Geliebte Erin­ne­rung, ver­spä­tetes Glück. In ihr wird alles besser, wenn nicht gut. Heute ist morgen schon ges­tern und nur noch halb so arg. Denn was als Unglück in den Moment bricht, ver­blasst im Rück­blick oft zur Rand­notiz. Die Zeit heilt schließ­lich alle Wunden. Und sorgt im Umkehr­schluss dafür, dass aus großen Momenten unsterb­liche werden.

Weißt Du noch, damals“, raunen wir uns zu, wenn alles Fak­ti­sche längst ins Ver­gessen geraten ist, und nur noch das unbe­stimmte Gefühl des Glücks über bleibt. Alles war groß damals. Und besser als heute. Immer und immer wieder. Gerade auch im Fuß­ball.

Glück on demand

Spieler erin­nern sich von Genera­tion zu Genera­tion daran, dass es das zu ihrer Zeit nicht gegeben hätte“. Und meinen, dass die jungen Nach­wuchs­ki­cker keinen Respekt mehr hätten. Dass das früher noch ganz anders war, und sich der inzwi­schen ange­graute Kicker seine Sporen damals noch viel müh­samer ver­dienen musste. Eine Litanei, so alt wie der Fuß­ball selbst. Eine Litanei, die über den, der sie von sich gibt, Jahre zuvor genauso ange­stimmt wurde. Von denen, die vor ihm jung waren.

Doch es gibt Momente, die im Hier und Jetzt so stark, so prä­sent sind, dass sie selbst die Ver­klä­rung der Zeit nicht weiter erhöhen kann. Momente, die immer wieder da sind, im inneren Gefühls­kino, wie auf Abruf. Glück on demand. 

Unmög­lich, diesen Vor­sprung noch zu ver­spielen

Am 33. Spieltag der ver­gan­genen Saison erlebte ich genau so einen Moment. Meine“ Mann­schaft, Borussia Mön­chen­glad­bach, sicherte sich an jenem Tag die Qua­li­fi­ka­tion zur Cham­pions League. 

In der 79. Minute erzielte André Hahn den 2:1‑Siegtreffer gegen Bayern Lever­kusen. Vier Minuten später traf Sandro Wagner zum 2:1 seiner Darm­städter in Berlin, die damit einen Spieltag vor Schluss mit drei Punkten und 15 Toren in Rück­stand gerieten. Unmög­lich, diesen vierten Platz noch zu ver­spielen.