Seite 2: Warum der Fußball in Europa amerikanische Investoren anspricht

Zual­ler­erst hat das gestei­gerte Inter­esse auch mit dem zumin­dest teil­weisen Rückzug einer anderen Welt­macht aus dem euro­päi­schen Fuß­ball zu tun. Chi­ne­si­sche Invest­ments gingen zurück, nachdem die Regie­rung dort eine mehr nach innen aus­ge­rich­tete Sport-Invest­ment-Stra­tegie aus­ge­geben hat“, erklärt Michael Broughton, Berater eines Sport-Inves­tors dem Nach­rich­ten­dienst Bloom­berg. Dieses Vakuum wurde vor­wie­gend von US-Inves­toren auf­ge­füllt, die im euro­päi­schen Fuß­ball einen Wert sehen.“

Um das zu ver­stehen, genügt bereits ein kurzer Blick in die ame­ri­ka­ni­sche Sport­welt. Gleich in meh­reren Sport­arten stellen die dor­tigen Pro­fi­ligen das Non­plus­ultra dar. Das drückt sich auch in Zahlen aus: Ein NBA-Team etwa ist laut einem Bericht des Wirt­schafts­ma­ga­zins Forbes im Jahr 2020 durch­schnitt­lich über zwei Mil­li­arden Euro wert. Eine durchaus beein­dru­ckende Summe, die aber auch bedeutet: Wer hier ein­steigt, muss ordent­lich Geld in die Hand nehmen.

Das beson­dere Wett­be­werbs­format der US-Sport­ligen macht es zudem schwierig, den Wert des eigenen Fran­chises schnell zu stei­gern. Denn Auf- und Absteiger gibt es nicht und durch diverse aus­glei­chende Mecha­nismen kann kein Fran­chise ein­fach unbe­grenzt Geld in die Hand nehmen und so der Kon­kur­renz ent­eilen. In Europa ist das anders: Hier bieten sich sowohl Spit­zen­klubs als auch Ver­eine in den unteren Ligen für güns­tige Ver­eins­über­nahmen an und bieten Chancen, am Ende deut­lich mehr als das anfangs inves­tierte Geld her­aus­zu­be­kommen.

Nicht nur Erfolgs­ge­schichten

So ist es keine Über­ra­schung, dass in Wrexham oder auch beim eng­li­schen Dritt­li­gisten FC Ports­mouth mit Michael Eisner, dem ehe­ma­ligen Disney-CEO, pro­mi­nente Inves­toren am Start sind. Denn diese Ver­eine spielen der­zeit deut­lich unter ihren Mög­lich­keiten und für die schnelle Rück­kehr zu alter Stärke fehlt hier scheinbar nur das Geld.

Doch auch hier gilt: Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Schon einige ame­ri­ka­ni­sche Inves­toren haben unter­schätzt, wie viel Wert die Stimme der Fans auch in den Län­dern ohne 50+1 hat. Die Abnei­gung gegen die Glazer-Familie, lang­jäh­rige Besitzer von Man­chester United, ging bei­spiels­weise sogar so weit, dass die Fans vor 15 Jahren einen eigenen Fuß­ball­verein fernab vom kom­mer­zia­li­sierten Fuß­ball grün­deten. Auch Mil­li­ardär Stan Kro­enke sieht sich beim FC Arsenal immer mas­si­verer Kritik aus­ge­setzt, nachdem der Verein sich unter seiner Ägide langsam, aber sicher von der Pre­mier-League-Spitze ver­ab­schiedet hat. Und Ex-Aston-Villa-Besitzer Randy Lerner musste getreu seines Namens lernen, dass die Wert­ver­än­de­rung eines Fuß­ball­klubs auch schnell mal in die ent­ge­gen­ge­setzte Rich­tung gehen kann. Ob die Über­nahme von Ryan Rey­nolds und Rob McEl­henney des AFC Wrexham tat­säch­lich zu einer hol­ly­woo­dreifen Erfolgs­ge­schichte wird, muss sich des­halb noch zeigen.