Seite 2: „Im Herzen bleibe ich Werderaner“

Denn wie der Spiegel“ berichtet, han­delten die beiden Ärzte im Fall Klasnic grob fahr­lässig. So fahr­lässig, dass sie nach Über­zeu­gung des Gerichts dafür ver­ant­wort­lich sind, dass Klas­nics Niere 2006 ver­sagte. Schon seit 2001 hätte man aus den Blut­werten des Stür­mers eine Nie­ren­schwäche her­aus­lesen können, viel­leicht sogar müssen. Zumin­dest hätten die Ärzte stutzig werden sollen.

Statt­dessen wurde Klasnic weiter wie ein gesunder Spit­zen­sportler behan­delt. Also auch mit Schmerz­mit­teln, die den Wirk­stoff Diclo­fenac ent­halten. Ein Wirk­stoff, der für Men­schen mit schwa­cher Niere Gift ist. Erst Ende 2005 wurde zufällig fest­ge­stellt, wie krank Klas­nics Niere inzwi­schen schon war. 2007 folgen zwei Trans­plan­ta­tionen: Die erste Niere – eine Spende seiner Mutter – stieß sein Körper ab. Mit der danach gespen­deten Niere seines Vaters lebt Klasnic seit neun Jahren. Mitt­ler­weile wartet der Kroate aber schon wieder auf einen neuen Spender, ist Dia­ly­se­pa­tient und muss sein Blut jeden zweiten Tag im Kran­ken­haus waschen lassen. Fünf Stunden lang.

Im Herzen bleibe ich immer Wer­de­raner“

Jetzt wirft das Gericht dem Sport­me­di­ziner Dim­anski laut dem Spiegel“ vor, damals Befunde nicht falsch, sonder gar nicht inter­pre­tiert“ zu haben. Auch Inter­nistin Guha habe grobe Fehler gemacht. So hätte sie trotz der selbst ermit­telten Blut­werte Ent­war­nung gegeben und keine Auf­fäl­lig­keiten fest­ge­stellt. Ein Befund, der Klasnic womög­lich die eigene Niere kos­tete.

Der Stürmer selber rap­pelte sich zwar immer wieder auf, wurde nach zwei­fa­cher Trans­plan­ta­tion 2007 zum ersten Profi welt­weit, der mit Spen­der­niere spielte – und traf. Sein altes Niveau erreichte er jedoch nie wieder. Bei seiner letzten Pro­fi­sta­tion in Mainz reichte es in der Saison 2012/2013 nur noch zu drei Ein­sätzen. Knatsch mit Thomas Tuchel inklu­sive. Wodurch ihm womög­lich wei­tere Ver­träge durch die Lappen gingen. Auch ein Grund, warum Klasnic 1,1 Mil­lionen Euro Scha­dens­er­satz von den Ärzten for­dert. Allein für 2007 stehe ihm ein Ver­dienst­aus­fall von einer Mil­lion Euro zu, stellte das Gericht bereits fest. 

Noch ist das Urteil aller­dings nicht rechts­kräftig, noch können die Ange­klagten in Beru­fung gehen. Noch gibt es auch in ihren Aus­sagen eine Menge Unge­reimt­heiten, vor allem dar­über, wer von ihnen wann was wusste und wer wem was wann wei­ter­sagte. Für Klasnic selber dürfte zunächst wich­tiger sein, wer ihm wann eine neue Niere spenden kann. Damit er in Zukunft wieder unbe­schwerter für die Werder-Tra­di­ti­ons­mann­schaft auf­laufen kann. Im Herzen bleibe ich immer ein Wer­de­raner; dort habe ich meine beste Zeit gehabt“, sagte er vor kurzem dem NDR. Man kann nur hoffen, dass das noch lange so bleibt.