gon­zalo Higuain steht, einer der besten Stürmer der ver­gan­genen Jahre. Wie viele Herz­ryth­mus­stö­rungen es wohl in diesem Moment in Deutsch­land gegeben haben mag? Wie viele ver­krampfte Fäuste, wie viele ent­gleiste Gesichts­züge, wie viele spitze Schreie? Und dann blieb die Zeit kurz stehen, die Matrix hatte nicht gewollt, dass Argen­ti­nien gewinnt, also wurde mit einer wei­teren 0 im System der Ball um vier Zen­ti­meter nach links geschoben, Higuain ver­schoss. Anderes denk­bares Sze­nerio bei so viel Schwein: Das Gesicht von Toni Kroos löst als Glücks­bringer der Zukunft sämt­liche Schorn­stein­feger ab, Disney ent­scheidet sich für einen Face­lift, lässt Gustav Gans sterben und setzt Toni Kroos als ewigen Gegen­part zu Donald Duck ein. Wie auch immer: Wir bräuchten dann jetzt noch mal etwas Riech­salz…

Thomas Müller
11FREUNDE meint: Füllt diesen Mann in Dosen ab und lasst uns fliegen gehen. Kauft euch ruhig einen Fuß­ball­klub und benennt ihn nach Thomas Müller, wir würden zu wohl­wol­lenden Haus- und Hof­be­richt­erstat­tern werden. Mixt den Typen mit Wodka oder Korn und sauft euch im Club oder auf dem Schüt­zen­fest die Hucke voll, wir würden euch die nächste Runde bezahlen und anschlie­ßend eine Rose schießen gehen. Lasst durch­ge­knallte Öster­rei­cher aus dem All zur Erde hüpfen, nur um Wer­bung für den Thomas-Müller-Drink zu machen, wir stünden unten und würden vor­freudig warten. Wenn uns jemand fragen würde, wie aus uns Sys­tem­kri­ti­kern so hand­zahme Weich­spüler werden konnten, würden wir die DVD mit den besten Szenen von Thomas Müller bei dieser WM raus­kramen und die Leute würden ver­stehen. Dann würden wir halb­nackt um den Welt­pokal tanzen und mit unserem neuen Freund D. Mate­schitz einen eigenen Ein­schlag ein­stu­dieren. Alles wegen Müller.