Wenn es jemals ein Spieler ver­dient hatte, bei einer WM auf­zu­laufen, dann war das Süd­afrikas Ver­tei­diger Pierre Issa – denn bei einem glo­balen Fest darf jemand nicht fehlen, der mehr Pässe besitzt und mehr Kul­turen kennt als der 1. FC Köln Punkte hat.

Issa wurde am 11. Sep­tember 1975 in Johan­nes­burg geboren. Seine Eltern stammten aus dem Libanon und zogen nach Frank­reich, als Pierre gerade vier Jahre alt war. Des­halb besitzt er einen süd­afri­ka­ni­schen, einen liba­ne­si­schen und einen fran­zö­si­schen Pass und konnte sich mehr oder weniger aus­su­chen, für wel­ches Natio­nal­team er auf­laufen wollte. Gut, ganz so groß war die Aus­wahl nun auch wieder nicht, denn für einen Platz in Frank­reichs Elf hätte es wohl nicht gereicht, und die Aus­wahl des Liba­nons wird es ver­mut­lich in abseh­barer Zeit nicht schaffen, sich für eine Welt­meis­ter­schaft zu qua­li­fi­zieren. Issa ging also davon aus, dass er im Team Süd­afrikas die besten Chancen hätte, seinen großen Traum zu erfüllen: die Teil­nahme an einer WM-End­runde.

Aus­ge­rechnet Mar­seille

Am 15. November 1997 gab Issa sein Debüt im Natio­nal­trikot – übri­gens in Düs­sel­dorf und gegen Deutsch­land. Drei Monate zuvor hatte sich Süd­afrika durch einen knappen Sieg über die Repu­blik Kongo zum ersten Mal für eine WM qua­li­fi­ziert – aus­ge­rechnet für die in Issas zweiter Heimat, Frank­reich. Und dann wurde Süd­afrika auch noch zusammen mit dem Gast­geber in die Gruppe C gelost. Konnte es noch besser für den jungen Mann kommen? Klare Ant­wort: nein. Denn das Tur­nier wurde für Issa auf eher unan­ge­nehme Art unver­gess­lich.

In ihrem ersten WM-Spiel trafen die Süd­afri­kaner auf den Gast­geber. Die Partie fand in Mar­seille statt, was für Issa von beson­derer Bedeu­tung war. Seit 1995 stand er bei Olym­pique Mar­seille unter Ver­trag, hatte sich aber nicht richtig durch­setzen können: In der gerade abge­lau­fenen Saison war er ganze viermal zum Ein­satz gekommen. Nun erhielt er die Gele­gen­heit, den Mar­seiller Fans zu zeigen, was er wirk­lich konnte, und fast hätte er sie genutzt: Sekunden vor der Pause wurde Süd­afrika ein Frei­stoß zuge­spro­chen. Die Flanke lan­dete genau auf dem Kopf von Issa, aber der Ball ver­fehlte das fran­zö­si­sche Tor um Zen­ti­meter.