Martin Dahlin, Sie sind 1968 im süd­schwe­di­schen Udde­valla geboren. Wie war das Leben in der schwe­di­schen Pro­vinz?
Kurz nach meiner Geburt zog meine Mutter mit mir nach Hel­sing­borg, später nach Lund bei Malmö, wo ich gemeinsam mit ihr und meinem Stief­vater auf­wuchs. Meine Mutter stu­dierte Psy­cho­logie an der Uni Malmö und außerdem fand sie, dass wir in einer libe­ralen Uni­ver­si­täts­stadt wesent­lich ent­spannter leben würden. Mein Vater, ein Vene­zue­laner, trennte sich von ihr als ich zwei Jahre alt war. Und eine allein­er­zie­hende Mutter mit einem dun­kel­häu­tigen Kind hatte es in einer tole­ranten Umge­bung leichter als zum Bei­spiel in der Klein­stadt.

Haben Sie Ihren leib­li­chen Vater jemals ken­nen­ge­lernt?
Ich habe mich vor einigen Jahren mal mit ihm getroffen, ein­fach aus Neu­gierde. Aber es besteht kein Kon­takt. Mein rich­tiger Vater ist mein Stief­vater.

Wussten Sie schon als Teen­ager, dass Sie das Zeug zum Pro­fi­fuß­baller haben?
Ja. Ich durch­lief sämt­liche Jugend-Natio­nal­mann­schaften und schoss immer sehr viele Tore. Mir war klar, dass ich gut genug für die Profi-Kar­riere war.

Dazu passt die Aus­sage Ihres Lands­mannes Henrik Larsson, der im 11FREUNDE-Inter­view gesagt hat: Ich habe nie einen selbst­be­wuss­teren Spieler erlebt als Martin Dahlin!“ Haben Sie sich auch immer als so selbst­si­cher gesehen?
Ich glaube, das hat viel mit meiner Erzie­hung zu tun und mit dem Ver­halten meiner Mutter. Sie ist eine sehr intel­li­gente und cle­vere Frau, die mich immer unter­stützt und geför­dert hat. Aber auf eine ganz ange­nehme Art. Wenn ich traurig nach einem Spiel war, war sie es auch. War ich eupho­risch, teilte sie die Euphorie mit mir. Sie wollte ein­fach, dass ich mich gut und sicher fühle in dem, was ich mache.

War Sie denn ein­ver­standen damit, dass ihr Sohn Fuß­baller werden wollte?
Naja, wir lebten unter Aka­de­mi­kern, da hatten Fuß­baller in der acht­ziger Jahren nicht gerade den besten Ruf. Ich denke, sie hätte sich bestimmt einen Beruf für mich gewünscht, der weniger meine phy­si­schen, denn meine geis­tigen Fähig­keiten her­aus­ge­for­dert hätte. Als ihr dann aller­dings klar wurde, dass Fuß­ball mein Leben war und mich glück­lich machte, wurde sie mein größter Fan.

War sie als Psy­cho­login in einer Berater-Posi­tion?
Sie war zual­ler­erst meine Mutter, dann eine Psy­cho­login. Und als Mutter fand sie einen groß­ar­tigen Weg, mit mir umzu­gehen. Sie setzte mich nie unter Druck, son­dern ließ mich meine eigenen Ent­schei­dungen treffen. Zeit­gleich wusste ich immer, dass ich mit ihrer Unter­stüt­zung rechnen konnte. Viel­leicht ist das ein Grund für mein Selbst­ver­trauen.

Sie arbeiten heute als Berater. Wie viel von der müt­ter­li­chen Psy­cho­logie steckt dabei in Ihnen?
In dem Job ist es vor allem von Vor­teil, wenn man selber mal Profi war, dann lassen sich viele Dinge besser nach­voll­ziehen. Aber selbst­ver­ständ­lich hat die müt­ter­liche Erzie­hung ihre Spuren hin­ter­lassen. Ich ver­suche, meine Spieler auch abseits des Rasens wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Ich will, dass sie begreifen, wel­ches Pri­vileg sie genießen: Viel Geld für etwas zu kas­sieren, das andere für lau machen.