Es war kein schöner Abend für Amy Wine­house am 20. Juni, beim letzten Kon­zert vor ihrem Tod. Die Soul-Diva war nach einer wieder mal völlig ver­korksten Per­for­mance in Bel­grad vom Publikum von der Bühne gepfiffen worden. Den desas­trösen Auf­tritt begriff die ame­ri­ka­ni­sche Talk­mas­terin Chelsea Handler als Steil­vor­lage, um in ihrer Late-Night-Show Chelsea Lately“ gestan­dene drei Minuten über das ser­bi­sche Volk her­zu­ziehen. Die Reak­tionen ließen nicht lange auf sich warten. Auf You­tube gibt es inzwi­schen eine statt­liche Anzahl von Hass­vi­deos ser­bi­scher Mit­bürger über die zwei­fel­haften Aus­sagen der Talk­mas­terin. Mit dabei: Nikon El Maestro, eins­tiges Jahr­hun­dert­ta­lent im Welt­fuß­ball, heute in Diensten des öster­rei­chi­schen Bun­des­li­gisten SC Wiener Neu­stadt. 


Der 18-Jäh­rige Mit­tel­feld­spieler mit eng­li­schem und ser­bi­schem Pass hat sich seit einiger Zeit einen You­tube-Kanal ein­ge­richtet, auf dem er eigene Rap­vi­deos ver­öf­fent­licht. Get rich or die tryin’“ heißt sein Lebens­motto. Dass es sich dabei nicht gerade um Schmuse-HipHop han­delt, braucht da wohl kaum erwähnt zu werden.

Ras­sis­ti­sche und anti­se­mi­ti­sche Inhalte

Bei seinem pop­kul­tu­rellen Bei­trag über Chelsea Handler ver­griff er sich jedoch derart in der Wort­wahl, dass er vom Verein jetzt frei­ge­stellt wurde. Das Video beinhal­tete leider Gottes ras­sis­ti­sche und anti­se­mi­ti­sche Bemer­kungen des Spie­lers“, so ein Spre­cher des Ver­eins. Der Text ist aber auf Eng­lisch und Ser­bisch, muss erstmal sach­gemäß über­setzt werden, bevor wir ent­scheiden, wie es wei­ter­geht.“ Wie eine Nach­rich­ten­agentur berichtet, soll er Handler jüdi­sche Hure“ genannt haben. Den kon­tro­versen Clip hat der Spieler mitt­ler­weile ent­fernt. 

Dabei weist die Vita von Nikon El Maestro durchaus inter­es­sante Züge auf: Eigent­lich unter dem Namen Nikon Jevtic geboren, ließ er sich im Kin­des­alter zusammen mit seinem zehn Jahre älteren Bruder Nestor in El Maestro“ (der Meister) umbe­nennen. Ich fand die Künst­ler­namen der Bra­si­lianer immer super, obwohl meine Eltern damals sauer waren“ begründet Nestor den unge­wöhn­li­chen Namens­wechsel.

Weil es selbst nicht zur großen Kar­riere reichte, sollte sein jün­gerer Bruder wenigs­tens den Durch­bruch schaffen. Nestor agierte als Per­sonal-Trainer von Nikon, erstellte Trai­nings­pläne und doku­men­tierte die Fort­schritte. Mit offen­sicht­lich großem Erfolg: Schon früh galt Nikon als Jahr­hun­dert­ta­lent. Bereits mit zehn Jahren konnte er den Ball tau­send Mal hoch­halten. Alles war auf eine Pro­fi­lauf­bahn aus­ge­legt. Es folgten Ange­bote von Real Madrid und Bar­ce­lona. Der Roh­dia­mant ging schließ­lich zum FC Valencia. 

Slomka hält große Stücke auf El Maestro

Die Brüder gab es aber vor­erst nur im Dop­pel­pack. Wäh­rend Nikon die Jugend­mann­schaften auf­mischte, war Nestor Technik-Trainer bei der Ersten von Valencia. Auch in Deutsch­land blieben die beiden nicht unbe­merkt. 2006 holte Mirko Slomka den damals gerade erst 23-jäh­rigen Nestor in seinen Trai­ner­stab zu Schalke 04. Auch wenn man dort über die Ver­pflich­tung des Jung­trai­ners etwas irri­tiert war, rieb man sich schon eifrig die Hände, schließ­lich hatte der gebür­tige Serbe seinen jün­geren Bruder Nikon im Gepäck dabei, das große Talent, das fortan zusammen mit Julian Draxler die Schalker U‑Mannschaften durch­lief. 

Als Mirko Slomka in Schalke gefeuert wurde, musste auch Nestor gehen. Doch Slomka holte ihn bei Han­nover 96 sofort wieder in den Trai­ner­stab, wo er bis heute Frei­stöße, Flanken und Dribb­lings trai­nieren lässt, außerdem als aus­ge­wie­sener Taktik-Experte gilt. An diesem Punkt trennten sich die Wege des Brü­der­paars. Nikon ging zu Aus­tria Wien und wurde vor der lau­fenden Saison vom SC Wiener Neu­stadt ver­pflichtet, um langsam an die Senio­ren­mann­schaft her­an­ge­führt zu werden und Bun­des­li­ga­er­fah­rung zu sam­meln.

Die Abwe­sen­heit seines für­sorg­li­chen Bru­ders hat ihm offen­sicht­lich nicht gut getan. Viel­leicht waren die Erwar­tungen an ihn seit seiner Kind­heit auch viel zu hoch. In der lau­fenden Saison kam er noch nicht zum Ein­satz. Die ver­hei­ßungs­volle Kar­riere könnte ein jähes Ende nehmen, bevor sie über­haupt begonnen hat. Seine Gang­star-Raps auf You­tube sind hin­gegen wei­terhin zu sehen.